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  • Indien: Hunderte Corona-Tote im Ganges – weil Bestattungen zu teuer sind

Hunderte Tote im Ganges – weil Bestattungen zu teuer sind

  • Hunderte Tote trieben in den vergangenen Wochen im Ganges oder wurden an seinen Ufern angeschwemmt, berichtet die „Washington Post“.
  • Vermutet wird, dass Angehörige die durch die Pandemie drastisch gestiegenen Bestattungs­kosten nicht zahlen konnten.
  • Um dem Einhalt zu gebieten, bauen Kommunen freie Krematorien auf.
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Vor etwa zwei Wochen wurden die ersten Leichname gesichtet. Es waren Dutzende, schließlich Hunderte tote Menschen, die im Ganges, dem heiligen Fluss der Hindus, trieben oder im Sand der Ufer strandeten. „Wir hatten keine Ahnung, woher sie kamen“, wird der 35-jährige Darsan Nishad in der „Washington Post“ zitiert, der zusammen mit anderen zusammen an einer Biegung des Flusses acht Tote aus dem Wasser zog.

Bis heute ist das Geheimnis der Leichen ungelöst. Die allgemeine Vermutung ist, dass es sich um Tote handelt, die auf dem Gipfel der Corona-Krise, als mehr als 400.000 Neuinfektionen täglich gemeldet wurden, nicht ordnungsgemäß bestattet werden konnten. Die Kosten für eine Feuerbestattung waren während der schlimmen zweiten Viruswelle, so die „Washington Post“, umgerechnet von knapp 60 auf rund 330 Euro gestiegen.

Die täglichen Todeszahlen erreichten am vergangenen Mittwoch mit 4529 Covid-Toten ihren traurigen Höchststand. Viele Dörfer und Städte sind mit diesem dramatischen Anstieg überfordert. Es ist nicht geklärt, ob die Toten im Ganges an Covid-19 starben. Aber auch wenn sie aus anderen Gründen starben, in jedem Fall sind sie durch die unwürdige Form ihrer „Entsorgung“ indirekt auch Opfer des Virus geworden.

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Um den Toten eine Art letzte Ehre zu erweisen, wurden Patrouillenboote entsandt, freie Verbrennungszentren errichtet, in denen Priester und auch Feuerholz zur Verfügung stehen – eine Gratisleistung für trauernde Familien, auch um weitere Gangesleichen zu verhindern.

Dessen Wasser sei heilig, sagt Darsan Nishad. „Wir glauben, dass du dein ganzes Leben lang beschützt bist, wenn du es auch nur einmal berührst.“

RND/big

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