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In spanischen Orten gilt jetzt Tempo 30, in Madrid schon lange – und kaum einer hat’s gewusst

  • In ganz Spanien gilt innerorts jetzt generell Tempo 30 statt Tempo 50.
  • In der Hauptstadt ist das Tempolimit schon seit fast drei Jahren in Kraft.
  • Doch von dieser Regelung weiß kaum jemand.
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Madrid. Es gibt Revolutionen, die sind so leise, dass sie kaum einer bemerkt. Zum Beispiel diese: Seit Dienstag darf in spanischen Ortschaften grundsätzlich nur noch 30 Stundenkilometer statt wie bisher 50 gefahren werden. Das klingt nach einer einschneidenden Maßnahme.

Die Zeitungen und die Kommentatoren sind des Lobes voll: mehr Sicherheit, weniger Unfälle und hoffentlich auch weniger Lärm und Abgase. Natürlich gibt es immer den einen oder anderen Spanier, der schimpft: „Die wollen, dass wir kein Auto mehr fahren“, heißt es dann. Aber die meisten, die was dazu sagen, meinen, dass das Land auf dem richtigen Weg ist. Und das schon lange – was wiederum viele nicht wissen.

Einem Reporter der staatlichen spanischen Nachrichtenagentur Efe fiel es am Dienstag ein, einmal in Madrid auf die Straße zu gehen, um die Leute zu fragen, was sie denn vom neuen spanischen Tempo 30 hielten. Der Reporter hörte viele „Ach!“ und „Wie?“, den meisten war diese Neuigkeit unter all den Covid-Nachrichten entgangen.

Noch überraschter waren sie aber, als ihnen der Reporter verriet, dass in Madrid – also praktisch vor Ort und Stelle – die allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkung schon im Oktober 2018 auf 30 Stundenkilometer gesenkt worden war. „Finde ich gut, hatte ich aber noch nicht mitbekommen“, sagte eine vor roter Ampel wartende Autofahrerin.

Tempo 50 bei zwei oder mehr Fahrspuren

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Solche Unwissenheit klingt unglaublich, ist aber doch zu glauben. Was seit knapp drei Jahren in Madrid und seit Dienstag in ganz Spanien gilt, ist Folgendes: grundsätzlich Tempo 30, aber Tempo 50 auf allen Straßen mit zwei oder mehr Fahrspuren pro Richtung. Letztere machen immerhin rund ein Drittel des innerörtlichen Straßennetzes aus. Auf all den kleineren Straßen lässt sich sowieso kaum schneller als 30 fahren. Ausparkende Autos, stehend Taxis, Lieferverkehr oder Vorfahrtsregeln machen es sowieso unmöglich, mehr Gas zu geben. Allein deswegen kennen wenige die gesetzlichen Vorgaben – auch wenn sie schon drei Jahre lang gelten.

Spanien ist eines der verkehrssichersten Länder Europas, was vor 15 Jahren, als der mittlerweile verstorbene und damalige Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba den Führerschein auf Punkte (bei bestimmten Verstößen werden Punkte abgezogen; jeder Autofahrer startet mit zwölf Punkten) einführte, noch ganz anders war. 2006 gab es mehr als 4000 Verkehrstote, 2019 noch 1755, also weniger als die Hälfte und im vergangenen Jahr – wegen der Pandemie – wahrscheinlich noch mal weniger.

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