In Istanbul wird das Wasser knapp

  • Türkische Großstädte wie Istanbul, Ankara und Izmir kämpfen mit Wasserknappheit.
  • So sind die Stauseen, aus denen Istanbul Trinkwasser bezieht, nur noch zu 19 Prozent gefüllt – 2019 waren es noch 83 Prozent.
  • Grund sind neben der Dürre auch marode Wasserleitungen und der hohe Wasserverbrauch.
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Istanbul. Die Religionsbehörde Diyanet rief, und die Gläubigen kamen: Zahllose Menschen beteten in den 81 türkischen Provinzen um Regen. Das war am 11. Dezember. Geholfen hat es nicht. Die ersehnten Wolkenbrüche blieben aus, die Pegelstände in den Talsperren fallen weiter.

Nach zwei niederschlagsarmen Jahren hat es auch in diesem Winter zu wenig geregnet. Im Januar 2019 waren die Stauseen, aus denen Istanbul den Großteil seines Trinkwassers bezieht, noch zu 83 Prozent gefüllt. 2020 waren es 39 Prozent, jetzt sind es 19. Ali Ugurlu, Vorsitzender der türkischen Ingenieurskammer, warnt: „Das Wasser reicht noch für maximal 45 Tage.“

Ähnliche Lage in anderen türkischen Großstädten

In anderen Großstädten ist die Lage ähnlich: „Ich verbringe schlaflose Nächte“, sagt Tunc Soyer, Bürgermeister der Hafenstadt Izmir. Die Talsperren in der Umgebung sind nur noch zu einem Drittel gefüllt – halb so viel wie vor einem Jahr. In der Industriestadt Bursa reichen die Vorräte laut Behörden noch für drei Monate. Kritisch ist die Situation auch in der Hauptstadt Ankara: Auch hier sind die Stauseen nur noch zu einem Fünftel gefüllt. „Das reicht für 110 Tage“, rechnet Erdogan Öztürk, Generaldirektor der Wasserwerke, vor.

Die Wasserknappheit hat eine Reihe von Ursachen. Die Dürre ist eine. Ein weiterer Grund sind die vielerorts maroden Leitungsnetze. In Istanbul gehen 22 Prozent des Trinkwassers durch Lecks verloren. Eine weitere Ursache ist der hohe Verbrauch. Die sechs Millionen Einwohner Ankaras konsumieren pro Kopf am Tag 250 Liter Wasser – rund doppelt so viel wie in Deutschland. Auch das rasante Bevölkerungswachstum strapaziert die Ressourcen: Die Bevölkerung Ankaras hat sich seit Ende der Siebzigerjahre verdreifacht, die Einwohnerzahl Istanbuls verdoppelte sich in den vergangenen 25 Jahren.

Keine schnelle Abhilfe in Sicht

Schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht. Die Regierung plant zwar 150 neue Staudämme, aber das braucht Zeit. Bis dahin heißt es: Wasser sparen und auf Regen hoffen. Immerhin: Für dieses Wochenende prognostizieren die Meteorologen für Istanbul kräftige Niederschläge.

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