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In 52 Tagen die Seine hinab: Sohn der Pariser Bürgermeisterin schwimmt für die Umwelt

  • Arthur Germain, Sohn der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, schwimmt für die Umwelt.
  • In 52 Tagen will er die Seine passieren, vom Ursprung bei Dijon bis nach Le Havre, wo der Fluss ins Meer mündet.
  • Ausgerechnet in Paris könnte er allerdings auf Hindernisse stoßen.
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Paris. Seine Mutter Anne Hidalgo hat schon Außergewöhnliches geschafft: Als Tochter eines spanischen Einwandererpaars wurde sie 2014 die erste Bürgermeisterin von Paris und kümmert sich unter anderem darum, die Ufer der Seine innerhalb der französischen Hauptstadt naturnäher zu gestalten. Umwelt- und Klimaschutz sind ihre Hauptthemen.

Ihr Sohn Arthur Germain, das jüngste ihrer drei Kinder mit dem sozialistischen Abgeordneten Jean-Marc Germain, hat sich nun ebenfalls eine besondere Herausforderung vorgenommen: Der 19-Jährige schwimmt zurzeit die kompletten 774 Kilo­meter die Seine entlang – von ihrem Ursprung nordwestlich von Dijon bis nach Le Havre, wo der Fluss ins Meer fließt. Am vergangenen Sonntag ging es los, unter dem Applaus seiner Anhänger und Anhängerinnen, die mit ihm ins Burgund gefahren waren.

„Für die Umwelt ist es eine Katastrophe“

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Sein Ziel sei es, so Germain, die Menschen für die Schönheit der Natur zu sensibilisieren, aber auch auf das Problem der Umweltverschmutzung hinzuweisen. So gebe es noch 35.000 Wohnungen am Flussufer, die nicht ans Abwassersystem angeschlossen seien. Im Wasser fänden sich Pestizide, Plastik und Mikroplastik. Er selbst sei geimpft, damit ihm das nichts anhaben könne: „Es ist nicht sehr gefährlich für mich, aber für die Umwelt ist es eine Katastrophe.“ Verschmutzte Gebiete will er filmen, sich in seinen Schwimmpausen mit den Chefs von industriellen Standorten und mit Landwirten treffen und auch in Schulen gehen, um den Kindern sein Vorhaben zu erklären.

Arthur Germain schwimmt in der Seine in Paris. © Quelle: Denise Daries

Seine Aktion macht der junge Mann so öffentlich wie möglich – er hat eine professionelle Website eingerichtet und ein ganzes Team um sich geschart, darunter ein Arzt, der ihn begleitet. Und dazu berühmte Eltern zu haben dürfte auch hilfreich sein.

Dennoch betont Arthur Germain, er habe „seine eigene Vorgehensweise und niemandem etwas zu beweisen“. Er schwimme, seit er ein kleines Kind sei, und es gehe ihm nicht um Berühmtheit. Die Hälfte der für die Aktion gesammelten Spenden geht an eine Nichtregierungsorganisation, die Bildungsprojekte in Afrika fördert. Bereits im Alter von 16 Jahren war Germain der Jüngste, der den Ärmelkanal schwimmend durchquerte – 51,3 Kilometer in neun Stunden und 47 Sekun­den.

Zu einer warmen Dusche würde er nicht Nein sagen

Dieses Mal ist die sportliche, aber auch mentale Herausforderung noch größer. Die 774 Kilometer will Germain bis zum 28. Juli, also in 52 Tagen, schaffen und dabei noch sein Kajak mitziehen. Das hat er sich mit einem Strick um die Taille gebunden. In dem 60 Kilogramm schweren Boot befinden sich in wasserfesten Taschen eine Hängematte und eine Plane zum Schlafen, sein elektronisches Material, um in den sozialen Netzwerken ständig über sein Vorankommen berichten zu können, ein kleiner Elektrokocher und sein Essen. Arthur hat Nüsse, Trockenfrüchte, selbst gemachte Müsliriegel, Miso­suppen und getrocknete Algen dabei – alles vegetarisch und ohne Gluten.

„Ich bekomme keinerlei Hilfe und nehme auch kein Essen an, weder von meinem Team noch von Menschen auf dem Weg“, versichert er. Sollten ihn Anwohner zu einer warmen Dusche einladen, würde er aber nicht Nein sagen.

Zum Essen bedient er sich außerdem in der freien Natur: Am Dienstag pflückte er wilden Spargel für sein Mittagessen. „Lecker!“, kommentierte er danach auf Twitter. In den sozialen Netzwerken bewertet Arthur Germain täglich seine Tagesform oder dokumentiert, wenn ihm beispielsweise ein umgestürzter Baum den Weg versperrt. Trainiert hat der schmale, aber muskulöse junge Mann schon seit Monaten für seinen Trip – mit fast täglichen Trainingseinheiten im Pool und im Fluss. Dazu machte er Muskeltraining und Kletterübungen, um so richtig fit zu sein.

Schwimmen in der Seine ist eigentlich verboten

Auch in administrativer Hinsicht war die Vorbereitung langwierig. 360 Kommunen liegen an der Seine, darunter die bekanntesten Paris, Rouen und Le Havre, und Germain brauchte von allen zuständigen Polizeipräfekturen die Erlaubnis, durch die Seine zu schwimmen – denn das ist eigentlich verboten.

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Nicht überall erhielt der junge Mann die Erlaubnis. Unter anderem in Paris, der von seiner eigenen Mutter regierten Me­tro­po­le, wurde sie ihm verwehrt. Anne Hidalgo hatte auf diese Entscheidung keinen Einfluss.

Trotzdem ist Germain entschlossen, nicht von seinem Plan abzuweichen: „Ich werde wie vorgesehen dorthin kommen und glaube nicht eine Sekunde, dass man mich aufhalten wird.“ Man müsse nur einfach „sehr einfallsreich sein, um die Mauer der französischen Verwaltung zu überwinden“.

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