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  • Impfanreize in Deutschland: Bratwurst, Freikarten und ein eigener Chauffeur

Bratwurst, Fußballticket, Geldprämie: Immer wieder neue Impfanreize in Deutschland

  • In den vergangenen Monaten kommt die Impfkampagne in Deutschland kaum voran.
  • Anreize sollen die Menschen deshalb vom Piks überzeugen.
  • Nicht nur in der Bundesrepublik wird mit Belohnungen für eine Impfung geworben.
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Die Impfkampagne in Deutschland ist schon seit längerer Zeit ins Stocken geraten. Aktuell beträgt die Impfquote 68 Prozent (Stand: 24. November). Um wieder Schwung ins Impfen zu bekommen, gibt es immer wieder Aktionen, die einen Anreiz für den Piks schaffen sollen. Ein Überblick über die ungewöhnlichsten Aktionen.

Bratwurst für Impfung

Die Bratwurst scheint ein beliebtes Mittel zu sein, um Menschen von einer Impfung zu überzeugen. In vielen deutschen Städten wurde mit dem Klassiker für eine Impfung geworben – zuletzt im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge. Rund 150 Menschen haben sich am 12. November in der Fußgängerzone impfen lassen und dafür eine Bratwurst erhalten, berichtete die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ). Etwa 50 weitere Menschen ließen sich impfen, verzichteten aber auf die Wurst oder nahmen Pommes.

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Die Idee, die Impfbereitschaft mit Bratwürsten zu belohnen, stammt aus Thüringen. Einen ähnlichen Erfolg wie in Sonneberg oder auch im Erzgebirge und in Aue-Bad Schlema wollte auch die niedersächsische Stadt erzielen.

Für die Aktion stellte sich der Bürgermeister der Stadt in der Region Hannover, Dominic Herbst, zeitweise selbst an den Grill. Rund zweieinhalb Stunden habe das Stadtoberhaupt gegrillt. „Wir wollen das Impfen zu den Menschen bringen und so mithelfen, die Impfquote zu steigern“, so der Bürgermeister.

Dominic Herbst (Bündnis 90/Die Grünen), Bürgermeister der Stadt Neustadt am Rübenberge, steht am Grill eines Bratwurststandes in der Fußgängerzone und übergibt einer Bürgerin eine Bratwurst. © Quelle: Moritz Frankenberg/dpa

Impfen auf dem Weihnachtsmarkt

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Das Motto „Das Impfen zu den Menschen bringen“ gilt auch in Bochum. Dort können sich Impfwillige auf dem Weihnachtsmarkt ihren Piks abholen. Schon vor der Öffnung der stationären Impfstelle zwischen Glühweinständen und Würstchenbuden am 18. November bildeten sich lange Schlangen. Etwa 150 bis 200 Menschen warteten darauf, eine Corona-Schutzimpfung zu bekommen. „Der Andrang war so groß, dass wir bis zur Schließung aus Kapazitätsgründen nicht alle impfen konnten. Wir mussten bei etwa 100 Personen kappen“, sagte ein Stadtsprecher.

Pro Sieben impft vor laufenden Kameras

Der Sender Pro Sieben möchte ebenfalls dazu beitragen, die Impfquote in Deutschland zu erhöhen. Am Mittwochabend (24. November) wird im Rahmen des Journals „Zervakis & Opdenhövel. Live.“ geimpft. Auch die beiden Moderatoren Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel wollen sich vor laufenden Kameras boostern lassen. Laut Senderangaben wird von 19 bis 23 Uhr auf dem Pro-Sieben-Sat.1-Gelände in Unterföhring geboostert und erstgeimpft. Es „können sich Impfwillige ihre Erst- oder Booster-Impfung in zwei bereitgestellten Impfbussen verabreichen lassen“, so der Sender.

Hannover 96 vergibt Freikarten an Geimpfte

Bei Sportereignissen kommen viele Menschen zusammen. In vielen Städten warteten deshalb bereits Impfbusse oder andere mobile Teams vor den Stadien oder Hallen auf impfwillige Fans. Hannover 96 geht noch einen Schritt weiter, wie die HAZ berichtete. Mit 1000 Freikarten für das Heimspiel gegen Dynamo Dresden wollen der Fußball-Zweitligist und die Region Hannover einen weiteren Impfanreiz in der Corona-Krise schaffen. Wer sich ab dem 23. November für eine Erst- oder Booster-Impfung entscheidet, kann sich ab nächstem Montag mit seinem Impfpass zwei kostenlose Eintrittskarten für die Partie am 23. Januar im Fanshop der 96er abholen. Dabei ist es unerheblich, ob die Impfung von einem mobilen Impfteam oder einem niedergelassenen Arzt verabreicht wurde, teilte die Region am Dienstag mit.

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Mit dem Luxusauto zur Impfung

Die Stadt Hamburg hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Am Mittwoch (24. November) können sich Menschen, die sich gegen Corona impfen lassen wollen, in Hamburg mit einem Luxusauto zu ihrem Termin chauffieren lassen. Organisiert wurde die Aktion von mehreren Unternehmen der Hansestadt. So wolle man einen Anreiz schaffen, sich impfen zu lassen, hieß es. Das Ziel des Shuttles ist ein Hotel im Stadtteil St. Pauli. Dort findet auch die Impfung statt – und zwar im 20. Stock mit Blick über die Elbe und auf den Hamburger Hafen. Interessierte mussten sich zuvor anmelden. Zuletzt hatte es auch Impfaktionen in der Elbphilharmonie, in den Bücherhallen oder im Volksparkstadion gegeben.

5000 Euro Impfprämie bei Jenaer Unternehmen

Wer in Jena bei der Böttcher AG arbeitet, kann mit einer Impfung ganz schön viel Geld verdienen. 5000 Euro bietet das Unternehmen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wenn sie sich einen Piks abholen. Weitere Bedingungen gebe es nicht, berichtete die „Kreiszeitung“ aus Thüringen. Wenn sich alle rund 550 Mitarbeitenden impfen lassen, würde das dem Unternehmen etwa 2,7 Millionen Euro kosten. Klingt viel, aber Firmenchef Udo Böttcher erklärte, weshalb sich die Investition trotzdem lohnt. „In erster Linie handelt es sich um eine Investition in die Gesundheit unserer Mitarbeiter“, sagte er der Zeitung. Eine Corona-Quarantäne für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würde demnach aber mehr Umsatzverlust mit sich ziehen, als wenn sich alle impfen, da das Unternehmen stark auf das Personal angewiesen sei und Ausfälle nur schwer kompensiert werden könnten.

Impflotterie des ORF in Österreich gestartet

Nicht nur in Deutschland soll die Impfkampagne mit Anreizen wieder ins Rollen gebracht werden. In Österreich, wo seit Montag (22. November) erneut ein Lockdown herrscht, wurde eine Lotterie gestartet. Der Österreichische Rundfunk (ORF) verlost ein Einfamilienhaus, ein Elektroauto und etwa tausend weitere Sachpreise an Menschen, die in Österreich leben, mindestens 18 Jahre alt sind und sich im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 20. Dezember haben impfen lassen. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt am 24. Dezember, also an Heiligabend.

Kreative Impfanreize in den USA

Lotterien für Geimpfte gab es auch immer wieder in den USA – sogar mit extrem hohen Gewinnsummen. Im Bundesstaat Ohio ist eine Frau dank ihrer Impfung nun Millionärin. In den Vereinigten Staaten überboten sich die Bundesstaaten, Kommunen und Unternehmen mit materiellen Stimuli: Freiflüge, Luxuskreuzfahrten, Universitätsstipendien, kostenlose Taxifahrten, Einkaufsgutscheine, Gratistickets für große Sportveranstaltungen, Freigetränke – die Liste der Lockmittel ist lang. Ein Dauerbrenner und viel beachteter PR-Gag: Bei der Donutkette Krispy Kreme bekommt seit März jeder Geimpfte beim Vorzeigen der Impfkarte einen der süßen Krapfen geschenkt – im Zweifel jeden Tag. Besonderes Aufsehen erregte eine Lobbygruppe, die in New York und Washington Joints für Geimpfte ausgab.

Nach der Impfung gibt‘s eine Kuh geschenkt

Einen kuriosen Anreiz gibt es in Thailand: Seit Juni wird im ländlichen Bezirk Mae Chaem, wo viele dem Piks in den Arm lange skeptisch gegenüberstanden, jede Woche eine Kuh unter Impfwilligen verlost. Der Andrang soll sich seit Beginn der Aktion vervielfacht haben. Kein Wunder: Eine Kuh ist im Königreich 10.000 Baht (250 Euro) wert – das ist viel Geld in dem von Corona und fehlendem Tourismus gebeutelten Land.

RND/nis mit dpa

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