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Im Lockdown angeschaffte Haustiere werden zurückgegeben: Tierheime schlagen Alarm

  • Im Lockdown haben sich viele ein Haustier angeschafft – und nun, wo das Leben langsam zurückkehrt, keine Zeit mehr dafür.
  • So verzeichnet das Tierheim Berlin aktuell einen Spitzenwert bei der Abgabe von Kaninchen und schlägt Alarm.
  • Doch nicht nur in der Hauptstadt sind die Tierheime ausgelastet.
Larissa Kahr
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Bei vielen Menschen war das Bedürfnis nach Nähe während des Lockdowns groß. Manche kompensierten das mit der Anschaffung eines Haustiers. Doch jetzt, wo die Normalität langsam wieder einsetzt, Menschen wieder zurück ins Büro gehen und auch die Freizeit wieder verplanter ist, werden Hund, Katze, Kaninchen oder Reptilie ausgesetzt oder abgegeben. Deshalb schlagen deutsche Tierheime nun Alarm. Das Berliner Tierheim etwa meldet eine überdurchschnittlich hohe Abgabe von Kaninchen, die nun auf neue Besitzer warten. Auch in anderen deutschen Städten ergibt sich ein ähnliches Bild. Denn Platz und Ressourcen in den Tierheimen sind begrenzt.

In Berlin verzeichnet das Tierheim einen erhöhten Zulauf an Kaninchen

Wenn man Annette Rost nach den tierischen Verlierern der Corona-Pandemie fragt, zögert die Pressesprecherin des Tierschutzvereins für Berlin (TVB) mit der Antwort nicht: „Die aktuelle Situation zeigt, das sind eindeutig die Kaninchen“, sagt sie gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). So bietet das Tierheim Berlin aktuell 120 Kleintieren ein temporäres Zuhause – darunter sind 60 Kaninchen. „Das ist auf jeden Fall ein Spitzenwert“, sagt sie.

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Noch ein weiteres Problem beschäftigt Rost und das Team: Denn neben den Nagern verzeichnet das Tierheim auch ungewöhnlich viele Neuzugänge von Hunden. Zum einen seien das Hunde von Besitzern, die sich der Aufgabe nicht mehr gewachsen fühlten – zum anderen aber auch Übermittlungen der Polizei. Denn besonders während der Lockdowns und der damit verbundenen erhöhten Nachfrage an jungen Hunden sei der illegale Welpenhandel floriert, so Rost. Die Folge: Vermehrte Sicherstellungen von illegalen Welpen, die in miserablem gesundheitlichen Zustand im Tierheim Berlin landen. Dort pflegen sie die Mitarbeiter kosten- und zeitintensiv.

Verhaltensauffällige Hunde sorgen im Münchner Tierheim für Probleme

Auch das Tierheim München vermeldet ähnlich alarmierende Zustände. „Wir sind momentan wirklich sehr voll, alle Tierhäuser sind bis obenhin besetzt“, sagt Kristina Berchtold, die Pressesprecherin des Tierschutzvereins München, dem RND. Was sich vor Corona schon andeutete, hat sich nun verstärkt: „Die Leute haben sich schon immer unüberlegt Haustiere zugelegt, aber im letzten Jahr ist der Anteil größer geworden“, sagt sie.

Die meisten Tiere, die im Tierheim München landen, seien aktuell Hunde – viele davon hätten Verhaltensauffälligkeiten. Berchtold erklärt das so: Viele Menschen hätten sich während der Lockdowns einen Hund zugelegt. Da die Hundeschulen geschlossen waren, vernachlässigten sie aber die Erziehung. Dieser Trend stellt die Mitarbeiter vor ein ganz anderes Problem: Verhaltensauffällige Hunde brauchen Einzelunterbringungen und damit mehr Platz. So kann das Tierheim München, das eigentlich Platz für 150 Hunde hat, aktuell nur 110 Plätze besetzen. Berchtold wünscht sich deshalb, dass Hunden, bevor sie im Tierheim landen, eine zweite Chance gegeben wird: „Mein Wunsch wäre, dass die Leute keine Makellosigkeit von ihren Haustieren erwarten.“

Tierheim Stuttgart nimmt zwischen 15 und 20 Tiere in der Woche auf

Oft seien es fadenscheinige Gründe, wegen denen Haustiere im Tierheim Stuttgart abgegeben werden, sagt wiederum die Pressesprecherin des Tierschutzvereins Stuttgart, Petra Veiel, dem RND: „Im Abgabeportfolio gern angegebene Gründe sind Allergien oder fehlende Stubenreinheit.“ Sind die Neuzugänge also doch keine Corona-Anschaffungen, für die nach Ende der Homeoffice-Pflicht keine Zeit mehr ist? Wenn man es genauer beleuchte und das Alter des Tieres mit einrechne, treffe das schon oft zu, sagt Veiel. So werden aktuell in der Woche zwischen 15 und 20 Tiere in Stuttgart abgegeben, darunter auch viele Kleintiere.

Denn neben Hunden und Katzen beherbergt das Tierheim in Stuttgart viele Kaninchen und Reptilien: „Die Leute denken immer: Ein kleines schnuckeliges Kaninchen braucht keine Pflege. Aber man muss sich mit jedem Tier beschäftigten“, sagt Veiel. Obwohl das Tierheim Stuttgart seine Tiere schnell weitervermittele, seien die aktuell hohen Zuläufe problematisch: „Die Kosten und der Arbeitsaufwand pro Tier sind sehr groß“, sagt sie.

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