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“Ich wusste es schon als Kind”: Ein syrischer Flüchtling, der Priester werden will

  • Die katholische Kirche hat große Nachwuchsprobleme.
  • Immer weniger Männer wollen Priester werden.
  • Bei Garo Garabet ist es anders, der Syrer fühlte sich schon in seiner alten Heimat dazu berufen.
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Trier. Garo Garabet erinnert sich gut. Gerade mal zwölf Jahre alt war er, als er zum ersten Mal dachte, er würde gerne ein katholischer Priester werden. Damals lebte er in einem christlichen Dorf in der Nähe von Idlib in Syrien. Nach dem Abitur war er sich dann ganz sicher. Doch seinen Berufswunsch konnte er lange nicht verfolgen: Erst waren die Eltern dagegen, dann musste die Familie 2015 fliehen. Über die Türkei, Griechenland, Serbien, Ungarn, die Schweiz bis nach Deutschland - ins Saarland.

Heute sitzt der 34-Jährige in den Räumen des Priesterseminars in Trier. "Ich fühle, ich bin angekommen", sagt der Mann mit hellbraunem Haar, Vollbart und mittelbraunen Augen in fließendem Deutsch. Er strahlt. Seit vergangenem Herbst absolviert er das Sprachen- und Orientierungsjahr "Felixianum", das vom Bistum Trier angeboten wird. Wenn alles gut läuft, wird er im September im Priesterseminar Sankt Lambert in Lantershofen (Kreis Ahrweiler) mit dem Studium beginnen - und in sechs Jahren Priester sein.

"Mein Wunsch ist, dass in Deutschland wieder mehr Menschen in die Kirche kommen, vor allem junge Menschen", sagt der Syrer. "In meiner alten Heimat gingen alle Leute zur Kirche." Als Priester wolle er dafür arbeiten, dass die deutsche katholische Kirche wieder mehr Zuspruch erhalte - und auch mehr Männer für den Beruf des Priesters begeistere. Von daher würde er später gerne in einer Pfarrei arbeiten, wo wenige Menschen an Gott glaubten, sagt er.

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Zahlen der katholischen Priester in Deutschland gehen zurück

"Wir freuen uns über jeden, der sich ernsthaft auf diesen Weg einlässt", sagt der Leiter des "Felixianum" und Subregens am Bischöflichen Priesterseminar, Oliver Laufer-Schmitt. Gehen doch auch im Bistum Trier die Zahl der Anwärter zurück: 2000 habe es noch 52 Priesteramtskandidaten in Ausbildung gegeben, derzeit seien es 15. 2019 gab es keinen Neueintritt. "Wenn es weniger Menschen gibt, in deren Leben Gott und Kirche eine Rolle spielt, dann entwickeln sich die Zahlen der Seminaristen entsprechend."

Seit Jahrzehnten gehen die Zahlen der katholischen Priester in Deutschland zurück. Waren 1990 nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) noch gut 19 000 Priester (inklusive Ordenspriester) tätig, gab es 2010 noch rund 15 100 - in 2018 waren es dann knapp 13 300.

Wie man Weichen für Veränderungen in der katholischen Kirche stellen könnte - darüber wird von (diesem) Donnerstag in Frankfurt beim sogenannten synodalen Weg beraten. Die DBK und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hatte die auf zwei Jahre angelegte Debatte um Reformen im Frühjahr 2019 beschlossen. Bei den Gesprächen soll um die Themen Macht, Sexualmoral, Lebensform der Priester und die Rolle von Frauen in der Kirche gehen.

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Auf der Flucht hat er viel gebetet

Als Priester ohne Frau und Familie leben zu müssen sei "natürlich nicht einfach", sagt Garabet. Dies sei auch der Grund gewesen, warum sein Vater zunächst gegen seinen Berufswunsch gewesen sei. "Er wollte, dass ich heirate und Kinder habe." Jetzt akzeptiere er es aber. "Ich sage: für mich sind dann alle Menschen meine Familie." Wenn die katholische Kirche aber eines Tages Priestern freistelle würde, ob sie zölibatär leben wollten oder nicht, fände er das gut.

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Garabet sei ein starkes Beispiel, wie eine Berufung immer wieder durchbreche, sagt Laufer-Schmitt. Der Syrer habe auch immer wieder Menschen getroffen, die ihn bestärkt hätten, wie beispielsweise der Schwalbacher Priester Hans-Georg Müller. Dieser hatte ihm auch den Kontakt zum "Felixianum" vermittelt. Dort können sich junge Leute nach der Schulzeit ein Jahr lang orientieren: Sprachen wie Latein oder Griechisch lernen und sich theologisch vorbereiten.

Der Glaube sei stets sein ständiger Begleiter gewesen, sagt Garabet, der katholisch erzogen wurde. So habe er in Aleppo Jura studiert, mit dem Ziel, für ein Kirchengericht zu arbeiten. Nebenbei sei er Inhaber eines Vertriebs für Bio-Olivenöl gewesen, ein Geschäftszweig seines Vaters. Doch dann kam der Krieg, und Kämpfer nahmen den Bewohnern in seinem Heimatdorf Häuser, Ländereien, Maschinen. "Wer nicht gespurt hat, wurde erschossen, wie mein Cousin."

Auf der Flucht habe er viel gebetet, erzählt der Mann. Vor allem im Boot von der Türkei nach Griechenland habe er Todesangst gehabt. "Wir waren mehr, als das Boot vertrug. Das Wasser kam immer wieder hinein. Um diese Zeit haben wir immer gebetet." Irgendwann sei er bewusstlos geworden. Als er wieder zu sich kam, war er in einem Polizeiboot kurz vor Griechenland. "Das vergisst man nie."

RND/dpa

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