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Hurrikan “Laura”: 14-Jährige von Baum erschlagen, Feuer in Chemikalienfabrik

  • „Laura“ gingen dramatische Warnungen voraus: Der extrem gefährliche Hurrikan traf das US-Festland mitten in der Nacht.
  • Erst allmählich wird das Ausmaß der Schäden sichtbar, mindestens ein Mensch kam ums Leben.
  • Die Gefahr ist laut Experten noch nicht vorbei.
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Lake Arthur. Der extrem gefährliche Hurrikan “Laura” hat mindestens vier Menschen im US-Bundesstaat Louisiana das Leben gekostet. Gouverneur John Bel Edwards sagte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, er sei besorgt, dass bei den nun anstehenden Such- und Rettungsarbeiten weitere Tote gefunden werden könnten. “Ich hoffe nicht, ich bete, aber das ist der Grund, warum wir rausgehen und diese Such- und Rettungsaktionen durchführen.”

Der Gouverneur machte deutlich, dass die Schäden nach bisherigem Kenntnisstand weniger schlimm ausfielen als erwartet. “Es ist klar, dass wir keinen absolut katastrophalen Schaden erlitten haben, den wir auf Grundlage der Prognose, die wir letzte Nacht hatten, für möglich gehalten haben. Aber wir haben einen enormen Schaden erlitten”, sagte Edwards. Vor allem das Stromnetz sei erheblich beschädigt worden.

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Hurrikan Laura verwüstet Louisiana und Texas
1:22 min
Durch die Folgen des Hurrikans sind nach Behördenangaben mindestens vier Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein 14-jähriges Mädchen.  © Reuters
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Nach eindringlichen Warnungen ist Hurrikan “Laura“ mit Windgeschwindigkeiten von 240 Stundenkilometern auf das US-Festland am Golf von Mexiko getroffen. Im Dunkel der Nacht auf Donnerstag richtete der Wirbelsturm erhebliche Schäden in Teilen der Bundesstaaten Louisiana und Texas an, die bei Tagesanbruch allmählich sichtbar wurden: Die Wucht des Sturms deckte Dächer ab, riss Fassaden von Häusern weg und ließ Strommasten und Bäume umknicken. Meerwasser überflutete die Küste weit bis ins Landesinnere.

Eine 14-Jährige überlebte den Sturm im Vernon Parish in Louisiana nicht, wie eine Sprecherin des Gouverneurs bestätigte. Ein Baum sei auf das Haus der Familie gekracht. In Texas gab es zunächst keine Hinweise auf Todesopfer, wie der Gouverneur Greg Abbott dem Sender Fox News am Morgen sagte. “Das war das oberste Ziel.“

Nach Hurrikan “Laura“: Feuer in Chemikalienfabrik

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In einer Fabrik für Chemikalien in dem Ort Westlake (Louisiana) brach am Morgen ein Feuer aus. Bei dem Zwischenfall nahe der Stadt Lake Charles habe es ein Chlorgasleck gegeben, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Unklar blieb, ob dadurch das Feuer ausgelöst wurde. Der Gouverneur des Staates, John Bel Edwards, rief die Anwohner per Twitter auf, im Haus zu bleiben, Türen und Fenster zu schließen und Klimaanlagen auszuschalten. Das betroffene Unternehmen Biolab stellt chemische Produkte für den Haushalt und Pools her. Auf Bildern waren dicke, graue Rauchschwaden zu sehen.

Meteorologen warnten weiter vor Überschwemmungen durch Starkregen, zerstörerischen Winden und gefährlichen Sturmfluten. Hunderttausende Haushalte waren nach US-Medienberichten ohne Strom. US-Präsident Donald Trump wollte sich beim Katastrophenschutz später am Donnerstag über die Lage unterrichten lassen, kündigte das Weiße Haus an. “Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Sightseeing“, warnte Louisianas Gouverneur John Bel Edwards. Die Gefahr sei noch nicht gebannt.

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Ein Pfeifton sei zu hören gewesen, als der Hurrikan über Sulphur in Louisiana zog, schrieb der Hurrikan-Jäger Josh Morgerman in den frühen Morgenstunden auf Twitter. Auf einem seiner Videos ist zu sehen, wie der Sturm die Regenmassen vor sich her peitschte – im Licht einer Straßenlaterne sah das aus wie schnell ziehende Nebelschwaden. Menschen wie Morgerman begeben sich ungeachtet der Warnungen in die unmittelbare Gefahr der Stürme. Der Hurrikan klinge wie “ein dröhnendes Düsentriebwerk“, beschrieb ein Reporter des Fernsehsenders CNN die Situation in Lake Charles (Louisiana).

Hunderttausende von Stromausfall betroffen

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In Texas und Louisiana fiel der Strom in knapp 470.000 Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden aus. Videos in den sozialen Netzwerken zeigten, wie ein Hochhaus in der Stadt Lake Charles in Louisiana vom Wind beschädigt wurde – Fenster zerbrachen, Glasteile und andere Bruchstücke flogen durch die Luft und auf den Boden.

Die Behörden hatten Küstenbewohner aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen, aber nicht jeder folgte dem. Einige Leute seien noch in der Stadt und riefen den Notruf, sagte Tony Guillory, Chef der sogenannten Polizeijury der zu Lake Charles gehörenden Gemeinde Calcasieu Parish. “Es gibt keine Möglichkeit, zu ihnen zu kommen.” Er hoffte auf Rettungseinsätze später am Donnerstag, fürchtete aber auch, dass Überschwemmungen zu erheblichen Verzögerungen führen würden.

Gouverneur: Nur wegen Evakuierung keine Toten in Texas

Brett Geymann, der ein wenig weiter nördlich in Moss Bluff lebte, berichtete, das Auge des Hurrikans sei genau über ihn hinweggedonnert. Es habe sich angefühlt wie 1000 Tornados. Seine Familie sei okay, aber überall gebe es Zerstörung. Einige Häuser lägen völlig in Trümmern.

In Texas sagte Gouverneur Greg Abbott, nur wegen der Tausenden Evakuierungen seien keine Todesopfer zu beklagen. Im weiter landeinwärts gelegenen Staat Arkansas wurden zahlreiche Schulen geschlossen, die in dieser Woche den wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Unterricht gerade erst wieder aufgenommen hatten.

Steigende Corona-Zahlen in einigen Evakuierungsgebieten

US-Vizepräsident Mike Pence hatte die Anwohner in einer Rede auf dem Parteitag der Republikaner aufgerufen, die betroffenen Gebiete zu verlassen. Präsident Donald Trump forderte via Twitter, sie sollten den Vorgaben der Behörden folgen.

In der Stadt Delcambre sagte Anwohner Trent Savoie am Mittwoch, er werde sich nicht an die Evakuierungsanordnung halten. “Mit vier Kindern und 100 Tieren auf einem Bauernhof ist es einfach hart zu gehen“, sagte der 31-Jährige. In Cameron weigerten sich nach Behördenangaben mindestens 150 Anwohner, die Gemeinde zu verlassen – obwohl sie vollständig von Wasser aus dem Meer geflutet werden könnte. “Es ist eine sehr traurige Situation“, sagte Ashley Buller von der Katastrophenbereitschaft in Cameron. “Wir haben alles getan, was wir konnten, um sie zum Gehen zu bewegen.“

Für die Regierung in Louisiana stellt “Laura“ in der Coronavirus-Pandemie eine besondere Herausforderung dar. In einigen Gebieten unter Evakuierungsanordnung hatte es zuletzt steigende Infektionsraten gegeben.

RND/dpa/AP/seb

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