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Die seltsame sechste Welle: Wie Spanien mit den hohen Infektionszahlen umgeht

Eine Frau geht mit ihrem Koffer durch das Terminal 4 des Flughafens Adolfo Suárez Madrid-Barajas.

Madrid. Ana Obregón hält ihre Fans auf dem Laufenden: „Es geht mir gut, zu Hause, als wär‘s eine superstarke Erkältung, dank der Impfungen. Diese Variante fliegt, sie ist überall. Ich bin über Weihnachten nicht aus dem Haus gegangen und hab‘s trotzdem bekommen.“

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So lässt sich Spaniens sechste Covid-Welle zusammenfassen.

Ana Obregón ist einer der beliebtesten Stars des spanischen Fernsehens. Dieses Jahr sollte sie wieder die Campanadas zum Jahreswechsel präsentieren: die zwölf Glockenschläge, die vom Turm der Regionalregierung an der Madrider Puerta del Sol das neue Jahre einläuten und zu denen sich ganz Spanien im Dreisekundentakt Weintrauben in den Mund stopft. Das Virus hält Obregón von ihrem Auftritt ab. Sie ist eine von Hunderttausenden, die sich dieser Tage infiziert haben. Die Spanier wissen nicht so recht, wie sie Silvester feiern sollen.

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Die Statistik zeigt: Impfen wirkt

80 Prozent der Spanier sind komplett geimpft, das ist der drittbeste Wert in der Europäischen Union, nach Portugal und Malta. Gleichzeitig erreicht die 14-Tage-Inzidenz gerade täglich neue Höchstwerte, am Mittwoch übertraf sie erstmals 1500 registrierte Fälle auf 100.000 Einwohner, was der drittschlechteste Wert der Europäischen Union ist, nach Dänemark und Irland. Es ist keine neue Erkenntnis mehr, aber immer noch eine frustrierende: Die Impfung schützt nicht vor der Infektion. Jedenfalls nicht so, wie man das gerne hätte – dass sie dem Virus keine Chance ließe.

Die spanischen Statistiken zeigen aber auch, dass die Impfung vor schweren Krankheitsverläufen schützt, wenn auch leider nicht vollkommen. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen des spanischen Gesundheitsministeriums, das nach Altersgruppen unterscheidet, ist die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus zu landen, unter 30- bis 59-Jährigen für Ungeimpfte siebeneinhalb Mal höher als für Geimpfte. Die Wahrscheinlichkeit, dem Coronavirus zu erliegen, ist für über 80-Jährige elfeinhalb Mal höher, für 60- bis 79-Jährige achtzehn Mal höher, wenn sie sich nicht haben impfen lassen.

Die Statistiken sind nicht perfekt, denn zugleich informiert das Gesundheitsministerium, dass die über 80-Jährigen in Spanien schon seit Langem zu 100 Prozent geimpft seien. Bei allen Ungenauigkeiten – die Tendenz ist eindeutig: Impfen nützt.

Noch keine harten Maßnahmen

Und weil das Impfen nützt, sind die Krankenhäuser deutlich weniger mit Covid-Patienten belegt als vor einem Jahr, wobei zu bedenken ist, dass diese sechste Welle gerade immer noch anschwillt. Zurzeit ist die größte Herausforderung für das spanische Gesundheitssystem nicht die Betreuung der Kranken, sondern die Durchtestung der Verdachtsfälle. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Schnelltests in den Apotheken so stark gestiegen, dass das Angebot nicht nachkommt und die Preise auf über 10 Euro pro Test gestiegen sind.

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Seitens der Regierung werden den Menschen kaum Beschränkungen aufgelegt. „Wir müssen ein Gleichgewicht finden zwischen öffentlicher Gesundheit, geistiger Gesundheit und der Wirtschaft“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Mittwoch. Einige Regionen haben nächtliche Ausgangssperren verhängt, ansonsten sind es eher die Selbstbeschränkungen der Menschen, die das Virus behindern, weswegen Hotels und Restaurants über spürbare Umsatzrückgänge klagen.

Auf der Puerta del Sol wird an diesem Freitag trotzdem Silvester gefeiert, wenn auch ohne die erkrankte Ana Obregón. 7000 Menschen dürfen dieses Jahr den Platz betreten, auf den 20.000 passen. Für viele hat das Virus seinen Schrecken verloren, für viele andere nicht. Zerrissenes Silvester. Nur an den Weintrauben werden sich alle verschlucken wie immer.

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