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Delmenhorst über Inzidenz-Wert von 200: Stadt appelliert an Selbstverantwortung der Bürger

Passanten mit Masken gehen durch die Innenstadt von Delmenhorst.

Passanten mit Masken gehen durch die Innenstadt von Delmenhorst.

Delmenhorst. Mit weiteren Schutzmaßnahmen und einem eindringlichen Appell an die Selbstverantwortung der Bürger will die Stadt Delmenhorst bei Bremen ihre Werte als Kommune mit der bundesweit zweithöchsten Corona-Infektionsrate bekämpfen. Die Eigen- und Mitverantwortung sei zentral, sagte Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD) am Montag. Im Umgang mit dem Virus hätten einige „Lockern mit Lockerheit vertauscht. Da muss man aufpassen.“ Die Stadt sei auf die Mitarbeit der Bürger angewiesen, Ordnungskräfte könnten nicht an jeder Haustür stehen.

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Aktuell liegt der Wert der neuen Fälle in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner nach Angaben des niedersächsischen Sozialministeriums bei 223,1 und damit deutlich über dem Warnwert von 50. Delmenhorst meldete auf seiner Internetseite mit einer Inzidenz von 201,2 eine andere Zahl. Die Stadt hat rund 82.000 Einwohner. Mit 252,1 ist die Rate nur im Berchtesgadener Land höher. Delmenhorst liegt direkt neben Bremen, das mit einer Inzidenz von 86,5 ebenfalls zu den Risikogebieten in Deutschland zählt.

Gründe für dramatisch hohe Infektionsrate unklar

Die Gründe für die dramatisch hohe Infektionsrate in Delmenhorst sind Jahnz zufolge weiterhin unklar. Schwerpunkte etwa in Altenheimen oder Schlachthöfen gebe es nicht. Familientreffen und Privatfeiern seien als Gründe „nicht auszuschließen“. Außerdem könne die Mobilität der Erwerbstätigen eine Rolle spielen, denn in Delmenhorst gebe es eine hohe Zahl von Ein- und Auspendlern, die in Regionen arbeiteten mit ebenfalls hohen Infektionszahlen.

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Um die Inzidenz zu senken, soll es nun Jahnz zufolge eine Sperrstunde für die Gastronomie zwischen 23 Uhr abends und 6 Uhr morgens geben. Auf einigen Plätzen und auf Kundenparkplätzen etwa von Supermärkten müssen Masken getragen werden. Gottesdienste, öffentliche Veranstaltungen und Versammlungen in Vereinen sind bis auf weiteres untersagt. Bei privaten Treffen in Häusern und im Freien gelten genauso wie bei Hochzeiten und Beerdigungen in der Gastronomie Beschränkungen, was die Teilnehmerzahl angeht.

Er könne gut verstehen, dass die Bürger „die Faxen dicke haben“, was Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen angehe, sagte Jahnz. Doch es gehe um Schutz und Prävention. „Ich kann hier nicht jedem seinen eigenen Ponyhof bieten.“ Um Infektionskontakte besser nachverfolgen zu können, sei zudem das Gesundheitsamt personell verstärkt worden. Die Bundeswehr helfe bei dieser Aufgabe mit, wofür er sehr dankbar sei.

Appell in mehreren Sprachen

Der Oberbürgermeister hatte schon am Wochenende neben Deutsch auch auf Türkisch, Russisch, Englisch, Arabisch und Aramäisch Bürgerinnen und Bürger in einem Appell gebeten, Kontakte mit anderen Haushalten zu vermeiden. Verwandte und Bekannte sollten nur aus wichtigen Gründen getroffen werden, zum Beispiel für Hilfestellungen oder die Versorgung: „Nur so kann es uns gelingen, die weitere Ansteckung zu minimieren und besonders ältere oder kranke Menschen nicht in Gefahr zu bringen.“

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Diese Botschaft will die Stadt nun auch mit Audio-Nachrichten verbreiten und sich so an Menschen wenden, die nicht lesen können. Auch über Lautsprecherwagen, die durch die Stadt fahren, wird nachgedacht. Ein wichtiges Netzwerk seien die Vereine, betonte Jahnz. Dort könne sich die Botschaft wie in einem Schneeballsystem verbreiten.

Meisten Gastronomen und Gäste halten sich an die Hygienevorschriften

Bei Kontrollen am Wochenende hat sich nach Polizeiangaben herausgestellt, dass sich die meisten Gastronomen und Gäste an die Hygienevorschriften halten. Bei fünf Verstößen wurden die entsprechenden Lokalitäten geschlossen. Sie müssen mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen, kündigte Jahnz an: „Einige Leute erreichst du nur über das Portemonnaie.“ Trotz aller Dramatik zeigte sich der Oberbürgermeister aber optimistisch, was die Überwindung der Corona-Krise in der Stadt angeht: „Wir werden das schaffen.“

RND/epd

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