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Hoffnung auf Wiesn 2021: Warum ein Wirt mitten in der Corona-Krise ein großes Festzelt übernimmt

  • Ob es dieses Jahr wieder ein Oktoberfest geben wird, ist noch ungewiss.
  • Wirt Peter Reichert hat mitten in der Corona-Krise trotzdem ein großes Wiesn-Festzelt und ein Münchner Wirtshaus übernommen.
  • Während er an neuen Konzepten dafür arbeitet, spricht Münchens Oberbürgermeister sich gegen eine Wiesn light aus.
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Die Veranstaltungsbranche leidet extrem unter der Corona-Pandemie – und auch das Oktoberfest 2021 steht, nachdem die Wiesn bereits im vergangenen Jahr ausgefallen ist, unter keinem guten Stern. Aber noch besteht Hoffnung, dass das größte Volksfest der Welt in diesem Jahr stattfinden kann. Schließlich ist es noch ein halbes Jahr hin bis zum geplanten Start am 19. September.

Einer, der trotz der Krise ein positives Zeichen setzt, ist Peter Reichert. Der Wirt hat mitten in Corona-Zeiten das bekannte Wiesn-Zelt Bräurosl und zudem noch das Traditionslokal Donisl am Münchner Marienplatz übernommen – und ist damit auf einen Schlag zum Großgastronom in der bayerischen Hauptstadt geworden. Und das in Zeiten, wo die Gastronomiebranche wie viele andere stark in Not ist. Beides war vorher vier Generationen lang in Händen der Wirtfamilie Heide, der das Wiesn-Geschäft mit seinen finanziellen Risiken in der Pandemie zu unsicher wurde.

Wirt Reichert sieht „in schwierigen Zeiten Potential für Erneuerung“

„Ich bin durch und durch ein Musikant und wahrscheinlich deswegen auch Optimist und habe Visionen. Gerade in schwierigen Zeiten sehe ich Potential für Erneuerung“, erklärt Reichert dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) diese in solchen Zeiten von manchem doch als gewagt angesehene Investition. Es komme ihm entgegen, dass er „richtig planen und langsam anfangen“ könne. „Beide Objekte sind Münchner Institutionen, die ich nur mit gut durchdachten Konzepten für Musik und Tradition wieder zum Leben erwecken kann“, meint Reichert, der bislang Wirt des Seehof in Herrsching am Ammersee war und außerdem das kleine Volkssängerzelt Zur Schönheitskönigin betrieb. Den Seehof in Herrsching wird künftig Reicherts Frau leiten.

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Er sei zudem „schon immer“ an einem Traditionswirtshaus wie dem Donisl interessiert gewesen, erklärt der Wirt. Dort wolle er die „Musikkonzepte, die [er] im Volkssängerzelt Zur Schönheitskönigin mit dem künstlerischen Leiter Jürgen Kirner geboten habe, ganzjährig durchsetzen“. Er sei mit vielen Münchner Musikanten befreundet, die hier, wenn wieder Normalität herrsche, gemütlich mitten in der Stadt zusammenkommen und miteinander musizieren sollten. „Auch meine Vorliebe für die alt Münchner Küche kann ich im Donisl ausleben“, schwärmt Reichert. Fragt sich nur ab wann – noch ist die Gastronomie während des Lockdowns geschlossen. Doch das hindert den Wirt nicht daran, gerade schon an der Speisekarte zu arbeiten.

Der Rosa Sonntag im Bräurosl-Zelt bleibt

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Zum geplanten Programm für das Bräurosl-Zelt auf der Wiesn verrät Reichert erst mal nur: „Der Rosa Sonntag bleibt, das ist ja eine beliebte Institution.“ Der Rosa Sonntag, auch Gay Sunday genannt, ist eine Wiesn-Party für die Gay-Community aus München und aller Welt. Und während die beliebte Party bleiben soll, will Reichert ansonsten schon ein paar Dinge ändern: Er plant ein neues, gemütlicheres Zelt mit besserem Raumkonzept und größerer Küche, das zudem mehr Abstand ermöglichen soll. Keine schlechte Idee in diesen Zeiten. Doch ob das reicht, um auf eine Wiesn in diesem Jahr zu hoffen?

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter jedenfalls will kein Oktoberfest mit großen Einschränkungen: „Eine Wiesn Light kommt für mich nicht in Frage, das würde den Charakter des Oktoberfests komplett verändern, und nicht unbedingt zum Guten“, teilt er dem RND mit. Momentan sei es rein spekulativ zu sagen, ob das Oktoberfest dieses Jahr stattfinden könne oder nicht. „Die Entscheidung werden wir im Mai, spätestens im Juni treffen. Daher laufen derzeit alle üblichen Planungen, eben weil wir uns die Entscheidung noch offen lassen wollen“, erklärt er.

Wiesn-Plakat trotz Unsicherheit präsentiert

So wurde zuletzt, Anfang Februar, auch schon ein neues Wiesn-Plakat präsentiert. Es zeigt vor hellgelbem Hintergrund die üblichen Wiesn-Insignien: Lebkuchenherz mit weiß-blauem Rand, Maßkrug, Brezn, Hopfen, darüber zartblaue Olympiaringe, eine Anspielung auf die Olympia-Looping-Achterbahn. Der Wiesn-Chef und Münchner Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) stellte das Plakat der Grafikdesignerin Maria Elisabeth Dick vor, das eine Jury unter 30 per Publikumsvotum favorisierten Entwürfen ausgewählt hatte. „Es zeigt viel Herz für die Wiesn und einige unverzichtbare Zutaten für einen gelungenen Wiesn-Besuch“, so Baumgärtner.

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Clemens Baumgärtner (CSU), Wiesn-Chef und Referent für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München, hält das Siegermotiv für das Oktoberfestplakat 2021 in den Händen. © Quelle: Landeshauptstadt München/RAW/dp

Auch im vergangenen Jahr hatte es ein Wiesn-Plakat sowie einen Wiesn-Maßkrug gegeben – obwohl das größte Volksfest der Welt coronabedingt abgesagt werden musste. Für dieses Jahr steckt auch der Wiesn-Chef den Kopf erst mal nicht in den Sand: „Wir planen sie auf jeden Fall – und wir sind hoffnungsvoll, dass sie dieses Jahr stattfinden kann“, sagt Baumgärtner.

Und auch die Wiesnwirte wie Reichert und Co. planen erstmal weiter so, als würde die Wiesn stattfinden - und fangen im Frühjahr an, Reservierungen für Tische entgegenzunehmen, wie Peter Inselkammer, Sprecher der Wiesnwirte, dem RND berichtet. „Hier hat jedes Festzelt sein eigenes Prozedere, daher gibt es keinen allgemein gültigen Zeitpunkt, ab wann reserviert werden kann. Üblicherweise wird damit aber im Frühjahr begonnen“, erzählt er. Damit würden sie nicht bis zu einer Entscheidung warten: „Wir haben uns im Kollegenkreis darauf verständigt, dass wir unsere Planungen unabhängig von der Zusage erstmal - soweit möglich unter Vorbehalt - in Angriff nehmen, da natürlich vieles eine gewisse Vorlaufzeit benötigt. Damit können wir nicht erst im Falle einer Zusage Anfang Juni beginnen.“ Sie hofften alle darauf, dass das Oktoberfest stattfinden kann.

mit dpa

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