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Experte über Funktion von Talsperren bei Hochwasser: „Riesiger Schutzfaktor“

  • Das Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat große Schäden angerichtet, zahlreiche Menschen sind gestorben.
  • Die Talsperren in dem Gebiet haben verhindert, dass es noch schlimmer gekommen ist, meint ein Experte.
  • „Talsperren sind ein riesiger Schutzfaktor, sonst wären die Schäden wohl noch größer.“
Nico Schwieger
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Nach den starken Regenfällen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kommt es zu zahlreichen Überschwemmungen. Dutzende Menschen sterben in den Fluten, etliche weitere werden vermisst. Einige Talsperren laufen über oder drohen überzulaufen. So auch die instabile Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen, die jederzeit zu brechen droht. Wenige Kilometer weiter liegen die heftig von den Hochwassern betroffene Stadt Erftstadt sowie der Landkreis Ahrweiler. Die Pegelstände des Rheins und der Mosel sind zuletzt stark angestiegen. Doch welche Aufgabe hat eigentlich eine Talsperre? Ein Experte gibt einen Überblick.

Welche Aufgaben haben Talsperren?

„Eine Talsperre hat mehrere Aufgaben“, erklärt Norman Droste, stellvertretender Pressesprecher der Harzwasserwerke. Die betreiben insgesamt sechs Talsperren. Eine zentrale Aufgabe sei natürlich der Hochwasserschutz, aber Talsperren dienen auch anderen Dingen – zum Beispiel der Trinkwasserversorgung. „Wir haben aktuell immer noch mit Trockenheit zu kämpfen“, erklärt Droste. Daher müsse eine gewisse Menge Wasser gesammelt bleiben. „In Dürremonaten möchte man viel Wasser anstauen, gleichzeitig muss aber auch der Hochwasserschutz geboten bleiben. Deshalb wird eine Talsperre nie komplett angestaut oder abgelassen.“

Experte Norman Droste. © Quelle: Privat
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Zudem stellen Talsperren auch die Wasserversorgung der angrenzenden Flüsse sicher. „Bevor diese austrocknen, kann ausreichend Wasser abgegeben werden. Das geschieht dann auf Grundlage langjähriger Datenreihen und immer nach Absprache mit den Behörden.“ Einige Sperren erzeugen außerdem Energie.

Wie viel Wasser in den Talsperren in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zuletzt angestaut wurde, kann Droste nicht genau sagen. Der normale Arbeitsablauf sei aber, auf der Basis gesammelter Daten Berechnungen anzustellen und so die Füllmenge für die Sperren zu bestimmen. „Das Ausmaß in dieser Form konnte man aber nicht voraussagen. Vor einigen Jahren waren die Pegelstände dort noch deutlich niedriger. Die Berechnungen müssen nun wieder neu angestellt werden“, erklärt der Experte.

Droste: Talsperren verhindern größere Schäden

Das Überlaufen einer Sperre könne bei diesen großen Wassermengen kaum verhindert werden, sagt Droste. Wenn eine Sperre überlaufe, dann laufe sie über. „Und selbst wenn eine Talsperre die Wassermassen nicht mehr zurückhalten kann, so hat sie erst einmal eine ganze Menge zurückgehalten und das Ausmaß abgedämpft. Das ist sehr wichtig. Talsperren sind ein riesiger Schutzfaktor, sonst wären die Schäden wohl noch größer“, sagt Droste.

Und wie geht es jetzt weiter mit den voll gefüllten Talsperren? Laut dem Experten wird sich die Situation an Rhein und Mosel bald langsam entspannen. „Die Talsperrenbetreiber dort werden versuchen, das Wasser moderat abzugeben. Nun bleibt nur die Hoffnung, dass es trocken bleibt.“

Experte: „Daran merken wir, dass der Klimawandel da ist“

Droste selbst hatte es im Harz zuletzt 2017 mit Überschwemmungen zu tun. Seit 2018 sei es dagegen zu trocken. „Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass die Abstände zwischen den Extremereignissen geringer werden. Daran merken wir, dass der Klimawandel da ist.“

RND

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