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  • Hochwasser­katastrophe: Hagener Dauerregen - Wie geht es den Betroffenen nach einer Woche?

„Es ist wirklich unbegreifbar“: In Hagen begann die Katastrophe, wie sieht es jetzt dort aus?

  • Mit Hunderten Notrufen in Hagen begann vor einer Woche die Hochwasser­katastrophe in Nordrhein-Westfalen.
  • Wie haben die Bewohnerinnen und Bewohner die vergangenen Tagen erlebt und wie geht es weiter?
  • Zwei Betroffenen aus Hagen berichten.
Larissa Kahr
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Vor einer Woche, am 14. Juli, begann mit Hunderten Anrufen bei den Rettungsdiensten in Hagen die Hochwasser­katastrophe in Nordrhein-Westfalen. Die Polizei der Stadt zwischen Ruhrgebiet und Sauerland berichtete in der Nacht zu Mittwoch von überschwemmten Straßen, vollgelaufenen Kellern und Schlammmassen, die auf die Straßen gespült wurden.

Hagen startet verhältnismäßig vorbereitet in die Katstrophe

Dabei sei die Stadt verhältnismäßig vorbereitet in die Hochwasser­katstrophe gestartet, sagt Christoph Gerbersmann, erster Beigeordneter der Stadt Hagen und Leiter des Krisenstabs. Denn bereits in der Nacht von Dienstag zog ein schweres Unwetter über Hagen und bewirkte, dass schon am frühen Mittwochmorgen um 3 Uhr ein Krisenstab einberufen wurde. Kurz zuvor, ab Mitternacht, alarmierte man die Bevölkerung.

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Anwohner in Hagen haben den bei dem Hochwasser zerstörten Hausrat auf den Bürgersteig gestellt. © Quelle: David Inderlied/dpa

Am Mittwochabend folgte dann das eigentliche Unwetter. So meldete das Landesumweltamt das Überschreiten von zahlreichen Hochwasser-Warnwerten an Flüssen in Nordrhein-Westfalen. In Hagen traten zuerst die Nebenflüsse der Ruhr, Lenne und Volme, über die Ufer und verursachten schwere Sachschäden. Danach, in einer zweiten Hochwasserwelle, wurden weitere Stadtteile und die Innenstadt von Hagen überflutet.

„Es sieht hier aus wie nach dem Krieg. Es ist wirklich schrecklich“

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Hier liegt auch der Brautmodenladen Hochzeit Deluxe by Veroonica, in dem Inhaberin Urszula Strzelczyk seit 2003 Hochzeitsmode verkauft. Nun ist der Laden unbenutzbar und viele Brautkleider vollkommen zerstört.

„Es sieht hier aus wie nach dem Krieg. Es ist wirklich schrecklich“, sagt die Tochter der Inhaberin, Weronika Strzelczyk, gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). „Es war eine Katastrophe. Der Laden stand einen Meter unter Wasser, und alles war voller Schlamm, Dreck und Müll.“

Dank freiwilliger Helfer, Nachbarn und Freunden, die seit Donnerstag rund um die Uhr mitanpackten, ist der Großteil der Aufräum­arbeiten schon geschafft: „Das Schlimmste liegt schon hinter uns“, sagt Strzelczyk. Und zur Freude von Mutter und Tochter sind nicht so viele Kleider zerstört wie anfangs angenommen. Immerhin konnte die Hälfte der Kleider gerettet werden. Es dauert noch, bis der Laden wieder geöffnet werden kann. Bis dahin lagern die Kleider in einem externen Lager, von wo aus bald der Verkauf starten soll.

In dem Hochzeitsladen sind viele Dinge jetzt nicht mehr zu verkaufen. © Quelle: Weronika Strzelczyk

„Es ist wirklich unbegreifbar. Man hat immer das Gefühl gehabt, das ist ganz weit weg, solche Unwetter oder Erdrutsche, und dann auf einmal trifft es einen wirklich persönlich“, sagt sie.

„Ich arbeite weiter, denn ich muss meine Miete bezahlen“

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Und auch einige Hausnummern weiter wird schon an die Zukunft gedacht. Während der Keller und das Erdgeschoss des Kosmetikstudios Bodycare Concept noch vom Hochwasser gezeichnet sind, behandelt Inhaberin Maluo Fernandez im ersten Stock bereits wieder die Kundschaft. „Ich habe alle meine Sachen hochgebracht – meine Maschinen, meine Fußpflegesachen, die nicht kaputt sind. Ich arbeite weiter, denn ich muss meine Miete bezahlen und meine Kunden bedienen“, sagt sie.

Dabei stört Fernandez am meisten an der aktuellen Situation der beißende Geruch: „Mein Studio riecht nach Öl, aber sonst, wenn ich ehrlich bin, sind das keine Probleme. Was zählt, ist: Ich bin gesund und habe keine Verletzung. Ich bin froh, dass ich noch arbeiten kann“, sagt sie.

Bis Dienstag, 20. Juli, beseitigte Fernandez gemeinsam mit Freunden, Nachbarn und Helfern Hochwasser­schäden. Fast alles, was im Keller und im Erdgeschoss war, wurde zerstört. Nicht mehr nutzbares Mobiliar und Geräte brachten sie auf die Straße, wo alles dann eingesammelt wurde.

Leiter des Krisenstabs: „Jetzt hat das große Aufräumen begonnen“

„Wir haben natürlich den Bürgern angeboten, dass wir das Sperrgut kostenlos abholen. Aber es wird Wochen dauern, bis wir in der Lage sind, diese Mengen abzutransportieren“, sagt der Leiter des Krisenstabs, Gerbersmann. Denn bis jetzt waren die Einsatzkräfte vor allem mit den 1300 Notfall­einsätzen beschäftigt, die es Stand Sonntag abzuarbeiten galt.

„Jetzt hat das große Aufräumen begonnen“, sagt Gerbersmann. Dazu zähle neben dem Abtransport des Sperrguts auch die Beseitigung des Schutts, das Freiräumen von Kanalisationen und Bachläufen und das Wiederherstellen der Infrastruktur.

„Nach meiner Einschätzung werden wir noch Wochen für den Müll und Schutt brauchen. Bis die Infrastruktur wiederhergestellt ist, wird es noch Monate bis Jahre brauchen“, so Gerbersmann. Auf die Frage nach der Höhe der Schäden, will er sich nicht festlegen: Viele Schäden seien noch nicht sichtbar, aber grob geschätzt vermutet er eine Summe von 235 Millionen Euro. Wobei der Leiter des Krisenstabs betont: „Das kann zu hoch sein, das kann zu niedrig sein, das müssen wir sehen.“

mit Material von dpa

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