Hochwasser in Australien: Die Tierwelt ist wieder der Verlierer

  • Australiens Jahrhunderthochwasser hat bisher zwei Menschenleben gefordert.
  • Tierschützer fürchten jedoch, dass die Tierwelt eine Vielzahl an Opfern zu beklagen hat.
  • Bereits während der verheerenden Buschfeuer 2019/20 waren rund drei Milliarden Tiere ums Leben gekommen.
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Sydney. Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein begrüßten die Menschen am Mittwochmorgen in Sydney. Nach tagelangem Starkregen und einem der schlimmsten Hochwasser der vergangenen 100 Jahre atmeten viele auf, auch wenn die Gefahr noch nicht völlig gebannt ist. Insgesamt mussten in den vergangenen Tagen rund 23.000 Menschen evakuiert werden. Dass bisher kaum Menschenleben zu beklagen sind, gleiche beinahe einem „Wunder“, meinte die Ministerpräsidentin des am stärksten betroffenen Bundesstaates New South Wales, Gladys Berejiklian. Zwei Menschen starben, einer wurde in seinem Auto von den Fluten überrascht.

Hochwasser in Australien: Wombats und Ameisenigel besonders betroffen

Doch Tierschützer fürchten, dass die Fluten große Opfer in der Tierwelt gefordert haben. Nachdem die verheerenden Buschfeuer um die Jahreswende 2019/20 bereits rund drei Milliarden Tieren das Leben gekostet hatten, ist die Sorge groß, dass die überfluteten Regionen, die sich in Teilen mit den vom Feuer betroffenen Gegenden decken, erneut großen Schaden in Fauna und Flora angerichtet haben.

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Vor allem Tiere wie Wombats und Ameisenigel, die die Flammen überlebt hatten, weil sie sich in ihren Bauten in der Erde verstecken konnten, werden nun ertrunken sein, als die Wassermassen ihre Höhlen überfluteten.

Und auch andere Tiere hat es schwer getroffen: In lokalen Medien berichteten Tierpfleger und Umweltschützer von Kängurus, die in Abflussrohren steckten, Tiere, die von Autos angefahren wurden, als sie vor den Wassermassen flüchteten, und Schildkröten, Schnabeltiere und Seevögel, die von dem verrückt spielenden Wetter in Regionen transportiert wurden, in denen sie normalerweise nicht leben.

Klimaextreme haben langfristige Auswirkungen für Wildtiere

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Evan Quartermain, der australische Leiter für Katastrophenhilfe bei Humane Society International, sagte dem „Guardian“, dass viele wildlebende Tiere in den kommenden Monaten Unterstützung benötigen würden. Beispielsweise schaffe das stürmische Wetter auch „Chaos für Vögel“, die Schutz suchen müssten und deren Nester von den Bäumen geblasen würden. Außerdem hätten die Wassermassen „langfristige Auswirkungen“ auf die Ernährung von Wildtieren. Als Beispiel führte er Flughunde an, die auf Früchte und Blumen angewiesen sind, die in den Wassermassen nun aber weggeschwemmt oder zerstört wurden.

Tierpfleger haben in den vergangenen Tagen fast rund um die Uhr gearbeitet, um so viele Tiere wie nur möglich zu retten. Blake Stone, ein Pfleger des Billabong Zoos in Port Macquarie an der Ostküste Australiens, sagte dem „Sydney Morning Herald“, Hochwasser sei letztendlich ähnlich zerstörerisch wie Feuer. „In allen Gebieten, die von diesen Naturkatastrophen betroffen sind, müssen die Wildtiere flüchten.“ In den lokalen Medien wurden herzzerreißende Bilder veröffentlicht: Ein Emu, der völlig zerzaust, aber lebend aus den Fluten gezogen wurde, Kühe, von denen nur noch der Kopf aus dem Wasser ragte, oder ein Fuchs, der sich auf ein letztes trockenes Fleckchen Erde gerettet hatte.

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Hochwasser in Australien: Flüchtende Spinnen, Schlangen und Riesenwürmer

Unter den Tieren, die vor den Wassermassen Schutz suchten, waren auch viele kleinere Lebewesen – Schlangen, Spinnen und Riesenwürmer. Der Sender ABC berichtet von Tieren, die versuchten, sich während einer der Rettungsaktionen mit ins Boot zu schwindeln. „Sie mussten erst mal einige Spinnen, ein paar Schlangen und eine ganze Menge Insekten rauswerfen, bevor sie die vier Kinder und die beiden Eltern an Bord nehmen und in Sicherheit bringen konnten“, berichtete Russell Turner, der die Evakuierungen mitorganisiert, von einer der Rettungsaktionen.

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Bereits Anfang der Woche hatten einige Anwohner auch eine wahre Spinneninvasion beschrieben. So versuchten sich die Krabbeltiere vor den Fluten auf Häuserwände zu retten, sie kletterten auf Zäune oder Laternenpfahle oder suchten Zuflucht in Häusern.

Melanie Williams aus Macksville, eine Ortschaft etwa fünf Autostunden nördlich von Sydney gelegen, sagte der ABC: „Als das Wasser stieg und der Briefkasten immer weiter versank, konnte ich all diese kleinen schwarzen Dinger sehen und dachte: ‚Oh, mein Gott, das sind Spinnen‘“, sagte sie. Dann habe sie auf den Zaun des Nachbarn geschaut und dort seien „buchstäblich Tausende“ gewesen.

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