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Hochwasser an Rhein und Mosel: Die Lage spitzt sich dramatisch zu

  • Wegen anhaltenden Regens steigen in Rheinland-Pfalz die Pegel von Rhein und Mosel dramatisch an.
  • Der Kreis Vulkaneifel ruft den Katastrophenfall aus.
  • Auch in Nordrhein-Westfalen sind an zahlreichen Flüssen Hochwasserwarnwerte überschritten.
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Anhaltender Regen bereitet besonders rheinland-pfälzischen Städten und Gemeinden rund um Rhein und Mosel Sorgen. Der Pegelstand der Mosel bei Trier lag am Abend laut Daten des Wetterdienstes „Wetterkontor“ bereits bei 5,73 Metern, zweieinhalb Meter über dem Mittelwert. „Der eigentliche Niederschlag kommt erst noch“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

In der Nacht zum Donnerstag können demnach in Rheinland-Pfalz und dem Saarland lokal zwischen 60 und 80 Liter Regen hinzukommen.

Nach Angaben des länderübergreifenden Hochwasserportals wird der Wasserstand wegen der Niederschläge weiter stark steigen. Im Laufe des Donnerstags sei ein Anstieg der Mosel in Trier bis auf neun Meter nicht ausgeschlossen.

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„Ob es für den absoluten Höchststand reicht, ist noch nicht klar, aber man muss mit einem der schwersten Hochwasserlagen überhaupt rechnen. Das Hochwasser könnte sich in die Top Ten aller Zeiten einreihen“, sagte der Meteorologe Jan Schenk von „The Weather Channel“ gegenüber „Focus Online“.

An den Eifelzuflüssen wie Prüm, Nims und Kyll gab es im Tagesverlauf aufgrund der extremen Niederschlagsmengen ebenfalls steile Wasserstandsanstiege.

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Nordrhein-Westfalen, Erftstadt: Ein Foto, das die Bezirksregierung Köln am Freitag über Twitter verbreitete, zeigt Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem.  @ Quelle: Rhein-Erft-Kreis/dpa
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Kreis Vulkaneifel ruft Katastrophenfall aus

Der Kreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz rief unterdessen nach starken Regenfällen und Überschwemmungen am Mittwochabend den Katastrophenfall aus. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind“, sagte Landrätin Julia Gieseking (SPD). Die Schulen im Kreis sollen am Donnerstag geschlossen bleiben.

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Auch in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz bereiten sich Behörden auf den Ernstfall vor. In Koblenz, wo an dem Rhein und Mosel zusammenfließen, appellierte die Feuerwehr an Anwohner, deren Häuser und Grundstücke bereits bei vergangenen Hochwassern betroffen waren, im Vorfeld nötige Sicherungsmaßnahmen zu treffen. Das Technische Hilfswerk stellte demnach Sandsäcke bereit.

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Ausnahmezustände wegen Unwetter: Lage bleibt angespannt
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Schwere Unwetter haben vor allem im Südwesten von Deutschland für Überflutungen gesorgt.  © dpa

Die Einsatzkräfte begannen zudem am Mittwoch, Hochwasserschutzwände aufzubauen. Im Stadtteil Neuendorf errichtete die Feuerwehr die Stützen einer Wand. Eine weitere Schutzwand im selben Stadtgebiet sei geplant. Außerdem wurden am Mittwoch laut Angaben der Stadt alle vier Hochwasserschutztore in Ehrenbreitstein geschlossen. In Neuwied kündigte die Feuerwehr an, am Donnerstag drei Deichtore zu schließen.

Auch die Stadt Ludwigshafen rechnet im Uferbereich entlang des Rheins mit Überschwemmungen und Behinderungen.

„Situation, wie wir sie sonst allenfalls aus dem Winter kennen“

Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Stunden sind an auch zahlreichen Flüssen in Nordrhein-Westfalen Hochwasserwarnwerte überschritten. „Das ist eine Situation, wie wir sie sonst allenfalls aus dem Winter kennen. Im Sommer ist sowas in der Fläche und Intensität absolut ungewöhnlich“, sagte der Leiter des Hochwasserinformationsdienstes des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), Bernd Mehlig.

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In Stolberg bei Aachen trat durch den starken Regen der Vichtbach über die Ufer und überflutete die Altstadt teilweise. „Mehrere Straßen im Stadtgebiet sind derzeit nicht passierbar“, berichtete die Stadt am Abend. Die Kommune bat die Anwohner des Baches eindringlich, die Häuser im Überschwemmungsgebiet zu verlassen. „Bitte begeben Sie sich zu Freunden und Verwandten oder in die Notunterkünfte.“ Zur Unterstützung der örtlichen Einsatzkräfte seien mittlerweile auch auswärtige Kräfte eingetroffen.

Auch die Lenne und die Volme im Sauerland führen derzeit Hochwasser. In der Region habe es stellenweise bis zu 100 Liter den Quadratmeter in nur wenigen Stunden geregnet. Eine Messstelle des Lanuv in Hagen registrierte 170 Liter pro Quadratmeter Niederschlag binnen eines Tages – 140 Liter davon seien in nur drei Stunden gefallen.

In der Eifel machen steigende Pegelstände von Inde und Wurm nach „lang anhaltendem Bindfadenregen“ ebenfalls Sorgen. Beide Gewässer münden in die Rur und lassen auch dort die Wasserstände steigen. So drohte am Mittwoch der Fluss Inde den historische Stadtkern von Kornelimünster in Aachen zu überfluten, wie die Stadt mitteilte.

Weiter steigende Wasserstände in Sauerland und Eifel

Der Hochwasserexperte Mehlig sprach für das Sauerland und die Eifel von einer ernst zu nehmenden Situation, in der die örtlichen Feuerwehren sich mancherorts weiter auf Überflutungen einstellen müssten. „Die Böden sind gesättigt und können kein Wasser mehr aufnehmen. Das, was jetzt an Regen dazukommt, wird sich direkt in den Gewässern bemerkbar machen“, sagte Mehlig.

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Es sei noch bis Donnerstag mit steigenden Wasserständen auch an den größeren Flüssen, etwa der Ruhr, der Rur sowie Erft und Sieg zu rechnen. „Auch wenn die Regenfälle in der Nacht abklingen, fließt noch das ganze Waser aus dem Einzugsgebiet der Flüsse zusammen“, erklärte Mehlig.

In Baden-Württemberg führte anhaltender Regen ebenfalls zu Hochwasser an Rhein und Bodensee. Bereits am Dienstagabend wurde die Schifffahrt bei Karlsruhe gesperrt.

RND/seb/dpa

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