Hochstaplerin Anna Sorokin schreibt Tagebuch aus US-Gefängnis

  • 2019 wurde Anna Sorokin zu einer Haftstrafe von mindestens vier Jahren verurteilt.
  • Die Hochstaplerin hat sich in der High Society von Manhattan Leistungen im Wert von mehr als 200.000 Dollar erschlichen.
  • Nun meldet sie sich mit Tagebucheinträgen aus dem Gefängnis.
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New York. 2019 sorgte ihr Prozess für viel Aufsehen, mittlerweile wird ihr Leben sogar Thema in einer Netflix-Serie („Inventing Anna“) von Starproduzentin Shonda Rhimes. Die Rede ist von Hochstaplerin Anna Sorokin, die vor zwei Jahren in New York zu einer Haftstrafe von vier bis zwölf Jahren verurteilt worden war. Die 28-Jährige war schuldig gesprochen worden, weil sie sich in der High Society von Manhattan Leistungen im Wert von mehr als 200.000 Dollar (rund 180.000 Euro) erschlichen hatte. Damit hatte sie sich einen ausschweifenden Lebensstil finanziert – unter anderem Luxusreisen und Designerkleidung.

Mittlerweile sitzt die Russin, die als Kind mit ihren Eltern nach Eschweiler in Nordrhein-Westfalen zog und nach dem Abitur nach New York ging, seit zwei Jahren in einem Frauengefängnis in New York. Medienberichten zufolge könnte sie im Februar wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen werden – dann habe sie, die Untersuchungshaft vor ihrer Verurteilung mit eingerechnet, die Mindeststrafe von vier Jahren abgesessen. Nach einer Freilassung würde Sorokin nach Deutschland abgeschoben werden.

Anna Sorokin beschwert sich in Tagebuch über Essen im Gefängnis

Doch schon vor der möglichen Entlassung sorgt Anna Sorokin wieder für Aufsehen: Aus dem Gefängnis heraus veröffentlicht die heute 30-Jährige, die als Betrügerin vor allem unter dem Namen Anna Delvey bekannt war, auf der Website www.annadelveydiaries.com ein Tagebuch über das Leben im Knast. Auch auf Instagram und Twitter wirbt sie dafür.

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„Life is Hard“ (deutsch: Das Leben ist hart) lautet der Titel eines Eintrages, in dem Sorokin sich über die Zustände im Gefängnis beschwert. Doch dabei geht es nicht etwa um Gewalt gegen Insassinnen oder ähnliches: Sie moniert stattdessen zum Beispiel das Essen. „Ich verstehe, dass es im Gefängnis darum gehen soll, keine Rechte zu haben und sich mit wenig zu begnügen, aber wenn mir beiläufig gesagt wird, dass Müsliriegel durch Donuts ersetzt werden, ist es besonders schwer, die Hoffnung nicht zu verlieren und positiv zu bleiben“, schreibt sie in einer Passage.

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Auswirkungen der Corona-Krise aufs Gefängnisleben

Es geht auch um die Auswirkungen der Corona-Krise. So beginnt ihr Beitrag mit den Worten: „Im Gefängnis zu sein, fühlt sich meistens wie eine ausgedehnte Quarantäne an, nur mit ein paar Mördern, und wir können uns immer noch die Haare machen lassen.“ Kurz darauf, offenbar ein einschneidendes Erlebnis für die 30-Jährige, eine erste Veränderung beim Essensplan: „Es wird mir für immer in Erinnerung bleiben, wie sie sich aufgrund einer Unterbrechung der Lebensmittelversorgungskette die Freiheit genommen haben, veganes French-Dressing durch ein normales Blauschimmelkäse-Dressing zu ersetzen. Als wäre es nicht Strafe genug, dass man sich mit Nicht-Bio-Gemüse zufrieden geben muss.“

Die Einträge erwecken den Eindruck, als wenn die Hochstaplerin das Ganze nicht besonders ernst nimmt – und weiterhin, wie schon in ihrem Leben als Betrügerin, Sonderbehandlungen erwartet oder einfordert. Ähnlich schätzt das auch ihre frühere Freundin Rachel ein, die sie um 62.000 Dollar betrogen haben soll und die damals mit einer Anzeige die Ermittlungen gegen Sorokin ins Rollen brachte. In einem Videointerview mit RTL sagt sie: „Anna war total verschwenderisch mit Geld, und das, obwohl sie überhaupt keins hatte. Das zeigt, welche Ansprüche sie hatte und wie selbstverständlich sie dachte, sie hätte immer das Beste verdient.“ Sie warnt, dass Sorokin sich nicht geändert haben könnte durch die Haftstrafe: „Sie schert sich nicht darum, dass sie anderen Menschen schadet. Es gibt immer noch Leute in ihrem Umfeld, die sollten vorsichtig sein. Denn sie wird niemals aufhören mit der Betrügerei.“

Macht Netflix-Deal Sorokin reich?

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Nach einer Entlassung jedenfalls könnte Sorokin tatsächlich – vor allem durch den Netflix-Deal – eine Menge Geld verdienen. Unklar ist allerdings noch, ob sie dafür wirklich Geld bekommen wird: Denn es gibt ein Gesetz in New York, das verbietet, aus Verbrechen Profit zu schlagen.

RND/hsc

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