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  • Hitze: Trinkwasser in Lauenau wird knapp - Probleme mit Wasserversorgung auch in anderen Regionen

Erster Gemeinde geht das Trinkwasser aus: Auch andernorts schon Probleme

  • Trockenheit, Hitze und hohe Nachfrage führen in der Gemeinde Lauenau in Niedersachsen zum Zusammenbruch der Wasserversorgung.
  • Doch auch andernorts wird das Trinkwasser langsam knapp.
  • Erste Kreise und Städte in Niedersachsen und Brandenburg verbieten die Wasserentnahme aus Seen und Flüssen, Gemeinden in Hessen rufen den Trinkwassernotstand aus.
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In der niedersächsischen Gemeinde Lauenau bricht die Wasserversorgung nach warmen Tagen und während der Corona-Pandemie zusammen - Grund sind Trockenheit, Hitze und hohe Nachfrage. Teils kommt gar kein Wasser mehr aus den Leitungen, Behörden rufen auf, den Wasserverbrauch „auf ein absolut notwendiges Mindestmaß“ zu reduzieren. Dass Trinkwasser knapp wird, ist allerdings kein lokales Problem im Kreis Schaumburg.

Auch in Garbsen und Neustadt in der Region Hannover wird das Trinkwasser aktuell knapp. Der Wasserverband rief ebenfalls zum Sparen auf. „Aufgrund der letzten niederschlagsarmen Wochen läuft die Trinkwasserförderung auf Hochtouren“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Sebastian Kratz der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

Tatsächlich lässt die anhaltende Trockenheit die Wasserstände in den Gewässern in ganz Niedersachsen absinken. Die Pegel in den meisten Flüssen liegen derzeit zwischen mittlerem und niedrigem Stand, sagte Achim Stolz vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in der vergangenen Woche. „Die Tendenz geht aber eindeutig in Richtung Niedrigwasser.“

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Osnabrück untersagt Wasserentnahme

Zuvor hatten Stadt und Landkreis Osnabrück wegen der niedrigen Wasserstände bereits die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Bächen untersagt - weil es sonst zu ökologischen Schäden in den Lebensräumen für Tiere und Pflanzen kommen würde.

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So können sie dafür sorgen, große Hitze im Alltag zu überstehen.  © RND

Auch die Harzwasserwerke merken das trockene Wetter. Die Talsperren insgesamt waren zuletzt zu etwa 54 Prozent gefüllt, was einer Menge von 97,3 Millionen Kubikmetern Wasser entspricht. Die Trinkwassertalsperren hätten einen Füllstand von etwa 65 Prozent, entsprechend 55,3 Millionen Kubikmetern, sagte ein Sprecher: „Im Vergleich zu 2018 stehen wir dieses Jahr etwas besser da, aber schlechter als 2019.“ Versorgungsprobleme mit Trinkwasser gebe es derzeit noch nicht, die Menschen sollten aber sorgsam mit Wasser umgehen.

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Wassersparen ist auch in Potsdam angesagt

Wasserdefizite bereiten auch in Brandenburg Probleme: Um der anhaltenden Trockenheit zu begegnen, dürfen Potsdamer seit Freitag kein Wasser aus Flüssen, Seen und Gräben mehr entnehmen. Das Wasserentnahmeverbot aus den Oberflächengewässern auf dem Gebiet der Landeshauptstadt gilt ab sofort bis zunächst zum 30. September, wie die Stadt mitteilte. Zuwiderhandlungen könnten mit Geldbußen von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

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Nach der extremen Niedrigwassersituation in den Sommern 2018 und 2019 konnten die Wasserdefizite laut Stadt in den Wintermonaten nicht ausgeglichen werden. Niederschläge im Mai, Juni und Juli hätten die Lage nur „leicht, kurzfristig und örtlich begrenzt“ entspannt. „Wegen der hohen Temperaturen und Verdunstung, der weiterhin geringen Niederschläge und der aktuellen Wetterprognose ist davon auszugehen, dass die extreme Trockenheit und die damit einhergehenden geringen Wasserstände der Potsdamer Gewässer bis in den Herbst andauern werden“, hieß es.

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Hitzewelle über Europa
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Von der Ostsee bis nach Frankreich: Eine klassische hochsommerliche Hitzewelle legt sich zurzeit und in den kommenden Tagen über Europa.  © Reuters

Gemeinden in Hessen rufen Trinkwassernotstand aus

Einen Schritt weiter gehen mehrere Gemeinde im Hochtaunuskreis in Hessen: Bereits am Freitag vor einer Woche hatte Grävenwiesbach den Trinkwassernotstand ausgerufen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ). Er gilt zunächst bis Ende August. Damit ist das Bewässern von Gärten und landwirtschaftlichen Flächen ebenso verboten wie das Füllen von Schwimmbecken und Autowaschen. Anfang vergangener Woche folgte die Feldberggemeinde Schmitten und erklärte ebenfalls den Trinkwassernotstand.

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Auch andernorts in Hessen werden die Appelle zum Wassersparen eindringlicher. Angesichts der anhaltenden Trockenheit und des gestiegenen Wasserverbrauchs stellten die Versorger von Kronberg, Oberursel und Steinbach ihre „Trinkwasser-Ampeln“ von Gelb auf Rot um. Auch die Stadtwerke von Bad Homburg und Friedrichsdorf riefen zu sparsamem Umgang mit Wasser auf, berichtet die „FAZ“.

Versorger warnen: Klimawandel sorgt für Konflikte bei der Wassernutzung

Vor der Konkurrenz bei der Wassernutzung als Folge des Klimawandels in Deutschland hatten zuletzt bereits die kommunalen Wasserversorger gewarnt. Die Anpassung an zunehmende klimatische Veränderungen wie Hitze und Dürre sei eine der wesentlichen Herausforderungen, sagte ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). „Mögliche Interessenkonflikte“ bei der Trinkwasserversorgung müssten eingeplant und gelöst werden - etwa mit Landwirten, aber auch mit Naturschutzzielen.

Wo nicht genug Wasser für alle Interessenten da sei, müsse, wie gesetzlich festgelegt, die Trinkwasserversorgung Vorrang haben. Da sei die Politik gefordert.

RND/seb/dpa


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