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  • Hitze: Höchste Waldbrandgefahr in Teilen Deutschlands - vor allem im Osten

Der Osten glüht feuerrot: höchste Waldbrandgefahr in Teilen Deutschlands

  • Die Grafik des Deutschen Wetterdienstes zur Waldbrandgefahr zeigt am Donnerstag vor allem im Osten die höchste Gefahrenstufe fünf.
  • Grund ist, dass von den Niederschlägen der Vorwochen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wenig angekommen ist.
  • Ein Meteorologe macht aber Hoffnung auf Entspannung.
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Hannover. Kirschrot glüht der Osten an diesem Donnerstag – in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts weist die Deutschlandgrafik des Deutschen Wetterdienstes zur Waldbrandgefahr eine alarmierende Farbe auf. Dort, vor allem aber im fast komplett tiefroten Brandenburg, ist das Feuerrisiko am Donnerstag am höchsten in der Republik. Eine „Drachennase“ der Stufe fünf für „sehr hohe Gefahr“ ragt noch ins mittlere Niedersachsen hinein. Auch in Baden-Württemberg und Bayern gibt es purpurrote Flecken, die auf die höchste Waldbrandgefahrenstufe hinweisen. Aber auch im Rest des Landes herrscht mindestens die Gefahrenstufe drei, vielerorts sogar die Stufe vier.

Im Osten ist vom Regen der Vorwochen nichts angekommen

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Warum ist gerade im deutschen Osten die Waldbrandgefahr besonders groß? „Nordöstlich der Elbe ist in den letzten zwei Wochen im Gegensatz zum restlichen Land von den Gewitterniederschlägen nichts angekommen“, erklärt Jens Fildebrandt, der beim Zentrum für Agrarmeteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Braunschweig arbeitet. Er führt an, dass es durch die Kontinentalität dort „immer etwas anders“ zugehe. Das Hoch über Polen und Russland habe Niederschläge blockiert.

„Dort war es auch wärmer als im Rest des Landes“, sagt der Meteorologe. Die Verdunstung stieg, die Bodenfeuchte habe abgenommen. Niedrige Luftfeuchtigkeit, die wochenlange Austrocknung der sogenannten Streuschicht am Waldboden, dazu Brisen, die im Fall eines Feuers die Flammen anfachen und weitertragen könnten – all das führe zu dem gegenwärtigen Gefahrenindex. Vornehmlich Kieferwälder gebe es dort, zumeist auf Sandboden. „Was dort an Regen fällt, ist im Nu durchgeflossen. Da fehlt die Speicherkapazität der schweren Böden.“ Die Situation verschärft sich noch dadurch, dass die sehr hohen Temperaturen jetzt auch im Osten ankämen.

Doch nicht nur im Osten herrscht große Waldbrandgefahr: In Bayern etwa rechnet der DWD für Freitag bei mehr als der Hälfte seiner Stationen mit der zweithöchsten von fünf Waldbrand­gefahrenstufen. Beim unterfränkischen Arnstein-Müdesheim und bei Schwandorf in der Oberpfalz herrscht laut der DWD-Vorhersage vom Donnerstag sogar die höchste Stufe. In den restlichen Regionen Bayerns gilt Stufe drei, also „mittlere“ Waldbrandgefahr. Die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) appellierte deshalb an die Bevölkerung, im Wald nicht zu rauchen und auch in der Nähe auf Grillen und offenes Feuer zu verzichten.

Niedersachsen und Sachsen-Anhalt setzen zur Früherkennung von Waldbränden auf den Einsatz von zwei kleinen Flugzeugen. Die mit einem Piloten, einem Beobachter und einem Förster bemannten Cessnas sollten ab Donnerstag in einigen Gebieten der Bundesländer ihre Routen abfliegen und nach Rauchbildung Ausschau halten, sagte Thomas Friedhoff, Referent des Feuerwehrflugdienstes Niedersachsen.

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Gewitter mit Niederschlägen könnten Entspannung bringen

Dennoch sieht Fildebrandt Linderung am Horizont. Die purpurroten Felder würden in den nächsten Tagen kleiner werden, stellt er in Aussicht. Die Gewitter und Schauer, die für Freitag schon im deutschen Westen erwartet werden, kämen am Sonntag auch im Osten an. „Dann wird sich der Gefahrenindex absenken.“ Schon das Einströmen feuchterer Luft ohne Niederschlag würde die Situation zum Positiven ändern.

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Sind Gewitter mit ihren Blitzschlägen nicht eher eine zusätzliche Gefahr für die trockenen Wälder? In den USA gebe es blitzreiche Trockengewitter, die sich auf trockene Wälder verheerend auswirken können, weiß Fildebrandt. Und: „Rein theoretisch ist das bei uns auch möglich, in aller Regel aber kommen Gewitter in Deutschland mit reichlich Niederschlag daher, danach kühlt sich alles ab.“ Gewitter – eher gut für eine Entspannung.

Insgesamt sieht Fildebrandt die Gesamtgefahrenlage dieser Tage auch gemäßigt, kein besonders bedrohliches Szenario: „Das ist längst nicht so gravierend wie in den Jahren davor, weil wir diesmal ein kühles, feuchtes Frühjahr und im Mai gute Niederschläge hatten.“

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Deutschland ist kein Waldbrandland

Fast ein Drittel der Republik ist bewaldet – was einer Fläche von 11,4 Millionen Hektar entspricht. Dank einer nachhaltigen Bewirtschaftung durch die hiesige Forstwirtschaft hat die Waldfläche stetig zugenommen. Könnte es bei uns ähnliche wochenlange flammenden Infernos mit monumentaler Waldvernichtung geben wie in Kalifornien, Australien oder derzeit Sibirien?

Fildebrandt zitiert diesbezüglich seinen pensionierten Kollegen, den Meteorologen Klaus-Peter Wittich, der für Deutschland klargestellt hat: „Wir sind kein Waldbrandland.“ Sollten die Jahre immer heißer, immer trockener werden, könne sich das möglicherweise ändern, sagt Fildebrandt. „Bis jetzt gilt aber bei uns durch die maritime Beeinflussung, dass die Gefahrensituation immer wieder umkippt, dass die Feuchte immer ausreicht.“

Mit dpa

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