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  • Hinrichtung von Lisa Montgomery in den USA: Anwältin kritisiert Vollzug der Todesstrafe

Anwältin von Lisa Montgomery verurteilt Hinrichtung als „feige Blutlust“

  • Als erste Frau seit knapp 70 Jahren ist Lisa Montgomery in der Nacht auf US-Bundesebene hingerichtet worden.
  • Ihre Anwältin kritisiert den Vollzug der Todesstrafe in einer Mitteilung scharf und spricht von „feiger Blutlust“.
  • „Jeder, der an der Hinrichtung von Lisa Montgomery teilgenommen hat, sollte sich schämen“, heißt es in einer Mitteilung.
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Die Anwältin der in den USA hingerichteten 52-Jährigen hat den Vollzug der Todesstrafe scharf kritisiert. „Jeder, der an der Hinrichtung von Lisa Montgomery teilgenommen hat, sollte sich schämen“, schrieb Kelley Henry in einer Mitteilung. Die „feige Blutlust gescheiterter Behörden“ sei dadurch voll zum Ausdruck gekommen. Montgomery, die in der Nacht zu Mittwoch (Ortszeit) durch eine Giftspritze im Gefängnis in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana starb, war die erste Frau seit knapp 70 Jahren, die auf US-Bundesebene hingerichtet wurde.

Anwältin Kelley Henry sagte, sie glaube nicht, dass ihre Mandantin rational begreife, was vorgehe. Montgomery war nach Angaben ihrer Verteidiger als Kind mehrfach vergewaltigt und gequält worden, was ihre psychische Krankheit verschärft hat. „Unsere Verfassung verbietet es, jemanden hinzurichten, der nicht in der Lage ist, die Hinrichtung rational zu verstehen. Die Behörden wissen das. Und doch haben sie sie getötet.“ In der Mitteilung verwies Henry darauf, dass die psychische Erkrankung zuerst von Gefängnisärzten diagnostiziert worden sei. Die Staatsanwaltschaft hatte Montgomery vorgeworfen, eine Geisteskrankheit nur vorgetäuscht zu haben.

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Auch die internationale christliche Gemeinschaft Sant’Egidio brachte ihre Bestürzung und Empörung über den Vollzug des Todesurteils zum Ausdruck. „Dieser entsetzliche Tod heilt nicht die durch Gewalt hervorgerufenen Wunden, sondern verbreitet Hass und Verzweiflung in einer Gesellschaft, die doch Vernunft, Rehabilitation im Justizsystem, Barmherzigkeit und Vergebung so dringend benötigt“, hieß es in einer Stellungnahme. „Wir äußern den Wunsch, dass die ruchlose Entscheidung, auf Bundesebene in den Vereinigten Staaten wieder Hinrichtungen durchzuführen, bald widerrufen und nach so vielen Toten eine neue Zeit des Respekts für das Leben eingeleitet wird.“

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Opfer Baby aus dem Leib geschnitten

Die 52-jährige Lisa Montgomery hat dem Urteil zufolge im Jahr 2004 ihrem Mordopfer das Baby aus dem Leib geschnitten und später als ihr eigenes Kind ausgegeben. Ihre Verteidigerinnen erklärten bei der Berufung, Montgomery habe die Tat verübt. Ihre psychischen Leiden und Traumata durch zahlreiche Vergewaltigungen im Kindesalter und Missbrauch seien jedoch bei dem Urteil nicht berücksichtigt worden. In einem Gnadengesuch an den scheidenden US-Präsident Donald Trump baten die Anwältinnen vergebens, das Todesurteil in lebenslange Haft umzuwandeln.

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Die meisten Todesurteile werden in den USA von den einzelnen Staaten vollstreckt. Die Regierung Trump hat 2020 nach 17-jähriger Hinrichtungspause zehn nationalstaatliche Todesurteile vollstrecken lassen. Vor dem Ende seiner Amtszeit am 20. Januar sind in Terre Haute zwei weitere nationalstaatliche Hinrichtungen vorgesehen. Laut einem Bericht des örtlichen Fernsehsenders WTHI wurden beide Exekutionen vorläufig aufgeschoben. Die beiden Häftlinge seien anscheinend mit dem Coronavirus infiziert.

RND/seb/AP/epd

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