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  • Hilferuf aus Corona-Quarantäne: Italiener postet Hilferuf - Tote Schwester liegt daneben

Tote Schwester liegt im selben Raum: Italiener postet verzweifelten Hilferuf aus Coronaquarantäne

  • In einem Video sendet ein Italiener aus der Nähe von Neapel einen verzweifelten Hilferuf aus der Coronaquarantäne.
  • Im selben Raum liegt der leblose Körper seiner Schwester, die an den Folgen des Virus gestorben sein soll.
  • Vor allem das Bestattungsunternehmen war offenbar überfordert.
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In einem rund zweieinhalb-minütigen Video, das am Sonntag bei Facebook gepostet wurde, hat ein Italiener einen Hilferuf aus der Coronaquarantäne abgesetzt. In dem Clip steht Luca Franzese vor einem Bett, in dem der leblose Körper einer Frau liegt.

Bei der Frau handelt es sich um Franzeses 47 Jahre alte Schwester Teresa. Der Mann beschreibt, sie sei höchstwahrscheinlich an den Folgen des Coronavirus gestorben: “Ich warte seit gestern Abend auf eine Rückmeldung der Behörden. Es hat sich niemand gemeldet. (...) Meine Schwester ist hier mit mir in diesem Bett, tot. Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll.”

Franzese ist sicher, sich auch infiziert zu haben

Franzese zeigt sich sichtlich verzweifelt in dem Video, beschreibt, welche Behörden er bereits um Hilfe gebeten hat, und nennt seine exakte Adresse in der Nähe von Neapel. Seine Schwester, die sich in Coronaquarantäne befand und an einer epileptischen Vorerkrankung gelitten gehaben soll, habe er versucht, per Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben. Nun sei sich der Mann sicher, dass auch er sich mit dem Virus infiziert hat.

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Das Video hat sich schnell verbreitet. Mehr als 110.000-mal wurde der Hilferuf aus der Quarantäne bereits geteilt – auch über die Grenzen Italiens hinaus.

Der zuständige Regionalrat der Region Kampanien und Mitglied der Gesundheitskommission, Francesco Emilio Borelli, hat den Vorfall bestätigt. Er weist darauf hin, dass es sich bei Teresa Franzese um die erste Patientin handelte, die nicht im Spital, sondern zu Hause verstorben sei. Das Bestattungsunternehmen sei sich nicht sicher gewesen, wie in einem solchen Fall vorzugehen sei; das sei für sie der Grund gewesen, die Wohnung nicht zu betreten.

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Borelli erklärte, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Dabei sollen die Aussagen des Bruders überprüft und insbesondere auch abgeklärt werden, bei wem sich die Verstorbene angesteckt habe und ob dabei Quarantänevorschriften verletzt worden seien. Auch der nationale Gesundheitsdienst sei verständigt worden.

Die 47-jährige Teresa Franzese ist am 7. März nach einem Schwächeanfall verstorben. Sie war Epileptikerin und in schlechtem Gesundheitszustand. Die vom Bruder herbeigerufenen Notärzte konnten nur noch den Tod feststellen. Ob die Aussage des Bruders stimmt, dass ihm der Hausarzt zuvor die Hilfe verweigerte, ist bisher nicht bestätigt.

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Da die Notärzte keine Utensilien dabeihatten, um sofort einen Coronatest vornehmen zu können, hat sich der Test verzögert. Inzwischen ist er gemacht worden; die Frau war infiziert.

Zutreffend ist die Aussage des Bruders, wonach sich das Bestattungsunternehmen weigerte, die Frau abzuholen. In der Folge haben die Carabinieri ein auf solche Fälle spezialisiertes Unternehmen beauftragt. Die Frau ist inzwischen abgeholt worden und der Sarg wurde versiegelt. Da Bestattungsfeiern von der Regierung verboten worden sind, wird die Beerdigung vorerst nicht stattfinden.

Inzwischen sind auch der Bruder und die weiteren Anwesenden in der Wohnung auf das Coronavirus getestet worden. Die Resultate stehen noch aus. Die gesamte Familie wurde unter Quarantäne gestellt, wie es die landesweiten Protokolle vorsehen.

In Italien gibt es inzwischen mehr als 7300 bestätigte Fälle des Coronavirus. Mehr als 360 Menschen sind bereits an den Folgen der Erkrankung gestorben.

dsr/liz/RND

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