Hessische Ministerin bestätigt dritten Todesfall im Wurst-Skandal

  • Nach zwei Todesfällen und mehreren Erkrankungen durch Listerien-Keime in Fleischwaren des nordhessischen Wurstherstellers Wilke wurde am Donnerstag ein dritter Todesfall gemeldet.
  • Diesen bestätigte nun auch die hessische Verbraucherschutzministerin.
  • Die Verstorbenen sollen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt kommen.
Anzeige
Anzeige

Darmstadt. Im Skandal um mit Keimen belastete Wurst geht Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) von drei Todesopfern aus. "Seit gestern wissen wir drei Todesfälle", sagte sie am Freitag in Darmstadt. Der nordhessische Landkreis Waldeck-Frankenberg, der für die Überwachung und die Schließung der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf verantwortlich war, sprach bislang von zwei Opfern aus Südhessen. "Natürlich werden wir dem Landkreis eine Frist setzen", sagte Hinz. Sie erwartete in den nächsten 14 Tagen einen Bericht.

Dem Robert-Koch-Institut zufolge sind Patienten in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt "direkt oder indirekt an der Listeriose" verstorben.

Wilke wehrt sich gegen die Schließung

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer. Die Firma wehrt sich gegen die Schließung: Wilke reichte am Donnerstag beim Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag ein. Dieser richte sich gegen die Anordnung des Landkreises, der die Produktion gestoppt hatte.

Video
Keime in Wurst: Ermittlungen gegen Wilke-Geschäftsführer
1:21 min
Keime in Wurstwaren sollen in Hessen zwei Menschen das Leben gekostet haben. Produkte der Firma Wilke stehen unter Verdacht.  © dpa

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums gab es ab dem 5. September Anweisungen für eine grundlegende Desinfektion in dem Betrieb und eine Reinigung der Schneidegeräte. Das Ministerium habe erst am 16. September von dem Zusammenhang der Listerienfunde mit Krankheits- und Todesfällen erfahren. Ab dem 20. September hätten von jedem Produkt Proben genommen werden müssen. Geschlossen wurde die Firma Wilke erst am 2. Oktober.

Wurde beim Kreis geschlampt?

Anzeige

Ob da beim Kreis geschlampt worden sei oder nicht, könne sie noch nicht sagen. "Das maße ich mir nicht an", sagte Hinz. Es müsse nun erstmal der Bericht abgewartet werden.

Hinz forderte aber erneut mehr Befugnisse des Landes. In diesem Fall habe man den Landkreis nur bitten können. "Wir haben auf eine Schließungsverfügung gedrungen", sagte Hinz. Letzten Endes zuständig sei aber der Kreis. "Wir werden das jetzt aufarbeiten."

Anzeige

RND/dpa