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Hellas den Rentnern! Griechenland lockt Deutsche an – mit Steuervorteilen

  • Griechenland macht sich auf, das “Florida Europas” zu werden.
  • Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis positioniert sein Land als Rentnerparadies und sieht darin ein nachhaltiges Geschäftsmodell.
  • Ausländischen Ruheständlern winken beim Umzug Steuervorteile.
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Athen. In Hellas lockt nicht nur das Klima: Wer als Ruheständler seinen Hauptwohnsitz nach Griechenland verlegt, zahlt auf seine Rente nur 7 Prozent Einkommenssteuer, unabhängig von der Höhe der Bezüge. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, den das griechische Kabinett kürzlich gebilligt hat. Die Vorlage geht jetzt ins Parlament, das sie noch im Juli verabschieden könnte.

Interessant ist die Regelung, weil die Flatrate nicht nur auf Renten Anwendung findet. “Der Steuersatz von 7 Prozent gilt für alle Einkommen aus dem Ausland, seien es Pensionen oder andere Einnahmen”, sagt Alex Patelis, ökonomischer Chefberater des Ministerpräsidenten. Das klingt lohnend vor allem für ausländische Pensionäre, die eine hohe Rente beziehen und außerdem Mieteinnahmen haben oder Kapitalerträge erwirtschaften. Voraussetzung ist allerdings, dass der Rentner sein Steuerdomizil nach Griechenland verlegt, mindestens 183 Tage im Jahr dort verbringt und in fünf der vergangenen sechs Jahre in Griechenland nicht steuerpflichtig war. Anträge für das Fiskaljahr 2020 nehmen die griechischen Finanzbehörden noch bis zum 30. September entgegen. In den folgenden Jahren läuft die Antragsfrist jeweils am 31. März ab. Über die Anträge sollen die Behörden binnen 60 Tagen entscheiden. Die Flatrate gilt für zehn Jahre.

Trotz des niedrigen Steuersatzes soll sich die Flatrate für die griechische Volkswirtschaft lohnen, denn die Pensionäre geben dann einen Großteil ihrer Einkünfte in Griechenland aus. Mitsotakis hatte bereits als Oppositionsführer mehrfach auf die wachsende Bedeutung der sogenannten Silver Economy hingewiesen, der Seniorenwirtschaft.

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Lohnt sich das Steuerexil für deutsche Rentner?

Die Besteuerung der ausländischen Renten und sonstigen Einkommen erfolgt in Übereinstimmung mit den jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Griechenland und dem Herkunftsstaat, erläutert Patelis. Das ist für deutsche Interessenten ein wichtiger Hinweis. Denn es gibt Fallstricke. Bundesfinanzminister Olaf Scholz will die deutschen Rentner nicht so ohne Weiteres in das neue Paradies Griechenland entlassen.

“Im Ausland lebende Rentner mit Einkünften aus Vermietung oder aus Gewerbebetrieben sind in Deutschland zumindest beschränkt steuerpflichtig”, erläutert der Berliner Steuerberater Patrick Straßer. “Diese beschränkte Steuerpflicht ist mehr als unschön”, so der Experte, “denn vieles, was die Steuerbelastung mindern könnte – wie Grundfreibetrag, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, ja sogar das Ehegattensplitting – geht bei der beschränkten Steuerpflicht verloren.” Für wohlhabende Rentner, die etwa Firmenbeteiligungen an einer GmbH oder Aktiengesellschaft halten, kommt es noch schlimmer: Für sie wird nach dem Außensteuergesetz sogar eine sogenannte Wegzugssteuer fällig, so Straßer.

Ob sich das Steuerexil für deutsche Rentner wirklich lohnt, hängt also von den Bedingungen im Einzelfall ab. Interessenten sollten vor der Umsiedlung nach Griechenland ihren Steuerberater hinzuziehen, rät auch der Regierungsberater Alex Patelis.

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