Hauptangeklagter im Lügde-Prozess voll schuldfähig

  • Im Prozess um den hundertfachen Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat eine Gutachterin den Hauptbeschuldigten Andreas V. für voll schuldfähig erklärt.
  • Vor dem Landgericht Detmold ging am Freitagmorgen die Beweisaufnahme in die Schlussphase.
  • Psychiaterin Marianne Miller attestierte dem Angeklagten eine "tief verwurzelte pädophile Neigung".
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Detmold. Im Prozess um den hundertfachen Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat eine Gutachterin den Hauptbeschuldigten Andreas V. für voll schuldfähig erklärt. Vor dem Landgericht Detmold, wo am Freitagmorgen die Beweisaufnahme in die Schlussphase ging, attestierte Psychiaterin Marianne Miller dem 56-Jährigen eine "tief verwurzelte pädophile Neigung"mit Präferenzen für Mädchen im Grundschulalter. Medizinische Vorraussetzungen, wie Psychosen oder sonstige psychische Störungen oder eine "schwere, seelische Abartigkeit" lägen laut ihren Untersuchungen nicht vor, weshalb sie keinen Anlass für eine verminderte Schuldfähigkeit sehe.

Allerdings gebe es bei Andreas V. eine "sehr hohe Wahrscheinlichkeit", dass er auch nach einer sehr langen Haftstrafe wieder verlgeichbare Taten begehe. Die Gutachterin sprach sich deshalb für eine Sicherungsverwahrung des Angeklagten aus. Dafür spreche der lange Tatzeitraum seit den 90er Jahren, in der er immer wieder schwerstes sexuelles Missbrauchsverhalten gezeigt habe. Eine Therapie sei empfehlenswert, allerdings mit eher geringen Chancen auf Erfolge, so Gutachterin Miller, Grund sei vor allem das Alter des Angeklagten sowie seine narzistische Persönlichkeitsstruktur.

Er habe die Taten allerdings eher als "Ersatzhandlung" begangen und in der Vergangenheit auch durchaus Beziehungen zu gleichaltrigen Frauen gehabt, so Miller, er gelte nach medizinischen Standards also nicht "kernpädophil".