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„Hat sich eingeschlichen“ - Mann lässt Leiche von Freundin verwesen

  • Zuerst sind da die merkwürdigen Obstgeschenke des unglaublich freundlichen neuen Nachbarn.
  • Dann verschwindet dessen Lebensgefährtin - und die Gründe, die der Mann dafür vorbringt, wirken immer unglaubwürdiger.
  • Schließlich herrscht grausige Gewissheit, die 71-Jährige ist tot. Seit heute steht der Mann vor Gericht.
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Offenburg. Eine 71-Jährige verliebt sich, der neue Freund zieht kurz darauf in ihr Haus und macht sich mit Geschenken bei den Nachbarn beliebt. Wenige Monate später ist die Frau tot - und ihre Leiche verwest über viele Wochen in einem Plastiksack in dem Offenburger Haus. In diesem Fall muss sich seit Dienstag der heute 66 Jahre alte Lebensgefährte der Toten vor dem Offenburger Landgericht verantworten - wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Computerbetrugs.

Nach Streit und Gewalt rief der 66-Jährige keine Rettungssanitäter

Zum Prozessauftakt äußert sich der Beschuldigte nicht zu den Anklagepunkten der Staatsanwaltschaft. Diese wirft ihm vor, die Frau im August 2020 im Streit gewürgt zu haben, woraufhin sie gestürzt und gestorben sei (Az.: 1 Ks 303 Js 17866/20). Statt Rettungskräfte zu alarmieren, habe der Mann die Leiche in einen Sack gesteckt und den Tod der Frau verschleiert.

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In den Wochen darauf soll der wegen Betrugs diverse Male vorbestrafte Mann mit der EC-Karte eines Ex-Freunds der Toten Tausende Euro abgehoben haben. Erst nach Hinweisen besorgter Nachbarn wurde die stark verweste Leiche im Oktober in dem Offenburger Haus gefunden.

Der Angeklagte ist vor Gericht kaum zu verstehen

Der Mann schildert sich vor Gericht als einen notorischen Betrüger. Sein Leben sei ein ständiges „Rein-Raus“ aus dem Gefängnis gewesen. Seine Antworten auf die Fragen des Gerichts zur Person sind vernuschelt und kaum zu verstehen. Insgesamt wirkt der gebürtige Franke fahrig, wendet sich immer wieder hilfesuchend an seinen Rechtsanwalt und gibt an, Fragen nicht zu verstehen. Im März habe er in U-Haft einen Schlaganfall erlitten.

Eine ganz andere Person scheinen Nachbarn der Toten zu beschreiben, die als Zeugen über den heute 66-Jährigen aussagen. Er sei „ratzfatz“ eingezogen bei seiner neuen Freundin, sagt ein Nachbar. Ständig habe er Erdbeeren und anderes Obst an Nachbarn verschenkt und freundlich mit ihnen geplaudert. Er habe den Eindruck erweckt, der gut situierten Frau finanziell ebenbürtig zu sein. Diese habe ihn als perfekten Koch und sozial sehr engagiert beschrieben.

Als die rüstige 71-Jährige im Sommer 2020 plötzlich verschwand, sei ihr Freund nie um Erklärungen verlegen gewesen, berichtet der Nachbar: Sie sei im Krankenhaus und wolle keinen Besuch. Sie sei nach Portugal zu ihrem Ex-Freund gereist, um die Hunde nach Deutschland zu holen. Sie stecke wegen Corona in Portugal fest. Die Hunde seien in Quarantäne.

Die Todesursache konnte nicht eindeutig geklärt werden

Erst nach vielen Wochen habe man gemeinsam mit anderen Nachbarn ernsthaft Verdacht geschöpft und schließlich die Polizei gerufen. Eine andere Zeugin beschreibt es so: „Er hat sich in unsere Nachbarschaft eingeschlichen durch seine freundliche Art.“ Sie sei eingelullt gewesen und habe ihm vertraut.

Ein Polizist, der mit dem Mann telefonierte, nachdem die Nachbarn aktiv geworden waren, sagte: Er habe sehr ruhig gewirkt und sich auch nicht verhaspelt, als er Gründe dafür vorbrachte, warum seine Freundin nicht selbst ans Telefon kommen könne. Dennoch sei schnell klar gewesen, dass da etwas nicht stimme. Bei einer Hausdurchsuchung wurde schließlich die Leiche entdeckt - sie war so stark verwest, dass die Todesursache nicht mehr eindeutig geklärt werden konnte.

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Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte am 20. Juli fallen.

RND/dpa

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