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Hart errungener Sieg: Japanerin gewinnt Klage gegen ihren Vergewaltiger

  • Die Journalistin Shiori Ito verklagt ihren Vergewaltiger und bricht damit ein gesellschaftliches Tabu in Japan.
  • Ito wird eine Entschädigung zugesprochen.
  • Doch bis zu dem Urteil war es ein langer Kampf für die 30-Jährige.
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Sie hat ihren Vergewaltiger öffentlich angeklagt und wurde damit zum Gesicht der #MeToo-Bewegung in Japan: Der Journalistin Shiori Ito wurden von einem Gericht in Tokio jetzt 3,3 Millionen Yen (rund 27.100 Euro) Schadensersatz zugesprochen. Es ist zwar nicht einmal die Hälfte der geforderten Summe von 11 Millionen Yen, dennoch ist es für die 30-Jährige ein riesiger Sieg. Denn es war der erste Fall in Japan, bei dem eine Frau ihren Vergewaltiger derart öffentlich angeklagt hat.

Ito wirft ihrem 23 Jahre älteren Kollegen Noriyuki Yamaguchi vor, sie vor vier Jahren vergewaltigt zu haben. Die beiden hätten sich zum Abendessen getroffen, um über einen Praktikumsplatz der jungen Journalistin zu sprechen, wie „The Guardian“ berichtet. Yamaguchi hätte sie demnach mit Alkohol oder Drogen bewusstlos gemacht und in ein Hotelzimmer gebracht. „Als ich wieder zu Bewusstsein kam, befand ich mich in einem Hotelzimmer und er lag auf mir“, sagte sie kürzlich in einem Interview mit der AFP. „Ich wusste, was passiert war, aber ich konnte es nicht verarbeiten.“

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Japanische Journalistin gewinnt Vergewaltigungsprozess
0:59 min
Japans Vorkämpferin der #MeToo-Bewegung, Shiori Ito, hat vor Gericht eine Entschädigung wegen Vergewaltigung erstritten.  © AFP
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Gegenklage wurde abgeschmettert

Das Gericht folgte ihren Schilderungen. Laut „The Guardian“ begründete das Zivilgericht seine Entscheidung auf Schadensersatz damit, dass sie „gezwungen wurde, Sex ohne Empfängnisverhütung zu haben, während sie sich in einem Zustand der Bewusstlosigkeit und der schweren Trunkenheit befand“. Bis heute würde die Klägerin unter Panikattacken leiden.

Bis zu diesem Erfolg war es für Ito ein harter und langer Kampf. Die Journalistin hatte ihren Kollegen nach der Tat angezeigt. Doch 2016 wurde das Verfahren eingestellt. Die Staatsanwaltschaft meinte, dass die Beweislage für einen Strafprozess nicht ausreiche, weshalb Ito eine Zivilklage einreichte. Yamaguchi zog seinerseits mit einer Gegenklage vor Gericht, die jedoch abgewiesen wurde.

Laut „The Guardian“ werden nur 4 Prozent der Vergewaltigungsfälle in Japan vor Gericht gebracht. Dies liege auch an den vielen Hürden des japanischen Rechtssystems. Übergriffe würden nur dann als Vergewaltigung gewertet werden, wenn sie unter nachweisbarer körperlicher Gewalt stattgefunden haben. Die Opfer müssen beweisen können, dass sie sich mit aller Kraft gewehrt haben, andernfalls blieben die Täter straffrei.

RND/mat

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