Häftling erwartet nach 45 Jahren in der Todeszelle neues Urteil

  • 45 Jahre nach seiner Verurteilung haben Behörden im US-Bundesstaat Texas das Todesurteil gegen Raymond Riles aufgehoben.
  • Er war 1976 verurteilt worden weil er zwei Jahre zuvor einen Mann erschossen haben sollte.
  • Seine psychische Krankheit sei damals nicht einbezogen worden, hieß es über den Mann, der länger als jeder andere in der Todeszelle saß.
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Houston. Die Behörden im US-Staat Texas haben nach mehr als 45 Jahren die Todesstrafe gegen einen Häftling verworfen. Die Verurteilung von Raymond Riles habe so keinen Bestand, weil die psychische Erkrankung des heute 70-Jährigen bei seiner Verurteilung nicht ausreichend berücksichtigt worden sei, urteilte ein Berufungsgericht. Die Entscheidung wird nun zurück an eine niedrigere Instanz verwiesen.

Kein Häftling saß in Texas je länger in der Todeszelle

Riles wurde 1976 zum Tode verurteilt, weil er zwei Jahre zuvor im Streit um ein Auto einen Mann erschossen haben soll. Kein Häftling in Texas saß je länger in der Todeszelle. Ein Mitangeklagter erhielt ebenfalls die Todesstrafe. Seine Strafe wurde jedoch gekippt; später bekannte er sich in zwei anderen Anklagepunkten schuldig und wurde zu 25 bis 50 Jahren Haft verurteilt.

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Zum Zeitpunkt des Prozesses sah das Gesetz nicht vor, dass die Geschworenen mildernde Umstände wie eine psychische Erkrankung berücksichtigen müssen, wenn sie über eine Verurteilung zum Tode entscheiden. Der Oberste Gerichtshof der USA erklärte die Anweisungen an die Geschworenen in Texas 1989 aus diesem Grund für verfassungswidrig. In Riles‘ Fall wurde die Entscheidung aber bis mindestens 2007 von den Gerichten nicht berücksichtigt, wie sein Anwalt Jim Marcus erklärte.

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Im Prozess bestritt die Staatsanwaltschaft eine psychische Erkrankung

Häftlinge wie Riles „sitzen in der Todeszelle, weil sie zum Tode verurteilt wurden, aber die Strafe kann nicht vollstreckt werden, weil sie dafür psychisch zu krank sind“, sagte Marcus. Das bedeute, dass Gefangene in Texas im Todestrakt ausharren müssten, was im Grund Einzelhaft bedeute.

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Die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess eine Erkrankung des Angeklagten bestritten. Mehrere Psychiater hatten jedoch ausgesagt, er leide an Schizophrenie. Dies hatte auch sein Bruder vor Gericht bestätigt.

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Marcus erklärte, wahrscheinlich werde der Angeklagte nach der Gerichtsentscheidung vom Mittwoch im nächsten Schritt zu lebenslanger Haft verurteilt, hätte aber Anspruch auf Prüfung einer Freilassung. Darüber müsse dann der texanische Begnadigungsausschuss entscheiden.

RND/AP

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