Haareschneiden in Luxemburg? Deutsche Friseure klagen ihr Leid

  • Die Friseursalons sind dicht, und deutsche Kunden lassen sich in Luxemburg die Haare schneiden.
  • Nun befürchten Friseure in der deutschen Grenzregion Ausfälle, selbst wenn die Salons wieder öffnen dürfen.
  • Zwei Friseurinnen aus Trier berichten.
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Die Haare wachsen und wachsen, doch die Friseure können in Deutschland im derzeitigen Corona-Lockdown keine Termine vergeben – und Kunden keine wahrnehmen. Für manche Bewohner in Grenzregionen scheint die Lösung einfach zu sein: Einmal eben über die Grenze nach Luxemburg fahren, und schon sitzen die Haare wieder perfekt. Denn in Luxemburg haben die Salons unter Hygieneauflagen seit dem 11. Januar wieder geöffnet.

Luxemburg steht laut Auswärtigem Amt der Bundesregierung mit einem Inzidenzwert von über 50 (in der Woche vom 18. bis 24. Januar lag der Wert bei 135) auf der Liste der Risikoländer. Der 7-Tage-Inzidenzwert in Trier, etwa zehn Kilometer von der luxemburgischen Grenze entfernt, liegt aktuell laut der Stadt bei 42,1. „Ich komme mir verarscht vor“, sagt Doris Fuchs gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie betreibt ihren Salon Doris Fuchs – Art of Hair seit 1991 in der Stadt. Etwa 30 bis 40 Prozent ihrer Kunden, selbst Stammkunden, würden derzeit nach Luxemburg fahren, um sich dort die Haare schneiden zu lassen, schätzt sie.

Angst vor Kurzarbeit auch nach dem Lockdown

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„Meine Existenz steht auf dem Spiel.“ Die Verzweiflung ist im Gespräch spürbar. „Mir fehlen die Worte“, sagt sie und holt Luft. Sie befürchtet, dass, selbst wenn die Friseursalons nach dem 14. Februar wieder öffnen dürfen, Kunden ausbleiben. „Die sind jetzt in Luxemburg bedient worden. Es kann sein, dass ich meine drei Fachkräfte und zwei Ausbildenden dann wieder in Kurzarbeit schicken muss.“

Ähnlich geht es Jurate Lengwin – sie ist Inhaberin des Salons Haarkunst in Trier, den es seit zwei Jahren gibt. „Ich habe Angst vor Ausfällen“, berichtet sie. „Wenn wir nach dem 14. Februar wieder anfangen, werden wir weniger Kundschaft haben als nach dem ersten Lockdown im Frühjahr.“ Sie mache sich keine Sorgen um die Zukunft ihres Geschäfts, erwarte aber einen geringeren Umsatz nach der Aufhebung des Lockdowns.

„Für Grenzgebiete sollte es besondere Regelungen geben“

Beide Friseurinnen beobachten, dass vor allem Männer mit kurzen Haaren und Frauen, die sich die Haare färben lassen, zum Termin über die Grenze fahren. „Ich kann die ja auch verstehen. Manche Leute sehen ja teilweise aus wie Werwölfe“, so die Friseurmeisterin Fuchs. „Ich wünsche mir, dass die Maßnahmen zwischen den Ländern in den Grenzregionen besser abgesprochen werden“, fordert Friseurin Lengwin. So, wie es jetzt sei, sei es nicht in Ordnung. „Gerade für Grenzgebiete sollte es besondere Regelungen geben.“ Zusätzlich zur unsicheren Lage belastet Doris Fuchs die langsame Auszahlung von Corona-Hilfen. „Wir brauchen Liquidität. Die Mittel fließen nicht. Es sollte so sein, wie es versprochen wurde: schnell und unbürokratisch.“

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Etwa 30 Prozent der Friseure müssen durch die Lockdowns aufgeben, befürchtet Guido Wirtz, Vorsitzender Landesinnungsmeister beim Landesverband Friseure und Kosmetik Rheinland, laut der Deutschen Presseagentur. Der Branche gehe es „beschissen“.

Der Einzelhandel ist weniger von Shoppingtourismus betroffen

Und im Einzelhandel? Ein Anruf beim Einkaufszentrum Cloche D‘Or im Großherzogtum Luxemburg, das von Trier etwa 40 Minuten entfernt ist. Denn dort sind die Läden geöffnet. „Kurz vor Weihnachten hatten wir sehr viele Kunden aus Deutschland“, sagt eine Mitarbeiterin des Einkaufszentrums gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Weihnachtseinkäufe wurden nach dem Lockdown in Deutschland wohl im Nachbarland erledigt. „Aber jetzt im Januar haben wir nicht mehr Kunden aus Deutschland als gewöhnlich.“ Auch der Handelsverband Nordrhein-Westfalen beobachtet keine größeren Shoppingreisen ins luxemburgische Ausland, heißt es auf Nachfrage.

Ebenso verhält es sich im Saarland, das ebenfalls eine Grenze mit Luxemburg teilt. „Die Menschen haben gerade grundsätzlich keine große Lust auf Shopping. Wenn, dann fahren sie nach Luxemburg oder Frankreich, um Güter des täglichen Bedarfs zu kaufen“, sagt Michael Genth, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe, der ebenfalls Teil des Präsidiums im Handelsverband Saarland ist. Das grenzübergreifende Einkaufen gehöre grundsätzlich zur Region – das habe lange Tradition und gehöre zum Gefühl der Zusammengehörigkeit. Sollte der Lockdown allerdings noch andauern, wachse der Bedarf nach neuen Dingen. „Es wäre schön, wenn die Menschen, die Dinge, die sie brauchen, dann in unseren Geschäften kaufen können.“

Einzelhändler und Saloninhaber hoffen alle auf eine schnelle Öffnung und ein Ende des harten Lockdowns. Dinge, die Hoffnungen machen, gibt es für Doris Fuchs zur Zeit keine. Und trotzdem plant sie schon einmal vor: für die Zeit nach dem 14. Februar. „Zum dritten Mal“, sagt sie resigniert.

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