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Grünes Image gefährdet: Ureinwohner wollen Neuseelands Flüsse retten

  • Neuseeland macht mit seinem „grünen“ Image Werbung - in Hollywood-Klassikern wie „Herr der Ringe“ wechselt ein gigantisches Naturschauspiel das nächste ab.
  • Dabei gehören die Flüsse des Inselstaates zu den schmutzigsten der Wel
  • Eine Initiative der neuseeländischen Ureinwohner will dies nun ändern.
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„Warnung: Hier ist es nicht sicher zu schwimmen“ – so steht es auf einem Schild am Ufer des Flusses. Auch Fische aus dem Gewässer zu verzehren, sei Hobbyanglern nicht angeraten. Die Warntafel, um die es hier geht, steht in Neuseeland und damit in einem Land, das sich nach außen eigentlich ein Saubermann-Image verschafft hat. Zu 100 Prozent „reines“ Neuseeland lautet eine große Werbekampagne des Landes. Auch in den Fotos, die Influencer auf Instagram hochladen, steht stets die vermeintlich so unberührte Natur im Vordergrund.

Doch das Image, das Neuseeland nach außen präsentiert, sieht vor Ort zum Teil völlig anders aus. Denn je mehr Neuseeland Schafe gegen Rinder austauscht – die chinesische Nachfrage nach Milchprodukten ist groß – umso mehr kämpft der Inselstaat mit Umweltproblemen. Eine Kuh scheidet täglich bis zu 50 Kilo Urin und Kot aus. Große Mengen davon versickern im Boden und gelangen so ins Grundwasser. Die Folge ist eine hohe Nitrat-Belastung im Wasser – Trinkwasser muss stark behandelt werden und an vielen Seen ist Baden inzwischen verboten.

Lukrative Exporte versus unberührte Wildnis

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Im vergangenen Jahr gestand ein Regierungsbericht ein, dass fast 60 Prozent aller neuseeländischen Flüsse einen Verschmutzungsgrad aufweisen, der über dem akzeptablen Niveau liegt. 95 bis 99 Prozent der Flüsse in städtischen Regionen und Agrargebieten sind demnach kontaminiert. Die sozialdemokratische Regierung des Landes unter Regierungschefin Jacinda Ardern hat es sich zwar auf die Fahnen geschrieben, die Umweltverschmutzung der Gewässer zu bekämpfen, doch die Milchindustrie gehört zu den mächtigsten und wichtigsten Industrien des Landes.

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In den zwölf Monaten bis März 2020 exportierte Neuseeland Milchprodukte im Wert von 19,7 Milliarden Neuseeländischen Dollar oder umgerechnet rund 11,6 Milliarden Euro. Innerhalb von nur 30 Jahren stiegen die Milchexporte damit von etwas mehr als zwei Milliarden Dollar pro Jahr auf fast 20 Milliarden an. Fonterra, das größte Unternehmen des Landes, ist für fast ein Drittel der weltweiten Milchexporte verantwortlich.

Die Māori kämpfen um Wasserhoheit

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Ein Beispiel für den Verfall der Gewässer ist der Ellesmere See auf der Südinsel Neuseelands. Der Selwyn, der in den See mündet, ist einer der schmutzigsten Flüsse des Landes. Hier breiten sich in regelmäßigen Abständen Algenblüten aus, eines der sichtbarsten Anzeichen für eine übermäßige Nährstoffbelastung wie eben durch Nitrate. Einst sei der See die Heimat von Aalen, Flundern und Meeräschen gewesen, heißt es auf der neuseeländischen Webseite Swimguide, die die Infos zu dem See mit einem roten Warnzeichen versehen hat. Das umliegende Ackerland habe die Wasserqualität inzwischen aber „stark beeinträchtigt“.

Die Situation am Lake Ellesmere und im Selwyn ist kein Einzelfall mehr. Um etwas zu verändern, ist Ngāi Tahu, der bedeutendste Māori-Stamm auf der Südinsel Neuseelands, nun vor Gericht gegangen. Die Ureinwohner wollen die Hoheit über die Wasserwege auf der Südinsel erhalten, um sie so zu schützen. Sein Volk habe keine andere Wahl mehr, als rechtliche Schritte einzuleiten, meinte Te Maire Tau, Co-Vorsitzender der Süßwasser-Governance-Gruppe von Ngāi Tahu, im Interview mit dem neuseeländischen Radiosender RNZ.

Die Wirtschaft steht an erster Stelle

Die Leute müssten verstehen, dass sein Stamm von den Aalen und den anderen Fischen in den Gewässern leben würde, sagte Tau. Doch inzwischen könne man nicht mal mehr die Wasserkresse verwenden. Das Wasser sei faulig und stinke. „Wenn wir das jetzt nicht lösen, wird es Generationen geben, die nicht einmal mehr wissen, wie es ist, in den Gewässern von Canterbury auf der Südinsel zu schwimmen oder Nahrung zu sammeln“, sagte der Ureinwohner.

Die Klage, die Ende des vergangenen Jahres beim Obersten Gerichtshof in Christchurch eingereicht wurde, erhält auch Unterstützung vonseiten der Wissenschaft. So sagte der Süßwasserökologe Mike Joy, die Aktion sei ein Schritt in die richtige Richtung, nachdem die Regionalregierungen an der Problematik gescheitert seien. Das Modell, dass „dieselbe Verwaltung die Umwelt schützt und sich um die Wirtschaft kümmert“, sei „fehlerhaft“, nachdem es sich immer wieder zeige, „dass die Wirtschaft an erster Stelle“ stehe.

Ein Fluss wird zum Bürger erklärt

Obwohl der Rechtsstreit bisher nicht entschieden ist, zeigt ein anderer Fall, dass die Meinung und die Wünsche der Ureinwohner in Neuseeland großes Gewicht tragen. So erklärte das neuseeländische Parlament 2017 einen Fluss auf der Nordinsel auf Wunsch der Māori zum Bürger. Diese befanden sich seit 1873 mit der Regierung in einem Rechtsstreit um den Fluss, der auf diese Weise nun besonderen Schutz erfährt.

Hintergrund des zunächst ungewöhnlich anmutenden Schrittes ist die Kultur der Māori und die Bedeutung, die der Whanganui River für die neuseeländischen Ureinwohner spielt. Denn nach dem Glauben der Ureinwohner sind Menschen auf einer Stufe mit der Natur – seien es Wälder, Flüsse, Berge, Seen oder das Meer. Die Erde – Papatūānuku – ist die große Mutter, die all dies, inklusive Menschen und Tiere, geboren hat.

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