Gräber von getöteten Polizisten geschändet: “Tiefe Scham”

  • Erst vor ein paar Wochen wurden zwei Straßenabschnitte in Berlin nach Polizisten benannt, die bei der Verfolgung von Kriminellen starben.
  • Jetzt ist die Bestürzung groß:
  • Unbekannte haben sich zum wiederholten Male an ihren Gräbern vergriffen.
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Berlin. Die letzte Ruhestätte von zwei Berliner Polizisten, die im Dienst getötet wurden, ist erneut geschändet worden. Die Grabsteine von Uwe Lieschied und Roland Krüger auf dem Friedhof am Buckower Damm in Berlin-Britz wurden laut Polizei in der Nacht zum Donnerstag beschmiert, ein Grabstein wurde umgestoßen. Auch Pflanzen seien herausgerissen worden. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Innensenator Andreas Geisel (SPD) zeigte sich beschämt und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Bereits vor einem Jahr waren Anfang April 2019 die Gräber der beiden Polizisten verwüstet und die Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert worden. 2016 war eine Gedenktafel für Uwe Lieschied am Tatort durch einen Brandanschlag beschädigt worden.

“An Niedertracht kaum zu überbieten”

Der Kommissar Roland Krüger starb 2003, als er mit anderen Kollegen seines Spezialeinsatzkommandos (SEK) eine Wohnung stürmte. Ein gesuchter Täter schoss ihm in den Kopf. Uwe Lieschied wurde im März 2006 erschossen, als er Taschenräuber an der Hasenheide verfolgte. Mehrere tausend Polizisten erinnerten danach mit einem Schweigemarsch an ihren Kollegen.

Innensenator Geisel erklärte, er "empfinde tiefe Scham". Geisel: "Gräber zu schänden ist an Niedertracht kaum zu überbieten." Der SPD-Politiker bekräftigte, die Polizisten seien ein Teil von Berlin. "Und sie werden es immer bleiben."

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Täter sollen zur Rechenschaft gezogen werden

Auch CDU-Landeschef Kai Wegner verurteilte das Geschehene. Die "widerwärtige Tat" sei ein Angriff auf alle Polizistinnen und Polizisten in Berlin, so Wegner. Er forderte den Senat auf, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. "In Berlin ist kein Platz für Menschenverachtung und kein Platz für Extremismus - weder von links noch von rechts."

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In der Mitteilung der CDU hieß es weiter, ob es einen Zusammenhang mit "der Wut der linken Szene" über die Absage einer geplanten Versammlung in Neukölln gebe, die sich gegen die mittlerweile verschobene Räumung der Neuköllner Kiezkneipe "Syndikat" richten sollte, sei derzeit noch offen. Laut CDU war die Ablehnung durch die Versammlungsbehörde am 8. April zugestellt worden.

Zwei Straßenabschnitte nach Polizisten benannt

Für die Gewerkschaft der Polizei sagte Berlins Landeschef Norbert Cioma, die beiden Polizisten hätten ihr Leben in den Dienst der Stadt gestellt und diesen Einsatz mit ihrem Leben bezahlt. "Wer ihre Gräber schändet, handelt nicht nur respektlos und beschmutzt ihr Andenken, er greift alle Polizistinnen und Polizisten dieser Stadt an."

Der innenpolitischer Sprecher der oppositionellen FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Marcel Luthe, erklärte, die Tat offenbare Menschenverachtung und blinden Hass der Täter auf den Rechtsstaat. Der Senat müsse den Kampf gegen jeden Extremismus gleichermaßen aufnehmen.

Erst Ende Februar waren zwei Straßenabschnitte in Neukölln nach den beiden Beamten benannt worden. Zu der Zeremonie war neben dem Innensenator auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik gekommen. Die Umbenennungen sollten die Solidarität mit denen zeigen, die die Menschen beschützten, hieß es damals.

RND/dpa

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