New Jersey: Sechs Tote nach Feuergefecht in koscherem Geschäft

  • In New Jersey haben zwei Männer vier Menschen getötet, später wurden sie von der Polizei erschossen.
  • Die Männer eröffneten auf offener Straße plötzlich das Feuer und verbarrikadierten sich anschließend in einem jüdischen Supermarkt.
  • Nach Polizeiangaben soll es sich um Drogendealer handeln.
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Jersey City. Das Viertel Greenville von Jersey City, der Stadt direkt gegenüber von Manhattan, ist ein ruhiges, multiethisches Wohnquartier. Viele ultraorthodoxe chassidische Juden der Satmar-Bewegung, einer weltabgewandten, aus Ungarn stammenden radikalen Sekte, die auch Israel ablehnt, wohnen dort, weil New Yorks Bezirk Brooklyn zu teuer geworden ist. Es ist eine Gegend, in der Waffen und Gewalt ziemlich unbekannt sind.

Doch unvermittelt gleicht die Nachbarschaft aus religiösen Einrichtungen und kleinen Läden einer Kriegszone. Kurz nach Mittag (Ortszeit), so schildern es Augenzeugen, hielt ein Lieferwagen, zwei Männer stiegen aus und begannen um sich zu schießen. Sechs Menschen sind ums Leben gekommen. Unter den Toten waren ein Polizist, drei Zivilisten und die beiden mutmaßlichen Täter, wie US-Behörden am Dienstag (Ortszeit) mitteilten.

Nach Angaben von Steven Fulop, die er am späten Abend (Ortszeit) auf Twitter machte, suchten sich die Täter das jüdische Geschäft gezielt aus. Sie hätten die JC Grocery "ins Visier genommen", als sie sich im "Nahkampf" mit der Polizei befanden. “Nach unseren ersten Ermittlungen (die noch andauern) gehen wir jetzt davon aus, dass die Schützen den Laden anvisiert hatten, den sie schließlich angriffen", schrieb der Bürgermeister auf Twitter.

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Drei Menschen wurden in dem Geschäft erschossen

In der JC Grocery, dem koscheren Lebensmittelgeschäft, wurden drei Menschen erschossen – "alle unter 40", wie ein anonymer Augenzeuge der jüdischen Zeitung "The Forward" schilderte. "Es sind Leute aus unserer Gemeinschaft", sagt Aaron, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte und als freiwilliger Helfer bei dem jüdischen Rettungsdienst Hatzolah arbeitet. "Ich habe mehr als 300 Schüsse gehört, es war wirklich die Hölle."

Die beiden Männer waren mit Gewehren bewaffnet und schossen anscheinend wahllos auf Passanten und Polizisten. Lokalen Medienberichten zufolge verbarrikadierten sich die Angreifer anschließend in dem koscheren Supermarkt. Das Feuergefecht dauerte demnach länger als drei Stunden. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass die Lokalität zufällig gewählt war. Wie unterschiedliche Videos in den sozialen Medien zeigen, kam es zu chaotischen Szenen in Jersey City.

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Die Polizei rückte mit gepanzerten Fahrzeugen und Spezialeinheiten an. Die Einsatzkräfte schickten einen Roboter in die JC Grocery, in der sich die Schützen aufhielten. Wie "CNN" berichtet wurden die beiden Angreifer erschossen. Ein Zeuge meinte gegenüber der "New York Times": "Das war die größte Schießerei, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Und ich war im Vietnam."

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Kein Terror, sondern Drogenkriminalität

Der Vorfall in der Stadt Jersey City im US-Bundesstaat New Jersey habe auf einem Friedhof begonnen, auf dem zwei Beamte in Zusammenhang mit einem Mordfall ermittelten. Ein Verdächtiger habe das Feuer eröffnet und dabei einen Polizisten getötet, den anderen verwundet und sei dann geflohen.

Das Feuergefecht zwischen den vermutlichen Drogendealern und der Polizei fand zwischen mehreren aneinander grenzenden Gebäuden statt, die eine Art soziales Zentrum der kleinen chassidischen Gemeinschaft in der Stadt bilden, die direkt gegenüber von Manhattan an der anderen Uferseite des Hudson River liegt. Ein lokaler Fernsehsender der ABC-Mediengruppe meldete, die wüste Schießerei sei ein Gefecht zwischen Undercover-Ermittlern und den Tätern gewesen, die zudem als Verdächtige in einem Drogendeal gelten. Das sei zumindest die "Arbeitshypothese" der Polizei. Bürgermeister Steven Fulop sagte in einer improvisierten Pressekonferenz, dass es keinerlei Hinweise auf irgendwelche terroristischen Zusammenhänge gebe.

Greenville steht unter Schock

Greenville nützt das wenig. Das Viertel, in dem rund 70 chassidische Familien leben, deren Muttersprache Jiddisch ist, die Stadt Jersey City und die ganze Metropolregion New York stehen unter Schock. 100 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren saßen in einer angrenzenden Religionsschule stundenlang fest, bevor das Gebäude gegen 16.30 Uhr (Ortszeit) evakuiert wurde, wie der Zeuge Chesky Deutsch der "New York Times" sagte. Aus einem Klassenzimmer wurden diese Aufnahmen gemacht. Der jiddische Text des Tweets sagt: "Habe eine Schießerei gesehen vom Khadr-Gebäude in Jersey City aus."

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Um die Kinder werde sich gekümmert. Das Weiße Haus hatte zuvor mitgeteilt, US-Präsident Donald Trump sei über die Situation unterrichtet worden. Trump drückte bei Twitter allen Opfern dieser "schrecklichen Schießerei" sein Beileid aus und sicherte den Einsatzkräften vollste Unterstützung zu. Ein Großaufgebot der Polizei riegelte die Straßen ab und brachte Menschen in Sicherheit. Am Ort wurden auch Einheiten des FBI und Spezialeinheiten gesehen.

Auch New Jerseys Gouverneur Phil Murphy sprach den Opfern sein Beileid aus. Die Ermittlungen am Tatort dauerten zunächst an.

RND/dpa/AP/ka/dk