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„Glühwein to go“-Verbot: Weininstitut befürchtet Umsatzeinbruch von bis zu 80 Prozent

  • In Millionenstädten wie Hamburg und Köln gelten neuerdings Ausschankverbote für Glühwein – zu groß ist die Angst vor möglichen Menschenansammlungen in Corona-Zeiten.
  • Das Deutsche Weininstitut spricht von harten Einschnitten für Erzeuger sowie Gastronomen.
  • „‚Glühwein to go‘ ist für viele Gastronomen die einzige Möglichkeit, saisonal ein wenig Umsatz zu generieren“, so Sprecher Frank Schulz.
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Hannover. Glühwein in der Öffentlichkeit ist in immer mehr deutschen Städten tabu. Nach Leipzig und Lüneburg zogen jetzt auch Hamburg und Köln nach. In der Hansestadt trat ein stadtweites Verkaufsverbot für offene Alkoholika in Kraft, in der Domstadt ist der Glühweinverkauf nun unter der Woche ab 16 Uhr im ganzen Stadtgebiet nicht mehr zulässig, freitags, samstags und sonntags greift die Regelung bereits ab 15 Uhr. Für Gastronomen und Hersteller hat das drastische Folgen, wie das Deutsche Weininstitut betont.

„‚Glühwein to go‘ ist für viele Gastronomen die einzige Möglichkeit, saisonal ein wenig Umsatz zu generieren“, sagte Frank Schulz, der Kommunikationsdirektor der Organisation, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auch für Produzenten würden die politischen Entscheidungen herbe Einschnitte bedeuten, teilweise könnten diese mehr als 80 Prozent der in den Vorjahren vermarkteten Glühweinmenge nicht an den Händler weitergeben.

Deutsches Weininstitut ohne Angst vor Menschenaufläufen

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Aber auch innerhalb der Glühweinhersteller gebe es große Unterschiede. Diejenigen Erzeuger, die Verträge mit Supermärkten und Discountern hätten, wären am wenigsten von Einschnitten betroffen, weil dort weiterhin ganz regulär verkauft werde. Denkbar sei sogar, dass die ohnehin gute Nachfrage im Einzelhandel durch ein Ausschankverbot steige. Probleme bekommen hingegen die Hersteller, die an einzelne Schausteller, Veranstalter oder Gastronomen verkaufen und jetzt auf dem Glühwein sitzen blieben, so Schulz.

Die Angst, dass es zu möglichen Menschenansammlungen vor Glühweinständen und Läden kommt und diese somit zu Corona-Hotspots werden, kann er nur teilweise nachvollziehen. Grundsätzliche Bedenken seien immer dann begründet, wenn sich die Menschen nicht an aktuelle Hygiene- und Abstandsregeln hielten. „Wir erleben jedoch, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger sich diesbezüglich sehr verantwortungsbewusst verhält”, sagte Schulz. Er hätte jedoch Verständnis dafür, dass politische Verantwortungsträger sich zurzeit wegen hoher Zahlen von Corona-Neuinfektionen in einer äußerst schwierigen Situation befänden.

Momente von sozialem Miteinander seien wichtig

Generell sieht Schulz ohne Glühwein in der Adventzeit in diesem Jahr eine lange Tradition wegfallen. Der Genuss des winterlichen Heißgetränks habe eine nicht zu unterschätzende gesellschaftliche Funktion. Man treffe Freunde und lasse das Jahr Revue passieren, während man an der heißen Tasse nippt. Es handele es sich dabei um Momente des Gedankenaustauschs und des sozialen Miteinanders, manchmal auch der eigenen inneren Einkehr.

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„Der Mensch ist generell ein soziales und reflektiertes Wesen. Daher sind solche Momente und natürlich auch die Anlässe dafür, soziologisch betrachtet, äußerst wichtig“, sagt Schulz. Die Nachfrage der Bürger nach Glühwein sei in den letzten Jahren sogar noch gestiegen.

„Das kostet zum Schluss Neuinfizierte und Tote“

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Der Glühweinausschank, den viele Restaurants und Bars anboten, hatte zuletzt massive Kritik hervorgerufen. Gesundheitsexperten wie SPD-Politiker Karl Lauterbach warnten, dass Glühweinstände die Kontaktbeschränkungen unterlaufen würden. „Das kostet zum Schluss Neuinfizierte und Tote“, schrieb der 57-Jährige auf Twitter. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnte zu mehr Solidarität.

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen sahen sich auch Landesregierungen gezwungen, für ihr gesamtes Bundesland strengere Schutzmaßnahmen zu verhängen. Baden-Württemberg will den Alkoholausschank unter freiem Himmel insbesondere aufgrund des hohen Andrangs an Glühweinständen im Land verbieten und ein flächendeckendes Alkoholverbot in die nächste Corona-Verordnung aufnehmen. Die Kommunen sollten das schon zum dritten Advent umsetzen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ist der Ausschank von Alkohol in der Öffentlichkeit künftig untersagt, um Menschenansammlungen vor Läden oder an Glühweinständen zu verhindern.

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Die nordrheinwestfälische Landeshauptstadt Düsseldorf will dagegen nach Angaben der Verwaltung zunächst nicht gegen sogenannte “Glühwein-Wanderungen” vorgehen. Die entsprechenden Angebote seien vom Ordnungsamt überprüft worden - und es habe keine Verstöße gegeben. Die Bedingungen der Corona-Schutzverordnung - zum Beispiel 50 Meter Abstand zum Ausschank - seien eingehalten worden, so ein Sprecher der Stadt.

mit dpa


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