Glanz oder gar nicht: Gold und Schwarz fürs Bad

Lange gab es nichts Protzigeres als goldene Wasserhähne. Doch die Zeiten ändern sich: Goldfarbene Armaturen sind im Badezimmer neuerdings der letzte Schrei – und eine echte Revolution. Dabei ist längst nicht alles Gold, was glänzt.

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Berlin. Goldene Wasserhähne im Badezimmer? Es gab eine Zeit, da sagte das bereits alles und war allemal einen Aufschrei wert: Zwei goldglänzende Drehknäufe und ein ebenso funkelnder Hahn standen für Geld, für sehr viel Geld.

Wer sich unter goldenen Wasserhähnen die Hände wusch oder in die Wanne stieg, war bei den oberen Zehntausend zu Gast – oder zählte gar selbst dazu. Um seinen Reichtum zur Schau zu stellen, gab es lange nichts Einfacheres und Besseres als ein Bad mit Goldarmaturen. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Heute gibt es goldene Wasserhähne für jedermann, genauer gesagt: Immer mehr Badausrüster bieten güldene Hähne an, die auch zum Geldbeutel von Durchschnittsverdienern passen. Mit einer wichtigen Einschränkung: Nichts ist hier aus purem Gold.

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Goldene Armaturen sind ein toller Kontrast zur weißen Keramik. Hier ein Beispiel von Vitra von der Sanitärmesse ISH in Frankfurt im März.

Die schicken, neuen Wasserhähne sehen nur nach Gold aus, ein Fall für den Banktresor sind sie mitnichten. Dennoch stehen die goldfarbenen Armaturen für einen neuen Trend – und von denen gibt es in der Bäderwelt nicht gerade viele.

Während sich bei den Fliesenfarben oder den Toilettenschüsseln immer mal etwas ändert, gab es in Sachen Armaturen lange kein Vertun: Silberfarben mussten sie sein. Wahlweise glänzend oder matt. Etwas anderes kam den Deutschen nicht ins Bad.

Dass es plötzlich Armaturen in anderen Farben gibt – und dann auch noch in Gold –, ist vielleicht die größte Veränderung in Badezimmern seit langer Zeit. Wenn im Bad etwas verändert wurde, beschränkte sich das zuletzt immer auf die Form sowie die Technologie in den Hähnen, Duschköpfen und Schläuchen. Schließlich werden Badezimmer nicht allzu oft erneuert.

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Kleiner Drehknauf, große Wirkung

Nach Branchenangaben sind die meisten nicht renovierten Bäder im Schnitt zwanzig Jahre alt. Ist die Farbrevolte in deutschen Badezimmern also längst überfällig? Offenbar. Immerhin lassen sich Armaturen leichter, schneller und kostengünstiger austauschen als ganze Sanitäranlagen oder Wände voller Fliesen.

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Außerdem gilt bei den Wasserhähnen das Prinzip: kleiner Drehknauf, große Wirkung. Schon kleine Änderungen an den Armaturen können bestimmen, ob das Bad verspielt oder elegant-puristisch wirkt.

Dabei steht nicht nur Gold eine große Zukunft in der Bäderlandschaft bevor. Kaum haben sie sich einmal von den silberfarbenen, verchromten Wasserhähnen und Duschköpfen verabschiedet, werden für die Hersteller plötzlich auch andere Farben interessant.

Waschbecken werden nun auch in kräftigen Farben angeboten, dazu passen die neuen schwarzen Armaturen - hier ein Beispiel von Villeroy & Boch, designt von Gesa Hansen.

Neben weiteren Metallfarben wie Roségold, Bronze und Metallgrau stehen beispielsweise Weiß und Tiefschwarz bei manchen Produzenten hoch im Kurs. Andere wiederum tasten sich an erste rote, grüne und blaue Armaturen heran – als Akzente für ein bunteres Badezimmer. Alle haben dabei das gemeinsame Ziel: Sie wollen die Farbpalette der Produkte erweitern und etwas Neues schaffen.

Farbig bleibt es dabei nicht nur bei den Armaturen: Wie man kürzlich bei der Weltleitmesse für Sanitäranlagen, der ISH in Frankfurt, erkennen konnte, darf man sich als Badbesitzer demnächst auch auf eine Vielzahl farbiger Keramiken freuen. Das ewige Weiß der Waschtische, Badewannen und sogar WCs wird zunehmend ersetzt – etwa durch graue und schwarze Wannen, Becken und Schüsseln.

Aber auch erste Farbtupfer zwischen den Nichtfarben Schwarz, Weiß und Grau gab es auf der Messe zu sehen. Allen voran bei Villeroy & Boch mit dem Badkonzept „His & Hers“ von Gesa Hansen: Sie verwendet starke Grün- und dunkle Rottöne. Die Armaturen dazu sind golden oder schwarz.

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Alle Details müssen stimmen

Grundsätzlich werden Einrichtungen heute anders gedacht als noch vor ein paar Jahren: Alle Details müssen stimmen und eine optische Einheit ergeben, das gilt insbesondere fürs Bad. Laut Frank Richter, Geschäftsführer des Unternehmens Duravit, wünscht der Kunde, dass heutzutage nicht nur die Armaturen eine neue Farbe erhalten.

Auch der Stöpsel im Waschbecken sowie der Stiel zum Herausziehen des Stöpsels hinten am Wasserhahn sollten entsprechend gefärbt sein. Bestenfalls sind der Siphon und die Profile am Spiegel farblich darauf abgestimmt. Alle Details zusammen erzielen erst eine Wirkung von Wohnlichkeit, erklärt der Fachmann.

Goldene Wasserhähne, da sind sich die Experten einig, kauft man nicht nur einfach so – dahinter steht meistens ein tieferer Sinn. Für Trendforscher Frank A. Reinhardt etwa gehören goldfarbene Elemente im Bad im weitesten Sinne zu einer braunen Farbwelt, die durchaus beliebt ist.

Wasserhahn, Siphon und sogar Metallelemente an den Accessoires sollten farblich aufeinander abgestimmt sein.

Soll heißen: Wer auf Holzmöbel und braune Accessoires setzt, findet mit goldenen Armaturen eine gute Ergänzung. Alternativ bilden die Goldelemente zu schwarzen, grauen und weißen Keramiken kontrastreiche Akzente.

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Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft, wiederum zieht gern einen Vergleich mit der Mode: „Accessoires in Gold wirken besonders wertvoll oder auffällig. Und genauso ist es im Bad: Ich kann damit einen Hingucker schaffen.“ Sein Tipp: Weniger opulent wirken mattgoldene Wasserhähne. „Es muss ja nicht immer hochglänzend sein.“

Wem das trotzdem zu viel Gold an den Wasserhähnen ist, muss dennoch nicht ewig bei Silber bleiben: Schließlich bietet sich mit schwarzen Armaturen eine echte Alternative, dem Bad einen edleren Anstrich zu geben. In diesem Sinne: Wasser marsch!

Von Simone A. Mayer

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