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Gil Ofarim und das Westin Hotel: Das wissen wir über den Fall

  • Vor zwei Wochen ging der Musiker Gil Ofarim mit einer Aussage an die Öffentlichkeit, die für eine Empörungswelle sorgte: Er sei in der Hotellobby des Leipziger Westin Hotels antisemitisch angefeindet worden.
  • Auf Überwachungsvideos ist dann aber nicht der Auslöser für den Vorfall zu sehen: die Kette mit dem Sternsymbol.
  • Das ist über den Fall bekannt.
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Was genau ist bei dem Besuch von Gil Ofarim im Leipziger Westin Hotel vorgefallen? Darüber wird seit Tagen heftig diskutiert. Nachdem der Sänger auf Instagram ein Video hochgeladen und behauptet hatte, aufgrund seiner Davidstern-Kette in der Lobby antisemitisch angefeindet worden zu sein. Doch mittlerweile gibt es viele Ungereimtheiten in dem Fall. Wir haben zusammengestellt, was über den Fall bekannt ist – und was unklar bleibt.

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„Er wirkt absolut gefestigt“: Reporter gibt Einblick in Gespräch mit Gil Ofarim
5:28 min
Der Fall Gil Ofarim ist komplex. Der Sänger bleibt aber bei den von ihm erhobenen Antisemitismus-Vorwürfen. Eine Einordnung von Leipzig-Reporter Matthias Puppe.  © RND

Das sagt Gil Ofarim

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Am Dienstag, 5. Oktober, hat sich Gil Ofarim in einem Instagram-Posts an Fans und Follower gewandt und über einen Vorfall von Antisemitismus im Leipziger Hotel am Vortag berichtet. Nach eigener Aussage stand der Musiker am Montag in der Schlange zum Einchecken im Hotel. Nach und nach seien andere Kundinnen und Kunden vorgezogen worden. Als er sich erkundigte, warum er warten müsse, habe ihm der Mitarbeiter erklärt, dass die Schlange entzerrt werden müsse. Aus der Schlange heraus sei gerufen worden: „Pack deinen Stern ein!“ Der Rezeptionist habe daraufhin ebenfalls wiederholt: „Packen Sie ihren Stern ein.“ Die Aussage habe sich auf seine Kette mit einem Stern bezogen, die er seit seiner Bar Mitzwa, ein Geschenk seines Vaters, immer trage.

Eine Woche später, am Dienstag, 12. Oktober, erstatte der 39-Jährige eine Strafanzeige gegen den Mitarbeiter des Hotels. Dass ein solcher Zeitraum zwischen dem angeblichen Vorfall und der Anzeige liegt, hatte laut des Musikers organisatorische Gründe: „Ich wollte an dem Tag einfach nur nach Hause. Polizei und Staatsanwaltschaft haben sich aber direkt nach dem Vorfall bei mir und meinem Anwalt gemeldet, anschließend haben wir einen gemeinsamen Termin in München vereinbart. Der findet nun am Dienstag statt“, sagte Ofarim damals dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Das ist auf den Überwachungskameras zu sehen

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Etwa zehn Tage nach der öffentlichen Äußerung Ofarims berichteten die „Leipziger Volkszeitung“ und „Bild“ über Material von Überwachungskameras, das den Vorfall in der Hotellobby zeigen soll. Die Kette mit dem Davidstern war auf diesen veröffentlichten Bildern nicht deutlich sichtbar. „Was genau in dem Video zu sehen ist, ist Bestandteil der laufenden Ermittlungen“, erklärte eine Polizeisprecherin der Leipziger Polizeidirektion dazu. Noch immer läuft die Auswertung der Videos.

Ofarim bekräftigte in weiteren Interviews, unter anderem auch gegenüber dem RND und der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ), dass er die Kette in der Situation getragen habe: „Ich habe meine Kette angehabt – wie immer. Ich trage sie auch in den sozialen Netzwerken oder bei Auftritten, deshalb wurde ich angefeindet. Ich war zuvor an dem Tag bei einer Fernsehproduktion, bei der ich sie getragen habe.“ Er habe die Kette die ganze Zeit um den Hals getragen.

Das sagt das Westin Hotel

Das Leipziger Westin Hotel hat nach dem Post Ofarims den beschuldigten Mitarbeiter beurlaubt und eine anwaltliche Untersuchung angekündigt. Dafür sollte Datenmaterial, Videoaufzeichnungen, Mitarbeitende sowie Hotelgäste befragt werden. Am Mittwoch, 20. Oktober, stellte das Hotel die Ergebnisse des 118-Seiten-starken Dokuments vor: Laut Presseerklärung des Hotels liegen keine „objektivierbaren Anhaltspunkte“ für die Vorwürfe vor, sodass auch keine strafrechtlichen oder arbeitsrechtlichen Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter eingeleitet werden würden. Wie der Untersuchungsbericht den Abend vom 4. Oktober genau rekonstruiert, teilt das Unternehmen aber nicht mit.

Der beurlaubte Mitarbeiter wurde wieder zurück in den Dienst geholt - wenn auch nicht aufgrund der massiven Anfeindungen im vollen Umfang. Der beschuldigte Mann hatte zuvor den 39-jährigen Sänger wegen Verleumdung angeklagt.

Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat die zugehörige Marriott-Gruppe laut eigener Aussage Ofarim kontaktiert und das Bedauern über den Vorfall ausgedrückt. Marriott International verurteile Antisemitismus und jegliche Diskriminierung. Im Gespräch mit dem RND sagt der Sänger allerdings: „Es gab eine Kontaktaufnahme durch das Hotel, aber noch kein Gespräch und auch keine offizielle Entschuldigung.“

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Das sagen Verbände

Solidarität erhielt Gil Ofarim von verschiedenen Verbänden. Der Zentralrat der Juden kritisierte beispielsweise, dass das Hotel nach Bekanntwerden des Falls Israel-Flaggen gedruckt, aber sich nicht „offiziell entschuldigt” habe. Nachdem die Aufnahmen der Videoüberwachung nicht eindeutig eine Kette mit Sternsymbol zeigten, meldete sich das Jüdische Forum für Demokratie (JFDA) zu Wort: „Zahlreiche Opfer von Antisemitismus stehen oftmals alleine: Daher gilt unser Grundsatz, den Opfern erst mal parteilich zur Seite zu stehen“, heißt es in dem Statement des JFDA. „Auch ein möglicherweise negativer Fall wie der vorliegende, wird uns nicht von unserem Kurs abbringen, immer wieder unsere Solidarität auszudrücken und Betroffenen von Antisemitismus unsere unverzügliche Unterstützung und Hilfe anzubieten.“ Eine mögliche Falschaussage einer einzelnen Person dürfe die Unterstützung der Menschen im Kampf gegen Antisemitismus nicht schmälern und keine neuen antisemitischen Ausfälle generieren.

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Antisemitismus-Vorwürfe: Videos von Gil Ofarim werden gesichtet
1:23 min
Der Sänger Gil Ofarim hatte erklärt, wegen seiner Kette mit Davidstern in einem Leipziger Hotel antisemitisch beleidigt worden zu sein.  © dpa

Wie geht es nun weiter?

Aufgrund der gestellten Anzeigen ermittelt derzeit die Polizei. Außerdem hat das Hotel eine externe Anwaltskanzlei eingeschaltet, die den Fall untersuchen soll. Ergebnisse aus den Ermittlungen sind bislang nicht bekannt.

RND/goe

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