Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Paare und Ex-Partner in Deutschland

Gewalt in Partnerschaft geht 2021 leicht zurück - Zahl insgesamt weiter hoch

Innenministerin Nancy Faeser (SPD) stellte eine Studie zu Gewalt in der Partnerschaft vor.

Innenministerin Nancy Faeser (SPD) stellte eine Studie zu Gewalt in der Partnerschaft vor.

Berlin. Die Häufigkeit der bei der Polizei gemeldeten Gewalttaten zwischen Partnern oder ehemaligen Partnern ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. So lag die Zahl der registrierten Opfer nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) im Jahr 2021 mit 143.604 um drei Prozent unter der des Vorjahres. Bei einer Pressekonferenz von BKA-Präsident Holger Münch mit Bundesfrauenministerin Lisa Paus (Grüne) und Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Donnerstag in Berlin machten alle drei jedoch deutlich, dass dies kein Grund zur Beruhigung sei. Von 2017 bis 2021 sei die Opferzahl nämlich um 3,4 Prozent gestiegen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Paus zufolge wurden 2021 im Schnitt 13 Frauen pro Stunde Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Tatsächlich sind etwa 80 Prozent der Opfer Frauen und ein etwa gleich großer Anteil der Täter Männer. Dabei kamen 121 Menschen ums Leben. 23 Prozent der Verdächtigen standen unter Alkoholeinfluss und 65,6 Prozent waren deutsche Staatsbürger. Tatbegünstigend wirkten eigene Gewalterfahrungen, patriarchalisches Denken und akute persönliche Krisen. Sehr häufig kommt es zu Gewalt, wenn Frauen sich trennen wollen oder bereits getrennt haben.

Das Dunkelfeld ist riesig

Im Übrigen ist mit einem erheblichen Dunkelfeld zu rechnen. Paus zufolge gehen schätzungsweise zwei Drittel der Opfer trotz schwerster Gewalt nicht zur Polizei. Jede vierte Frau erfahre einmal in ihrem Leben psychische oder physische Schläge. Paus und Faeser plädierten denn auch energisch dafür, nicht von Beziehungstaten zu sprechen, wie es im Alltag oft verharmlosend geschieht, sondern von „Femiziden“. Ferner sollten die Gegenmaßnahmen verstärkt werden, hieß es.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Münch sagte: „Wir brauchen eine belastbare Datenlage.“ Das Dunkelfeld soll mit einer umfangreichen Studie ausgeleuchtet werden; mit ersten Ergebnissen ist 2025 zu rechnen. Er sagte weiter: „Wir müssen die Prävention und die Opferberatung stärken; das ist der entscheidende Hebel.“ Die Polizei sei mittlerweile entsprechend sensibilisiert. Und schließlich müsse klar sein: „Partnerschaftsgewalt geht uns alle an; wir dürfen hier nicht wegschauen.“

„Sie sind nicht allein.“

Faeser appellierte in dem Zusammenhang an die Frauen, sich Gewalt nicht gefallen zu lassen. „Die Anzeigebereitschaft ist gering“, sagte sie auch aufgrund persönlicher Einblicke in die Polizeiarbeit. „Deshalb möchte ich allen Frauen sagen: Sie sind nicht allein.“ Die Ministerin fuhr an die Betroffenen gerichtet fort: „Wenn Sie Gewalt erfahren haben oder noch erleben, dann bringen Sie das bitte bei der Polizei zur Anzeige.“ Täter würden jedenfalls „mit aller Härte“ verfolgt, denn ihre Taten stünden allen in Deutschland geltenden Grundwerten „fundamental entgegen“.

Paus betonte, dass es zwar bundesweit rund 350 Frauenhäuser, 100 Schutzwohnungen und 600 Beratungsstellen sowie 12 Einrichtungen mit 41 Plätzen für männliche Opfer gebe. Dennoch sei das Netz noch nicht flächendeckend. Hier müsse im Sinne eines niedrigschwelligen Beratungsangebotes mehr geschehen. Denn „für viele Frauen und manche Männer“ sei „das eigene zu-Hause ein Ort der Bedrohung“. Zuständig sind in erster Linie die Länder; die Bundesregierung unterstützt sie.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Im Zuge der nun wohl langsam abklingenden Corona-Pandemie geschah bei Opfern und Beratungsstellen teilweise das Gegenteil des Gewünschten. Während der Lockdowns oder Teil-Lockdowns stieg bei wachsendem Stress in bisweilen beengten Wohnverhältnissen das Risiko für Übergriffe. Zugleich mussten Einrichtungen ihre Beratungs- und Schutzangebote reduzieren. Zumindest damit ist einstweilen nicht mehr zu rechnen.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 08000/116016 und via Online-Beratung unterstützt es Betroffene aller Nationalitäten

RND/dpa

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken