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Gesichtserkennung für Koalas: „Volkszählung“ der Tiere geplant

  • Koalas sind in vielen Regionen in Australien vom Aussterben bedroht.
  • Um die Koalaforschung voranzutreiben, soll jetzt erstmals künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen.
  • Dabei geht es um Gesichtserkennung – mit einer Art „Volkszählung“ der Koalas will man abschätzen, wie viele der Beuteltiere heute noch in Australien leben.
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Sydney. Knopfaugen, wuschelige Ohren und eine abgerundete, recht prominente schwarze Nase – Koalas haben ein markantes Äußeres. Ihre so typischen Gesichtszüge machen die Beuteltiere zu einem idealen Versuchsobjekt für die „Gesichtserkennung“: künstliche Intelligenz (KI) für Koalas also.

Ein Forscherteam der australischen Griffith-Universität arbeitet derzeit an einem auf zwei Jahre angelegten KI-Pilotprojekt. Dabei werden Kameras mit der Technologie der Gesichtserkennung „trainiert“, sodass sie Koalas erkennen können. Die „intelligenten“ Geräte stehen bei sogenannten grünen Korridoren – bei Wildbrücken oder -tunneln, die die Koalas und andere Tiere nutzen, um Straßen sicher zu überqueren. Insgesamt sind 20 Kameras im Südosten von Queensland für das Projekt im Einsatz, ausgerüstet mit Bewegungssensoren, einem drahtlosen Netzwerkmodul und einem Solarpanel.

Technologie erkennt individuelle Koalagesichter

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Mit dem Experiment wollen die Forscher herausfinden, wann und wie häufig die Beutler die Übergänge oder Tunnel nutzen, die gebaut wurden, um Autounfälle mit Wildtieren zu verringern.

„Früher wurden auch schon Kameras aufgestellt, um die Koalakorridore zu überwachen“, sagte der Leiter der Studie, Jun Zhou. „Aber jedes der aufgenommenen Videos musste manuell überprüft werden, um zu sehen, ob es sich bei den Tieren, die gefilmt wurden, auch wirklich um Koalas oder doch um andere Arten handelte.“

Laut Zhou löst jede Bewegung bei der Kamera eine Bildaufnahme aus, die im Anschluss an einen Server der Griffith-Universität übertragen wird. Dort verarbeiten Computer-Vision- und Machine-Learning-Systeme die Bilder. Koalas sollten auf diese Weise automatisch und ohne menschliches Zutun erkannt werden. Inzwischen sei die Technologie so leistungsstark, dass sie nicht nur erkenne, wenn ein Koala einen Korridor nutze, sondern sogar, welcher Koala es genau war, sagte der Forscher.

Das Team der Universität will bei seinen Forschungsarbeiten eng mit Naturschutzgruppen wie der Koala Action Group, dem Daisy Hill Koala Centre, dem Moggill Koala Rehabilitation Center und dem Currumbin Wildlife Sanctuary zusammenarbeiten. Experten dieser Organisationen sollen beim Training helfen, wie die Koalas untereinander unterschieden werden können – basierend auf dem Aussehen und den Bewegungen der jeweiligen Tiere.

Autounfälle sollen durch Übergänge und Tunnel reduziert werden

Letztendlich erhoffen sich die Forscher, Autounfälle mit Koalas weiter reduzieren zu können. Denn diese sind laut einer Pressemitteilung der Griffith-Universität nach wie vor eine der Hauptgefahren für die Beutler. So mussten zwischen 1997 und 2018 jährlich durchschnittlich 356 Koalas nach Autounfällen in Tierkliniken behandelt werden. Die Daten sollen dem Team helfen zu verstehen, wie die Koalas die Übergänge oder Tunnel nutzen. Auf diese Weise sollen Maßnahmen zum Schutz der Beutler besser auf deren Bedürfnisse angepasst werden.

Auch die australische Regierung hat inzwischen anerkannt, dass die Tiere noch mehr Schutz benötigen. Ende November hat sie deswegen ein Hilfspaket in Höhe von 18 Millionen Australischen Dollar oder umgerechnet über 11 Millionen Euro verkündet. Ein Teil dieses Geldes fließt dabei in eine Art „Volkszählung“ der Koalas, die abschätzen soll, wie viele der Beuteltiere heute noch in Australien leben.

Buschkatastrophe tötete über 60.000 Koalas

Denn in den tragischen Buschfeuern um die Jahreswende 2019/2020 starben laut eines Berichts, den der World Wide Fund for Nature Australia (WWF) in Auftrag gegeben hat, mehr als 60.000 Koalas. Die, die die Flammen selbst überlebten, verendeten in den Wochen und Monaten danach durch das Trauma, die Rauchinhalation, Hitzestress, Dehydrierung, Nahrungsmangel oder den Verlust des Lebensraumes.

Die Umweltorganisation schätzt, dass mehr als 41.000 Koalas in dem südaustralischen Naturparadies Kangaroo Island getötet wurden, während die restlichen Tiere in den östlichen Bundesstaaten ums Leben kamen – mehr als 11.000 in Victoria, fast 8000 in New South Wales und fast 900 in Queensland.

Infrastruktur und Infektionen dezimieren die Bestände zusätzlich

In diesen bevölkerungsreichen Staaten im Osten von Australien haben zudem Infrastrukturprojekte Wohnräume der Tiere zerstört. Auch Hunde und der erwähnte Straßenverkehr bedrohen die Beutler, die 18 bis 20 Stunden am Tag schlafen. Zudem dezimiert die sogenannte Chlamydia-Infektion die Baumbewohner, die durch die Krankheit erblinden und unfruchtbar werden. Seit einigen Jahren machen zudem die Folgen des Klimawandels das Leben der Koalas schwieriger. Extreme Temperaturen und langanhaltende Dürren machen den Eukalyptus, den die Koalas fressen, trockener und härter.

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