Gericht bestätigt: Kein Prozess gegen Vater von isolierter Familie

  • Neun Jahre lang hatte ein Vater seine Familie auf einem Hof in den Niederlanden von der Außenwelt abgeschottet.
  • Nun steht fest: Es wird keinen Prozess gegen den 68-Jährigen geben.
  • Nach dem Urteil vom Donnerstag wird er nun freigelassen – seine volljährigen Kinder können das nicht nachvollziehen.
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Assen. Im spektakulären Fall der isolierten Familie vom abgelegenen Hof in den Niederlanden wird der Vater strafrechtlich doch nicht verfolgt. Das entschied das Strafgericht in Assen am Donnerstag mit Hinweis auf den schlechten Gesundheitszustand des Angeklagten. Gerrit Jan van D. (68) sei nicht prozessfähig.

Neun Jahre lang hatte der Niederländer mit sechs seiner neun Kinder auf dem Hof in Ruinerwold im Nordosten des Landes gelebt - total isoliert. Gerrit Jan van D. war angeklagt für Freiheitsberaubung. Er soll seine Kinder terrorisiert und zwei auch sexuell missbraucht haben.

Van D. kommt sofort frei

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Der Beschluss des Gerichtes war nach mehreren Gutachten erwartet worden. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten die Niederschlagung beantragt. Van D. hatte bei einem Schlaganfall 2016 schwere Hirnschäden erlitten, ist halbseitig gelähmt und kann nicht sprechen. Er sollte noch am Donnerstag aus der Haft entlassen werden.

Gerrit Jan van D. hatte seine Kinder nach einer eigenen Naturreligion erzogen auf dem Hof nahe der deutschen Grenze. Die Behörden wussten nichts von der Familie und offenbar auch nicht die Nachbarn. Bis zum Oktober 2019, als ein Sohn in der Dorfkneipe von Ruinerwold um Hilfe gebeten hatte. Die Entdeckung der Familie hatte weltweit Schlagzeilen gemacht.

Erwachsene Kinder warnen vor Freilassung

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Einige Kinder - alle sind heute volljährig - hatten davor gewarnt, ihren Vater freizulassen. Die jüngeren Geschwister könnten so wieder in seinen Einfluss kommen. Die vier Ältesten hatten auch in einer Erklärung ihr Leiden durch Psychoterror und Gewalt geschildert. Sie wollten, dass das Gericht das Unrecht feststellen sollte.

Doch dem widersprachen nun die jüngeren Geschwister. Sie seien keine Opfer und bedauerten in keinster Weise ihre Erziehung. Ihr Vater sei nie „ein Messias“ gewesen, heißt es in einer Erklärung. „Für uns war und ist er immer nur Papa.“ Das Leben auf dem Hof war nach ihrer Darstellung nicht traumatisierend, sondern ein „ruhiges und befriedigendes Leben“. Aber das Jahr nach der Entdeckung durch die Polizei hätten sie als „traumatisch“ erfahren. Die fünf Jüngsten wollen ihren Vater jetzt zu sich nehmen.

Einen Prozess wird es aber sicher geben: Der Österreicher Josef B., selbst-erklärter „Jünger“ des Niederländers, muss sich wegen Beihilfe verantworten. Er hatte den Hof gemietet, die Familie ernährt. Er bestreitet die Vorwürfe. Wann der Prozess starten wird, ist unklar.

RND/dpa

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