Was wir über die Geschworenen des George-Floyd-Prozesses wissen

  • Zwölf Geschworene wurden aus mehr als 300 Kandidaten ausgewählt.
  • Sie sollen in einem der brisantesten Fälle der vergangenen Jahre zu einem Urteil kommen.
  • Doch was ist über deren Gesinnung bekannt? Wie wurde die Jury zusammengestellt? Ein Überblick.
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Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von George Floyd hat begonnen. Der Ex-Polizist Derek Chauvin sitzt seit Montag auf der Anklagebank. Die Staatsanwälte zeigten den Geschworenen ein Video, auf dem der Angeklagte Derek Chauvin dem Schwarzen mehrere Minuten lang das Knie auf den Hals drückte, während Umstehende ihm wiederholt zuriefen, dass er aufhören solle und Floyd keuchte, dass er nicht atmen könne.

Richter Peter Cahill vereidigte zum Prozessbeginn die zwölf Geschworenen und zwei Ersatzmitglieder der Jury, die letztlich über Chauvins Schuld oder Unschuld befinden werden. Die Jury setzt sich aus sechs weißen Frauen, zwei multiethnischen Frauen, einer schwarzen Frau, drei schwarzen Männern und zwei weißen Männern zusammen.

Jeder einzelne von ihnen wurde in den Wochen vor Prozessbeginn von der Staatsanwaltschaft und Chauvins Verteidigung intensiv befragt. Dieser Vorgang zog sich deshalb solange hin, weil Dutzende Kandidaten angehört werden mussten, um trotz des weithin bekannten Vorfalls möglichst faire und unvoreingenommene Geschworene zu finden. Die Identität der Juroren wird aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres geheimgehalten.

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Alle Kandidaten mussten zudem im Dezember 2020 einen 16-seitigen Fragebogen beantworten. Darin waren Fragen zu finden wie: Haben Sie das Video gesehen? Wenn ja, wie oft? Zudem wurde erfragt, ob sie an Protestmärschen nach Floyds Tod teilgenommen hatten. Wenn ja: Mit oder ohne Schild? Was stand darauf? Wie stehen Sie zu „Black Lives Matter“? Was halten Sie von Derek Chauvin? Sind Sie Fan von „Blue Lives Matter“?

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Eine Chronologie: Was passierte im Fall George Floyd?
3:01 min
Der Prozess um die Tötung von George Floyd hat begonnen. Angeklagt ist unter anderem der Ex-Polizist Derek Chauvin. Eine Chronologie der Ereignisse.  © Lea Drabent/Reuters

Doch was wissen wir eigentlich über die Jury in diesem Fall? Folgendes ist aus den öffentlichen Gesprächsprotokollen bekannt:

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Juror 1: weiß, männlich, zwischen 20 und 30 Jahre alt. Arbeitet als Chemiker und sagt von sich selbst, dass er analytisch denkt. Das Video von Georg Floyds Tod habe er nie vollständig gesehen. Er wäre zudem bereit, seine Meinung zu Themen zu ändern.

Juror 2: multiethnisch, weiblich, zwischen 20 und 30 Jahre alt. Hat einen Onkel, der Polizist in Brainerd, Minnesota, ist. Sie war „super aufgeregt“, eine Vorladung in diesem Fall zu bekommen, von dem „jeder gehört hat, über den jeder gesprochen hat und über den jeder noch lange nach dem Prozess sprechen wird.“

Juror 3: weiß, männlich, zwischen 30 und 40 Jahre. Gab zu Protokoll, das „ein Freund eines Freundes“ für die Polizei in Minnesota arbeitet. Er unterstützt die Grundidee von „Black Lives Matter“, findet jedoch nicht alle Aktionen der Gruppe gut.

Juror 4: schwarz, männlich, zwischen 30 und 40 Jahre. Kam als Migrant vor 14 Jahren in die USA. Er gab zu Protokoll, eine „negative“ Meinung über Chauvin zu haben, sich aber davon distanziert, der Polizei Finanzmittel zu entziehen.

Juror 5: weiß, weiblich, zwischen 50 und 60 Jahre. Diskutierte „weiße Privilegien“ mit einer schwarzen Arbeitskollegin. Sie sagte, dass sie sowohl für Floyd als auch für die Beamten Mitgefühl empfindet, denn „am Ende des Tages bin ich mir sicher, dass es nicht in der Absicht lag, dass dies passiert.“ Allerdings müsse ihr Sohn keine Angst haben, wenn er von der Polizei angehalten werde.

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Juror 6: schwarz, männlich, zwischen 30 und 40 Jahre. War bereits Zeuge von Polizeigewalt. Drückt Unverständnis darüber aus, warum die anwesenden Polizisten nicht eingriffen. Er kenne Polizisten aus seinem Fitnessstudio. Das seien alles „super Typen“.

Juror 7: weiß, weiblich, zwischen 50 und 60 Jahre. Hat einen „etwas negativen Eindruck“ von Chauvin. Sie habe „den Eindruck, dass er sich nicht um Floyd“ gekümmert habe.

Juror 8: schwarz, männlich, zwischen 40 und 50 Jahre. Seine Sicht auf Chauvin sei „neutral“. Bevor er ein Urteil fällt, möchte er mehr von der Verteidigung hören.

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Aktivistin über George-Floyd-Prozess: „Es wird auch hier wieder Proteste geben“
6:04 min
Der George-Floyd-Prozess ist gestartet. Siraad Wiedenroth von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) hofft auf eine faire Verhandlung.  © RND

Juror 9: multiethnisch, weiblich, zwischen 40 und 50 Jahre. Beschreibt sich selbst als „working mom and wife“. Sie beschrieb Polizisten als Menschen, die „Fehler machen können“. Sie stimmte auch zu, dass Menschen, die nicht auf die Polizei hören, selbst schuld an negativen Ergebnissen sind, und sagte: „Man respektiert die Polizei und tut, was sie verlangt.“ Von Chauvin habe sie aber ein „eher negatives“ Bild.

Juror 10: weiß, weiblich, zwischen 50 und 60 Jahre. Arbeitet als Krankenschwester. Fühlt sich durch die Polizei in ihrer Gemeinde sicher. Merkte aber an, dass Schwarze und andere Minderheiten im Strafrechtssystem nicht immer fair behandelt werden würden.

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Juror 11: schwarz, weiblich, zwischen 60 und 70 Jahre. Hat einen Verwandten bei der Polizei, dem sie aber nicht nahe steht. Sie äußerte sich positiv über die „Black Lives Matter“-Bewegung und sagte: „Ich bin schwarz. Mein Leben ist wichtig.“

Juror 12: weiß, weiblich, zwischen 40 und 50 Jahre. Sie hat „einen gesunden Respekt“ vor Polizisten und eine eher positive Meinung von „Black Lives Matter“.

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