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Genderdebatte an Uni Kassel: Wie gehen andere Hochschulen mit dem Gendern um?

  • Jüngst sorgte die Universität Kassel für Schlagzeilen, weil die Professoren dort das Gendern in die Benotung einfließen lassen dürfen.
  • Doch wie wichtig ist geschlechter­gerechte Sprache an anderen Hochschulen?
  • Während manche das Gendern empfehlen, wollen andere die Studierenden nicht dazu zwingen.
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Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich – geschlechter­gerechte Sprache gibt es in vielen Ausführungen. Gendern, wie die Sprachform im Volksmund heißt, soll alle Geschlechter­identitäten ansprechen und einschließen. An vielen Universitäten in Deutschland gehört das Gendern zum Alltag der Studierenden und Lehrenden dazu.

Doch jüngst sorgte die Universität Kassel, an der circa 25.000 Studierende eingeschrieben sind, für Schlagzeilen. Die Hochschule geht nämlich einen Schritt weiter und erlaubt Dozentinnen und Dozenten, das Gendern in die Benotung einfließen zu lassen. Das heißt: Punktabzug bei Hausarbeiten ist möglich.

Auf der Website der Hochschule steht zwar, dass es keine „einheitliche Regelung zur Verwendung von geschlechter­gerechter Sprache“ gebe. Dennoch steht es den „Lehrenden grundsätzlich frei, die Verwendung geschlechter­gerechter Sprache als ein Kriterium bei der Bewertung von Prüfungs­leistungen heranzuziehen“. Das solle aber frühzeitig kommuniziert und transparent gemacht werden, heißt es weiter.

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LMU in München verzichtet auf Gender­vorgabe

Doch wie wichtig ist das Gendern an anderen großen Hochschulen in Deutschland? Auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) erklärt die Pressesprecherin Katrin Röder der Ludwig-Maximilians-Universität München, dass Gendern immer wieder ein Thema sei. 2020 waren dort mehr als 50.000 Menschen eingeschrieben, die von Geisteswissenschaften über Informatik bis hin zu Lehramt viele verschiedene Fächer studieren.

Auf eine allgemeine Vorgabe fürs Gendern verzichtet die Universität in Bayern allerdings, weil jedes Fach „unterschiedliche Prüfungsformen, Vorstellungen und Herangehensweisen“ hat.

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Uni Köln: Genderbenotung war schon Thema

An der Universität zu Köln war das Einfließen des Genderns in die Benotung schon ein Thema, erklärt Presse­sprecher Jürgen Rees dem RND. Die Hochschule verzichtet zwar darauf, aber wünscht sich, dass die Studierenden gender­gerecht schreiben. „Wir rufen intensiv dazu auf, die gender­sensible Sprache (…) einzusetzen“, so Rees.

Konkret bedeutet dies für die 50.000 eingeschriebenen Studierenden, die Sprache so zu verwenden, dass „alle Geschlechter oder Identitäten gleichermaßen sichtbar und wertschätzend angesprochen“ werden, erklärt er.

Hingegen gibt es an der Universität Münster in Nordrhein-Westfalen keine allgemeine Empfehlung zu gender­gerechter Sprache. Die Hochschule gehört mit fast 45.000 Studierenden zu den größten des Landes. Seitens der Pressestelle heißt es, dass „von zentraler Seite bisher keine Vorgaben gemacht“ wurden. Die Prüfungsordnungen sehen nicht vor, „dass die gender­gerechte Sprache Teil der Benotung sein kann“.

Eine vergleichbare Regelung, wie es sie in Kassel gibt, lehnt die Goethe-Universität in Frankfurt ebenfalls ab. Laut des Presse­referenten Dirk Frank gibt es einen Leitfaden für geschlechter­gerechte Sprache. Dieser habe aber einen „empfehlenden Charakter, zu dessen Einhaltung (…) niemand gezwungen werden kann oder soll“.

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