Gefangen im Stau: Wie Stauberater die Autofahrer bei Laune halten

  • Auf ihren schwarz-gelben Motorrädern schlängeln sich Stauberater vom ADAC derzeit in den Sommerferien durch die niedersächsischen Staus.
  • Im Gepäck haben sie viele Dinge gegen Langeweile.
  • Stauberater sollen Autofahrern helfen und Tipps geben.
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Hannover. Motorrad, Helm, Landkarten und ein Puzzle – Roger Jahn ist bereit für seinen Einsatz an diesem Freitagabend. Für ihn bedeutet Ferienzeit Arbeitszeit. Ihn erwartet gleich der Feierabendverkehr und damit viel Stau. Als Stauberater kümmert er sich um Menschen im Stau, aber möchte vor allem verhindern, dass diese überhaupt in einen Stau reinfahren. Der 59-Jährige macht diese Tätigkeit beim ADAC seit 20 Jahren nebenberuflich und ist vor allem in den Ferienzeiten auf Niedersachsens und Bremens Autobahnen unterwegs.

Spielzeuge für Kinder

Bei einer Staulage geben laut Jahn Stauberater Autofahrern Tipps, wie diese einen Stau möglichst schnell umfahren können. Stecken Autofahrer schon im Stau fest, werden sie von Stauberatern versorgt, etwa mit Getränken. An Kinder verteilen die Helfer auf zwei Rädern, die beim ADAC beschäftigt sind, Spielzeug und versuchen diese so bei Laune zu halten. Zudem leisten sie Hilfe, wenn jemand liegen geblieben ist und rufen die Pannenhilfe.

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Unterscheiden müsse man zwischen Stauberatern und Stauhelfern, sagt der Johanniter-Unfall-Hilfe Landesverband Niedersachsen/Bremen. Stauhelfer stehen demnach mit der Polizei in Verbindung. Zudem spiele die medizinische Versorgung eine zusätzliche Rolle. Das ist bei den Stauberatern vom ADAC anders.

„Steht man erstmal im Stau, dann kommt man nicht mehr weg“, sagt Jahn. Dann beginnt seine Fahrt auf dem Motorrad. Zwischen den Autos kann sich der Stauberater problemlos durchschlängeln. An heißen Ferientagen ist er am meisten gefragt. Hier gilt es, Fahrer und Kinder durch die Fensterscheibe zu versorgen. „Besonders gut laufen gerade die bunten Kinder-Sonnenbrillen“, sagt der Stauberater.

Diese verteilt Jahn generell an die kleinen Mitfahrer in einem Stau. Nicht alle Spielzeuge sind autotauglich und können sogar das Gegenteil von dem bewirken, was Jahn erreichen will. „Puzzle oder Spielzeuge dürfen nicht zu klein sein. Fällt das im Auto runter, findet man es nicht wieder und die Kinder weinen“, ergänzt der 59-Jährige. Die Stauberater hätten in einer anderen Saison Flummis für Kinder verteilt „Die Kinder haben angefangen, damit auf der Autobahn zu spielen - mit dem Ergebnis Richtung Fahrbahn, das war nicht so gut“, sagt der Stauberater.

Autofahrer sollen Rettungsgassen bilden

Den Ferienbeginn in Niedersachsen, Bremen oder Nordrhein-Westfalen bemerkt Jahn sofort. Es seien zwar weniger Leute als vor der Corona-Pandemie unterwegs, aber zur Saison habe er viel zu tun und manchmal gebe es Situationen, die ihn verärgern. Ihn rege am meisten auf, wenn Fahrer keine Rettungsgasse bilden. „Das haben viele noch nicht verinnerlicht“, sagt er. Auch Familien, die an heißen Tagen unvorbereitet mit Kindern und Tieren in einem nicht klimatisierten Auto auf einen Stau zufahren, verstehe er nicht. Dies komme aber nicht mehr so oft vor wie noch beispielsweise vor 15 Jahren.

Roger Jahn, ADAC-Stauberater, fährt mit seinem Motorrad. Ferienzeit kann neben Erholung und Ruhe auch viel Wartezeit und Geduld erfordern. © Quelle: Sina Schuldt/dpa

Nach Angaben des niedersächsischen Verkehrsministeriums gab es im vergangenen Jahr 2417 Staus. Im Jahr 2019 staute es sich noch 3408 Mal auf den niedersächsischen Straßen. Dieser massive Rückgang lasse sich mit der ersten Lockdown-Phase im Frühjahr 2020 erklären. Baustellen und Unfälle zählen dem Ministerium zufolge zu den beiden Hauptursachen für Staus.

„Stauberater sind auf jeden Fall praktisch”

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Stauberater Jahn berichtet, dass Autofahrer generell seine Beratung dankbar annehmen würden. Familienvater Mirko Rabe ist einer von ihnen. An der Raststätte Hasbruch bei Delmenhorst spricht er mit Jahn über die Staulage bevor es zurück in die Heimat nach Bergen bei Celle geht. „Stauberater sind auf jeden Fall praktisch“, sagt Rabe.

Weil es die Stauberatung nur in der Urlaubszeit gibt, sind Stauberater in der Regel nebenberuflich oder freiberuflich tätig. Jahn bemerkt durch die Digitalisierung einen Wandel in der Stauberatung. Navigationssysteme und Apps würden den Menschen viel abnehmen, aber manchmal helfe der einfache Stadtplan auf Papier. Routen aufzuzeichnen, mache nur Sinn bei Ausweichstrecken, die das Navi nicht anzeigen soll, sagt der Stauberater. Die Leute müssten dann nach Karte fahren. Dass dies heute fast keiner mehr mache, merkt Jahn. „Manche nehmen die Karte und schauen wo oben und unten ist“, sagt er schmunzelnd.

RND/dpa

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