Ganz in blau: Möbel in den Farben des Meeres

In der Welt der Möbeldesigner sind die Ozeane bald wieder sauber: Wasser wird in der Einrichtung tonangebendes Element.

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Hannover. Die Vorstellung ist einfach furchtbar: Wenn wir Pech haben, gibt es im Jahr 2050 mehr Plastikmüll in den Ozeanen als Fische. Pech bedeutet in diesem Fall: Die Forscher der britischen Ellen MacArthur Foundation haben sich nicht geirrt.

Anfang 2016 kamen sie in einer Studie für das Weltwirtschaftsforum zu dem erschreckenden Ergebnis, dass in gut 30 Jahren mehrere riesenhafte Plastikinseln die Weltmeere bedecken und massenhaft Meerestiere wegen verschluckter Plastikteile sterben werden. Mehr als 150 Millionen Tonnen Plastik schwimmen bereits in den Ozeanen, jedes Jahr kommen acht Millionen Tonnen hinzu – das entspricht einem Müllwagen pro Minute, Tendenz deutlich steigend.

Längst haben diese Fakten Naturschützer, Politiker und Umweltorganisationen auf den Plan gerufen, und auch in der Bevölkerung ist zumindest langsam ein Umdenken zu spüren. Upcycling ist Trend, verpackungsfreies Einkaufen ein neues, hehres Ziel und Mode aus Plastikmüll keine Ausnahme mehr.

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„Bewusstsein durch Schönheit“

Neu ist allerdings, dass die Einrichtungsbranche bei dem Thema mitmischt. Das kommende Jahr steht, so prognostiziert es die renommierte Trendforscherin Gudy Herder, interieurmäßig ganz im Zeichen der Ozeane. „Reflection“ (zu Deutsch: Besinnung) nennt sie den Trend, der künftig allerhand blaue Farbe und maritime Muster in unsere vier Wände spülen wird.

Ob türkisfarbenes Sideboard, meeresblaue Küchenwand oder graublauer Teppich in Fischschuppenoptik – nichts zieht dabei einfach nur so in die Wohnung ein. Das neue blaue Mobiliar hat laut Herder eine ernst zu nehmende Aufgabe: „Es soll Bewusstsein durch Schönheit schaffen und nicht durch Schuld.“

Statt verdreckter Strände und schwimmender Müllinseln soll uns die bilderbuchartige Reinheit der Meere vor Augen schweben, wenn wir in einem dunkelblauen Sofa Platz nehmen, erklärt die in Barcelona lebende Expertin.

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Die perfekte Trend-Kombi: Blautöne in allen Schattierungen treffen auf einen Teppich im Used Look.

Ziel des Einrichtungstrends sei es, lieber unterschwellig an das Gewissen zu appellieren, anstatt demonstrativ die Moralkeule zu schwingen. Wer Wasser als unerschöpfliche Inspirations- und Lebensquelle begreift, dem wird der Schutz der Ozeane schon zum Anliegen, so die Rechnung.

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Ob sie aufgeht, steht allerdings in den Sternen. Fakt ist jedoch: Blau kommt zurück. Nachdem mehrere Saisons lang die Erde mit all ihren Schlammfarben und Dschungeltönen unsere Einrichtungswelt prägte, wird Wasser demnächst das tonangebende Element.

„Blau ist keine grundsätzlich neue Farbe, aber in der Einrichtung war sie viele Jahrzehnte nicht vorhanden, weil sie als zu kühl, dunkel oder nichtssagend galt. Die Menschen wollten Wärme und Licht, da passte Blau nicht ins Konzept“, erklärt Ursula Geismann, Sprecherin vom Verband der Deutschen Möbelindustrie.

Harmonisch und konsensfähig

Jetzt aber habe Blau ein anderes Image. „Blau gilt als unglaublich harmonische, konsensfähige Farbe. Sie steht für Vertrauen und Sicherheit und durchaus auch wieder für Wärme.“

Schließlich, dazu reicht ein kurzer Blick in die Palette eines jeden Farbherstellers, bekommt man Blau, die Lieblingsfarbe der meisten Europäer, heutzutage in vielen Nuancen – von zurückhaltend sanft über fröhlich leuchtend bis hin zu kraftvoll intensiv.

Zeigen wird sich die blaue Vielfalt dabei nicht nur an der Wand, sondern vor allem auch auf Polstermöbeln und Accessoires. Ob das die Meere letztlich rettet? Einen Versuch ist es allemal wert.

Von Sophie Hilgenstock

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