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  • Fünf tote Kinder in Solingen: Betäubt und erstickt – Haftbefehl gegen Mutter (27) wegen Mordes – Ermittler geben neue Details bekannt

Fünf Kinder in Solingen wurden erstickt: Haftbefehl wegen Mordes gegen Mutter

  • Die fünf tot aufgefundenen Kinder aus Solingen sind den Ermittlern zufolge vermutlich betäubt und erstickt worden.
  • Einzig tatverdächtig sei die Mutter.
  • Gegen die 27-Jährige wurde Haftbefehl wegen Mordes in fünf Fällen beantragt.
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Solingen. Die fünf in Solingen getöteten Kinder wurden den Ermittlungen zufolge vermutlich betäubt und erstickt. Das hätten die Obduktionen der Leichen ergeben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag auf einer Pressekonferenz mitteilten. Die tatverdächtige Mutter (27) habe offenbar aus einem “Zustand emotionaler Überforderung” gehandelt und “da ist auch das Motiv zu suchen”. Hintergrund sei offenbar die Trennung von ihrem Ehemann vor rund einem Jahr. Der Leiter der Mordkommission, Marcel Maierhofer, sprach von einer “zerrütteten Ehe”. Mitte des Jahres habe es bereits einen Familienstreit gegeben, bei dem die Polizei involviert gewesen sei.

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Der Fall Solingen: "Schick die Polizei in die Wohnung, die Kinder sind tot"
2:14 min
Einzig das älteste Kind blieb unversehrt. Die Mutter hatte sich in Düsseldorf vor einen Zug geworfen.  © Reuters

Die Mutter ist nach Angaben der Ermittler “die einzig Tatverdächtige”. Ein Richter habe gegen die Frau Haftbefehl erlassen, sagte Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt. Die Staatsanwaltschaft hatte den Haftbefehl wegen fünffachen Mordes zuvor beantragt. Ob die 27-Jährige nun in ein Justizvollzugskrankenhaus kommt, sei noch ungewiss. Keiner der Väter der Kinder sei tatverdächtig. Die insgesamt sechs Kinder der Frau stammten von drei verschiedenen Vätern.

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Polizisten fanden tote Kinder in ihren Betten

Die 27-Jährige habe die Tat ihrer eigenen Mutter in einem Whatsapp-Chat gestanden und sich dann in Düsseldorf vor einen Zug geworfen, sagte Staatsanwalt Kaune-Gebhardt. Dabei habe sie schwere, aber nicht lebensgefährliche innere Verletzungen erlitten.

Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8) wurden von Polizisten am Donnerstag tot in ihren Kinderbetten gefunden, als die Einsatzkräfte die Wohnung in einem Mehrfamilienhaus aufbrachen. Sie seien zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstagvormittag getötet worden, sagte Maierhofer.

Marcel Maierhofer (r.), Leiter der Mordkommission, Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt (hinten) und Einsatzleiter Robert Gereci (M.) sprechen bei der Pressekonferenz zum Tod der fünf Kinder. © Quelle: Roberto Pfeil/dpa
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Schulbesuch rettete Elfjährigem eventuell das Leben

Dem sechsten Kind der Frau rettete vermutlich sein Schulbesuch das Leben. Eventuell sei der elfjährige Sohn nicht ums Leben gekommen, weil der Junge zum Tatzeitpunkt in der Schule gewesen sein könnte, sagte Maierhofer. Die Vermutung sei aber noch nicht gesichert. Der Junge habe noch nicht befragt werden können.

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Kurz nach der Tötung seiner fünf Geschwister habe der Elfjährige in einem schulischen Gruppenchat mitgeteilt, dass alle seine Geschwister tot seien, sagte Einsatzleiter Robert Gereci. Der älteste Sohn der tatverdächtigen 27-Jährigen sei zu dem Zeitpunkt von den Einsatzkräften noch nicht ausfindig gemacht worden.

Keine früheren Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdung

Vor der Tat gab es nach Ermittlerangaben keine Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung. “Wir haben keinerlei Anhaltspunkte für irgendeine Auffälligkeit in der Familie”, sagte Kaune-Gebhardt. Zuvor hatte die Stadt mitgeteilt, dass die Familie der fünf getöteten Kinder dem städtischen Jugendamt vor der Tat bereits bekannt war. “Der Familie wurden von der Stadt Solingen erforderliche Unterstützungen gewährt. Das Jugendamt hat zusätzlich mögliche Hilfsangebote unterbreitet”, erklärte die Stadt. “Erkenntnisse zu Auffälligkeiten oder einer potenziellen Gefährdung der Kinder gab es zu keinem Zeitpunkt.” Weitere Angaben könnten mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der betroffenen Familienmitglieder nicht gemacht werden, schrieb die Stadtverwaltung.

Die fünf Kinder – den Ermittlern zufolge drei Mädchen im Alter von 18 Monaten, zwei und drei Jahren sowie zwei Jungen im Alter von sechs und acht Jahren – waren am Donnerstag tot in einer Wohnung in Solingen entdeckt worden. Die 27-jährige Mutter steht im Verdacht, sie getötet zu haben. Anschließend soll sie sich im nahe gelegenen Düsseldorf vor einen Zug geworfen haben. Sie überlebte schwer verletzt.

RND/seb/dpa

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