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  • Friseurbesuch zu Hause: Sind mobile Friseure in Corona-Zeiten erlaubt?

„Druck ist enorm“: Friseur über Kundenanfragen zum Haareschneiden zu Hause

  • Unfrisierte Haare werden für viele Menschen zum Problem, wenn die Salons im Lockdown geschlossen haben.
  • Da wird dann selbst Hand ans Haar gelegt oder der Friseur verbotenerweise nach Hause bestellt.
  • Eine „unerträgliche Situation“, die die Kollegen unter Druck setze, meint Friseurmeister Guido Wirtz.
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Sie wachsen, geraten aus der Form oder verlieren ihre Farbe – unfrisierte Haare können für manch einen zum echten Problem werden, wenn die Friseursalons im Lockdown geschlossen haben. Insbesondere Männer mit kantigen Kurzhaarfrisuren vermissen einen ordentlichen Schnitt. Und so sind es nicht wenige, die sich den Friseur nach Hause bestellen wollen. Doch auch das ist nicht erlaubt und „fördert nur die Schwarzarbeit“, so Christian Weirich vom Landesverband Friseure Rheinland. „Die Situation für uns ist unerträglich“, sagt dazu der Landesinnungsmeister Guido Wirtz dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Der Druck auf die Kollegen ist groß“

Der Friseurmeister hat einen Salon in einer Gemeinde im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz mit acht Angestellten. Er selbst bekommt regelmäßig Anfragen von Kunden, die sich von ihm trotz des Verbots frisieren lassen wollen. „Ich bitte die Kunden dann immer um Verständnis“, sagt er. Er hoffe auch, dass seine Mitarbeiter solche Anfragen ablehnen. Schließlich wolle man ja auch, dass die Menschen nach dem Lockdown wieder in die Friseurläden kämen. Und tatsächlich – haben alle die Haare schön, fällt der Salonbesuch vorerst aus. Wirtz weiß aber: „Der Druck auf alle Kollegen ist enorm.“ Viele Friseure seien in einer dramatisch wirtschaftlichen Notlage. Da kann der Hausbesuch beim Kunden ein kleiner Nebenverdienst in schlechten Zeiten sein. Wird ein Friseur dabei jedoch erwischt, muss er mit einer Strafe von bis zu 25.000 Euro rechnen.

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Frisch frisierte Politiker, Moderatoren und Fußballer: kein gutes Vorbild

Und trotzdem sind gerade im Fernsehen sehr viele gut frisierte Männer und Frauen zu sehen. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks hat kürzlich in einem offenen Brief an den Deutschen Fußball-Bund seinen Unmut über frisch frisierte Fußballprofis geäußert. Auch Wirtz ärgert sich darüber. „Es sind ja nicht nur Fußballer, sondern auch Moderatoren und Politiker“, sagt er. Sie alle seien kein gutes Vorbild für die Gesellschaft: „Da wird Wasser gepredigt und selbst Wein getrunken“, fasst der Friseur die Situation zusammen. Und er weist darauf hin, dass die Politik mit der Schließung der Friseure ein falsches Signal gesetzt habe. Denn die Hygieneauflagen in der Branche seien so hoch, dass es zu keiner Zeit eine große Ansteckungsgefahr gegeben habe. Auch Weirich vom Landesverband sieht das so. Bei etwa 700.000 Kundenkontakten im Jahr 2020 habe es nur eine Handvoll Ansteckungsfälle im Zusammenhang mit einem Friseurbesuch gegeben.

Hohe Nachfrage nach Haarschneidemaschinen

Viele Menschen, die sich an die geltenden Regeln halten, legen in dieser Zeit nun selbst Hand ans Haar. Das lässt sich beispielsweise an den Verkaufszahlen von Haar- und Bartschneidemaschinen ablesen. Der Hamburger Onlinehändler Otto.de hat im Corona-Jahr 2020 deutlich mehr solcher Utensilien verkauft als zuvor. „Um bis zu 300 Prozent ist die Nachfrage an Haar- und Bartschneidemaschinen gestiegen“, sagt Otto-Sprecherin Amy Remy dem RND. Zwischenzeitlich habe es sogar Lieferschwierigkeiten gegeben, weil es Engpässe für Scherenblätter aus Fernost gegeben habe.

Doch nicht nur Schermaschinen erleben einen Boom: Onlinehändler und Drogeriemärkte verkaufen vermehrt Haarprodukte, darunter auch Färbemittel. Um diese richtig anzuwenden, gibt es im Internet zahlreiche Profis und Halbprofis, die Tipps und Beratungen für das Styling im heimischen Badezimmer geben. Geht die Eigenbehandlung dann schief, könnte zumindest das eine Chance für die Friseure sein, wenn sie ihre Salons wieder öffnen dürfen.


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