Fridays for Schlabberlook: Rettet die Jogginghose!

  • Immer mehr Schulen verbieten ihren Schülern das Tragen von Jogginghosen.
  • Unser Autor ist entsetzt.
  • Denn schließlich hält nichts unsere Gesellschaft mehr zusammen als das schlabberige Stück Stoff.
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Hannover. Liebe Schülerinnen und Schüler, die Lage ist ernst. Man will uns ein Kulturgut nehmen. Etwas, das wir lieben, auf das wir uns alle einigen können. Generations- und länderübergreifend. Ein Stützpfeiler unserer Gesellschaft, an dem mit voller Wucht gewackelt wird. Ihr ahnt sicherlich schon, worum es geht, na klar: die Jogginghose.

Eine Schule in Hannover hat angekündigt, ab dem kommenden Jahr euer liebstes Kleidungsstück aus dem Klassenzimmer zu verbannen. Es ist nicht der erste feige Angriff dieser Art: Immer wieder lassen sich Rektorinnen und Rektoren zu Verboten des heiligen Stücks Stoff hinreißen. Es handele sich schließlich um „keine angemessene Kleidung“ heißt es etwa als Begründung aus Hannover. Ich sage: Moment mal!

Warum bestimmen ausgerechnet Lehrer, was modisch erlaubt ist?

Zunächst einmal: Wo kämen wir eigentlich hin, wenn ausgerechnet Lehrer über angemessene oder unangemessene Kleidung urteilen? Also diejenigen, die zu meiner Schulzeit lavendelfarbene Fleecepullis oder Multifunktionshosen für vertretbare Arbeitskleidung hielten. In der Ferne läutete immerzu die Sirene der Modepolizei, aber Lehrer durften sich in ihrer Kleidungswahl trotzdem frei entfalten.

Genau das sollte auch für Schülerinnen und Schüler gelten. Und wenn es um die Jogginghose geht, dann erst recht.

Ein Blick auf die Laufstege, Bühnen und roten Teppiche der Welt zeigt, wie richtig die Schüler mit der Wahl ihrer Hose liegen. Die Bedeutung des zu huldigenden Kleidungsstücks hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nämlich deutlich gewandelt. Galt die Joggingpeitsche einst als modisch unangemessener Couchbegleiter, den man ausschließlich hinter verschlossener Wohnungstür trug, ist sie heute sogar in den Modemagazinen dieser Welt angekommen.

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Modehype „Athleisure“

Man nennt diesen Modetrend (aufgepasst, Lehrer – hier kommt der Bildungsteil dieses Textes) „Athleisure“. Ein Kofferwort aus „Athletic“ und „Leisure“. Sportliche Freizeitkleidung, die man aber nicht nur beim Sport trägt, sondern als bewusstes modisches Statement. Modemarken unterstützen den Hype mit Neuinterpretationen der ultrabequemen Hose – etwa mit Materialen aus Samt, Satin, Jersey oder klassischen Hosenstoffen. Die Marke Dior treibt den Trend auf die Spitze mit einer Jogginghose für satte 2000 Euro.

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Der Hype um die Jogginghose kommt nicht von ungefähr. Egal ob Miley Cyrus oder Capital Bra: Prominente von Pop bis Gangster-Rap zeigen sich inzwischen im Schlabberlook, in Musikvideos, auf Bühnen und sogar auf dem roten Teppich. Ja sogar „Person of the year“ Greta Thunberg trägt auf ihrem ikonischen Foto aus dem überfüllten deutschen ICE stilecht: eine graue Jogginghose!

Die Jogginghose ist Völkerverständigung

Der Banker trägt gern Jogginghose, genauso wie das Arbeiterkind. Der Schweinemäster genauso wie der Tierschützer. Warum ist das so? Weil die Jogginghose alle Gesellschaftsschichten vereint. Wir alle sehnen uns nach Bequemlichkeit.

Greta Thunberg trägt sie im Zug, Dieter Nuhr auf dem Sofa, während er sein nächstes Kabarettprogramm tippt und draußen der Diesel warmläuft* (*nur eine Vermutung, nicht ausrecherchiert). Ich wette, dass sogar Donald Trump gelegentlich Jogginghose trägt, während er sich einen altmodischen Film zusammen mit einem Freund ansieht. Chill Donald, chill.

In Jogginghose sind wir alle gleich, da geht es nicht um Alter, Wohlstand oder Herkunft, da geht es um Bequemlichkeit. Da sind Aussehen und Religion egal, denn unsere Religion ist kuscheliger Tragekomfort! Wie viele Kriege hätten verhindert werden können, hätte man die Sache einfach entspannt in Jogginghose ausdiskutiert?

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Fridays for Schlabberlook

Die Schule in Hannover droht ihren Schülern nun mit Sanktionen, wenn sie im kommenden Jahr noch mit Jogginghose das Gelände betreten. Eine Strafmaßnahme ist beispielsweise: Schulhof fegen oder Mensa putzen.

Liebe Schülerinnen und Schüler, ich hoffe, ihr fegt und putzt sie mit Stolz. Ziviler Ungehorsam fängt da an, wo die Wahl der Hose aufhört. Und in Jogginghose ist ja selbst das Fegen und Putzen angenehm bequem.

Alle zusammen! Fridays for Schlabberlook! Die Jogginghose braucht jetzt unsere Unterstützung.

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