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Fotoautomat in Hamburger Führerscheinstelle löst bei Schwarzen nicht aus

  • Ein Fotoautomat der Bundesdruckerei sorgt in Hamburg für Ärger, weil er keine dunkelhäutigen Menschen fotografiert.
  • Eine schwarze Frau berichtet, dass das Gerät sie nicht erkannt habe.
  • Die Behörde weist Rassismusvorwürfe allerdings entschieden zurück.
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Hamburg. Audrey K. möchte in einer Hamburger Führerscheinstelle ihre Fahrerlaubnis anfertigen lassen. Dazu fehlt ihr allerdings noch ein biometrisches Passfoto, das sie in dem Fotoautomaten im Flur der Behörde machen will. Doch zu ihrem Ärger erkennt das Gerät ihr Gesicht nicht.

Schon zuvor hatte sie eine Mitarbeiterin darauf hingewiesen, dass es ein Problem mit ihrer Hautfarbe geben könnte, sagte K. der “taz”. “Die Erfahrung macht mich sehr traurig. Das Problem scheint Ihnen bekannt zu sein, aber auf Ihrer Internetseite wird auf diesen Sachverhalt nicht hingewiesen”, schrieb sie laut der Zeitung in einer Beschwerde an den Landesbetrieb Verkehr (LBV). “Während für weiße Menschen meistens alles ganz einfach funktioniert, sind schwarze Menschen im Alltag häufig mit solchen Mechanismen der Unterdrückung konfrontiert.”

“Kein Beitrag zur Rassismusdebatte”

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Die Behörde habe auf ihr Schreiben reagiert: “Wir arbeiten selbstverständlich an Lösungen”, heißt es laut “taz” in einer E-Mail des LBV. Mit Rassismus habe der Vorfall aber nichts zu tun.

Auch ein Sprecher der Bundesdruckerei, des Herstellers des Fotoautomaten, wehrt sich gegen die Rassismusvorwürfe: “Wir haben Verständnis, dass in Zeiten, in denen Rassismus Gemüter erregt, derartige Themen zur Kenntnis genommen werden. Dieses Thema eignet sich jedoch definitiv nicht als Beitrag zur Rassismusdebatte. Wie jedes optische System ist die Qualität abhängig von der jeweiligen Beleuchtungssituation – gleichgültig ob für weiße oder schwarze Hautfarbe”, sagte er gegenüber der “taz”. Die Automaten gehörten zu den modernsten der Welt und seien auf keinen Fall in irgendeiner Art rassistisch programmiert.

Problem nicht behoben

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Behoben sei das Problem aber noch nicht: Audrey K. kam später wieder – mit einem Passfoto aus einem einfachen Automaten. Aus Neugier testete sie das Fotogerät in der Behörde erneut, doch es funktionierte immer noch nicht. Eine Freundin mit weißer Hautfarbe, die sie dorthin begleitete, habe dagegen keine Probleme gehabt. “Es kann nicht sein, dass die Behörde sich des Problems bewusst ist und es einfach ausblendet, indem sie den Apparat über eine längere Zeit dort stehen lässt”, sagte die Betroffene zur “taz”.

Die Führerscheinstelle will nun eigenen Angaben zufolge zusätzliche Lichter in der Kabine anbringen, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen.

RND/nis

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