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Flutkatastrophe bringt auch Tiere in Not – aber die Hilfsbereitschaft ist groß

  • Die Hochwasserkatastrophe hat die Menschen hart getroffen und die Tierwelt ebenso.
  • Viele Wildtiere sind in den Fluten zu Tode gekommen, Haus- und Nutztiere mussten gerettet werden.
  • Nun fehlt es den Besitzern an Futter und Unterbringungsmöglichkeiten – doch die Hilfsbereitschaft ist groß, wie Beispiele zeigen.
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Als die Flut kam, blieben sie allein zurück, verängstigt und ohne Nahrung. Weil die Besitzer fluchtartig ihre Häuser verlassen mussten, um sich vor den Wassermassen zu retten, wurden in den Hochwassergebieten diverse Haustiere in den Wohnungen und Häusern zurückgelassen. Allein im stark vom Unwetter betroffenen Trierer Stadtteil Ehrang musste die Feuerwehr in der Nacht zum vergangenen Freitag mehr als 60 Haustiere in Sicherheit bringen.

„Tiere sind in einer Schockstarre“

Inge Wanken kann einige Rettungsgeschichten erzählen. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins in Trier hat in den letzten Tagen mehrere Einsätze hinter sich gebracht. So wie den, als sie einen Hund aus einer Wohnung im dritten Stock befreien konnte. Mit einem Radlader gelangte sie auf den Balkon des Hauses, schlug eine Balkontür ein, um danach einem verängstigten, sehr großen Hund gegenüber zu stehen. „Er war 50-Kilogramm schwer, damit hatte ich nicht gerechnet.“ Wanken hat es geschafft, den Vierbeiner zu überzeugen, mit ihr in die Baggerschaufel zu steigen. „Meist befinden sich die Tiere in solchen Situationen in Schockstarre“, sagt sie.

Wenn sie die Tiere den verzweifelten, oft weinenden Besitzern übergeben kann, hat sich der Einsatz gelohnt. Hilfreich sei, dass der überwiegende Teil der Haustiere registriert und eine Zuordnung deshalb überhaupt möglich ist. Doch es fehle an allen Ecken und Enden – wie dem Besitzer eines 1,5 Meter langen Leguans – so erzählt es Wanken – der nun dringend ein neues Terrarium für die Echse braucht.

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Die Hochwasserkatastrophe in Westdeutschland bringt eine überwältigende Solidaritätsbereitschaft zum Vorschein.  © RND

Noch ist die Situation im Tierheim Trier überschaubar. Vor Kurzem sind 25 Katzen aus einem Messiehaushalt hier abgeliefert worden. „Doch wenn das Wasser zurückgeht, wird sich die Lage auch hier verschärfen“, glaubt die Vereinsvorsitzende.

Ein Tier zu verlieren, das breche den Menschen das Herz

In Hagen ist das Tierheim von den Fluten verschont geblieben. Allerdings herrscht rund um das Gelände Chaos, das Heim ist nur über eine Notzufahrt zu erreichen. Auch hier ist die Situation einigermaßen entspannt – noch. Man bereitet sich aber auf viel Arbeit vor.

„Die Leute sind derzeit überfordert, viele haben all ihre Vorräte für die Tiere verloren“, weiß Birgit Ganskow, Vorsitzende vom Tierschutzverein in Hagen. Deshalb wollen sie und ihre Helfer jetzt Futterausgaben einrichten. „Es ist alles ein Drama“, sagt sie immer wieder und erzählt von einem Shetlandpony, dass kilometerweit entfernt von seinem Heimathof im Wasser schwamm und glücklicherweise gerettet werden konnte. Wenn die Menschen jetzt zusätzlich zu allem anderen auch ihre Tiere verlieren, das breche ihnen das Herz, so Ganzkow. Sie klingt traurig, wenn sie dann von all den Wildtieren, den Enten, die in den sonst so beschaulichen Flüssen ertrunken sind, den toten Füchsen oder Rehe mit ihren Kitzen erinnert. Sie alle hätten keine Chance gehabt, als das Wasser kam.

Versorgung ist das größte Problem

Das größte Problem, mit dem Haus- und Nutztierbesitzer derzeit zu kämpfen haben, ist die Versorgung der Tiere. Wenn Felder und Wiesen überschwemmt, Scheunen zusammengebrochen und Heuvorräte durchnässt sind, fehlt schlicht und einfach das Essen für die Pferde oder Kühe.

Ein Reh ist mit einer Folie abgedeckt worden und liegt neben einem Feuerwehrmann. Nahe eines Biergartens an der Ruhr hat die Feuerwehr ein erschöpftes Reh aus Wasserfluten gerettet. © Quelle: Mike Filzen/Feuerwehr Essen/dpa

Da kommt Heike Neukötter aus dem ostfriesischen Ostermoordorf (Gemeinde Großheide) ins Spiel. Die 52-Jährige hat vor Jahren in Nordrhein-Westfalen einen Pferdepensionsbetrieb betrieben. Nun hat sie spontan eine Hilfsaktion organisiert, mit wachsendem Erfolg. Bislang hat sie mit ihrer Familie, dem Ehemann, der Tochter und deren Freund, dafür gesorgt, dass 13 Lastwagen, beladen mit Heu, nach Nordrhein-Westfalen gefahren sind.

Heuspenden von überall

Weitere Lieferungen stehen an. „Wir bekommen Heuspenden von überall – auch aus Holland, Belgien und Dänemark“, sagt Neukötter. Spediteure aus Ostdeutschland haben umsonst ihre Hilfe angeboten. Der Verein Equitrans Pferdetransporte gehört zum Unterstützerteam – und die „vielen lieben Bauern“. Das Telefon im Hause Neukötter steht kaum still, die Hilfsbereitschaft hat sich herumgesprochen, viral verbreitet und gewinnt an Fahrt. Was fehlt, sind noch Spediteure, die neben Heu auch Material für Weidezäune und Tierzubehör in die Hochwassergebiete bringen.

Hilfsbereitschaft ist grenzenlos

Überhaupt ist die Hilfsbereitschaft grenzenlos. In Facebook-Gruppen bieten Tierfreunde alles Erdenkliche an. Unterkünfte, Pflege, Zubehör oder medizinische Behandlungen. Eine Heilpraktikerin will sich kostenlos um traumatisierte Tiere kümmern.

Ramona Tänzler aus Bad Berleburg betreibt eine Art Wohlfühlhof mitten im Wald in der Nähe von Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen). Nicht nur Tiere, sondern auch ihre Besitzer könnten nun bei ihr Unterschlupf finden, auch für eine längere Zeit. Nett von ihr? „Nein, nicht nett, sondern notwendig“, sagt sie. Sie könne ihren Hof nicht verlassen – ihr Angebot sei das Einzige, womit sie den betroffenen Menschen und Tieren helfen könne. Noch hat sich niemand bei ihr gemeldet, aber das kann ja noch werden. „Ich habe Platz“, sagt Tänzler.

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