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Fitness in den eigenen vier Wänden – ein Corona-Phänomen ohne Zukunft?

  • Fitnessstudios und Sportvereine sind in Corona-Zeiten geschlossen. Kein Wunder, dass viele Menschen auf Fitness im eigenen Heim umsteigen.
  • Sportausrüstungshersteller verkaufen plötzlich online mehr Geräte, Online-Work-outs von Youtubern und Fitnessketten boomen.
  • Doch wird das auch so bleiben, wenn die Krise vorbei ist?
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Ein Franzose läuft einen Marathon auf seinem Balkon, Promis wie Lena Gercke bieten jeden Tag Live-Work-outs aus ihrem Wohnzimmer an und Instagram ist voll mit Bildern von Sport-Challenges und Fitnessübungen, die sich zu Hause umsetzen lassen. Turnen wir bald nur noch in den eigenen vier Wänden herum?

In Corona-Zeiten jedenfalls, in denen Sportstätten, Sportvereine und Fitnessstudios geschlossen sind und die Leute zu Hause bleiben sollen, steigen plötzlich Millionen Menschen in Deutschland auf Sport im eigenen Zuhause um. Das bestätigen auch Hersteller von Sportausrüstung, deren Onlineverkauf plötzlich wächst. So auch beim Unternehmen Decathlon, das auf Sportgeräte und -bekleidung spezialisiert ist: “Im Vergleich zum Vormonat Februar haben wir im März im Onlineshop ein Wachstum der Bestellungen von circa 30 Prozent festgestellt”, sagt Celinn Fischer, Pressesprecherin der Firma, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Anstieg beim Verkauf von Fitnessgeräten

“Gerade in den vergangenen Wochen konnten wir einen großen Anstieg beim Verkauf von Fitnessgeräten für den häuslichen Gebrauch beobachten”, berichtet sie. Dabei interessierten sich die Kunden auch viel für kleinere Sportprodukte. Auf der Website findet sich eine eigene Rubrik “Sport zu Hause” – zu finden sind dort unter anderem Elastikbänder, Matten und Hanteln, aber auch Crosstrainer, Laufbänder und Co. Das gestiegene Interesse an solchen Geräten bestätigt auch Sportscheck: “In den letzten zwei Wochen verzeichnen wir in unserem Onlineshop eine erhöhte Nachfrage nach Sportgeräten und Sportausrüstung, die zu Hause genutzt werden können”, teilt ein Unternehmenssprecher dem RND mit.

Auch Youtuber und Influencer, die ihre Follower schon vor Corona-Zeiten mit Sportvideos zum Mitmachen animiert haben, erfahren gerade einen Boom. So erzählt Yogalehrerin und Youtuberin Mady Morrison, deren gleichnamigem Kanal zurzeit fast 600.000 Menschen folgen, dem RND, dass bei ihr die Aufrufzahlen der Videos in den vergangenen zwei Wochen nach oben gegangen sind. “Da aktuell mehr Menschen die Youtube-Videos nutzen, ist auch das Engagement gestiegen. Mehr Kommentare, mehr E-Mails, mehr Videowünsche”, spricht sie über die Veränderung.

Bedürfnis nach Struktur

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Es reiche den Leuten aber nicht, einfach nur viele Videos zu haben: “Vor allem sehe ich das Bedürfnis nach Struktur und einem Leitfaden, da viele mit dem riesigen Angebot überfordert sind”, so Morrison. Darauf habe sie reagiert, indem sie in dieser Zeit zwar nicht mehr Videos als sonst produziere, aber dafür drei neue Wochenpläne mit unterschiedlichen Schwerpunkten zusammengestellt habe.

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Könnte es also sein, dass sich Home-Work-outs auch nach der Corona-Zeit vermehrt in deutschen Haushalten etablieren? Die passenden Geräte werden zumindest viele nach dieser Zeit zu Hause stehen haben. Trotzdem glauben viele aus der Branche eher nicht daran. Große Fitnessketten wie McFit und Easyfitness setzen darauf, dass ihre Studios, wenn sie wieder geöffnet sind, wie zuvor besucht werden. “Unsere Mitglieder wollen auch nach der Krise wieder ihren gewohnten Ort für das Training aufsuchen, deswegen ist auch die Treue und Solidarität gerade sehr groß”, entkräftet McFit-Unternehmenssprecher Pierre Geisensetter gegenüber dem RND die Vermutung, dass in der Corona-Zeit vermehrt Verträge mit Fitnessstudios gekündigt würden.

Fitnessketten reagieren mit Onlineangebot auf Schließungen von Studios

Die Kette reagiere auf die Schließung ihrer Studios, indem sie ihr sonst kostenpflichtiges Onlineangebot zurzeit kostenfrei zur Verfügung stelle. “Darüber hinaus geben wir und unsere Trainer über unsere Social-Media-Kanäle Inspirationen für Home-Work-outs”, führt Geisensetter weiter aus.

Ähnlich sieht das bei Easyfitness aus: “Wir konnten keine vermehrten Kündigungen feststellen. Ganz im Gegenteil, die Nachfrage, wann es wieder losgehen kann, ist ungebrochen”, sagt Easyfitness-Geschäftsführer Jens Tappe dem RND. Zurzeit bietet auch die Kette ihren Mitgliedern zahlreiche kostenlose Onlineangebote. Dazu gehören Trainingspläne in einer App und auch Livekurse mit den Trainern, die im Netz gestreamt werden. Außerdem biete Easyfitness seinen Mitgliedern Ernährungs- und Bewegungsberatung über Telefon, Videochat, Social Media oder E-Mail an.

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Home-Work-out nur Ersatz in der Corona-Krise?

Das Onlineangebot in Sachen Sport war schon vor der Corona-Krise gut aufgestellt, allein auf Youtube gibt es Tausende Work-outs zum Nachmachen. In diesen Zeiten zahlt sich das aus. Doch dass die Menschen nun, da sie vermehrt Geräte auch zu Hause haben, auch nach dieser Zeit den Besuch des Fitnessstudios oder des Sportvereins mit Home-Work-outs ersetzen, ist eher unwahrscheinlich.

“Ich bin mir absolut sicher, dass Menschen gerade wesentlich mehr Sport zu Hause machen. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass die Kurve recht schnell wieder abflacht, sobald Fitness- und Yogastudios wieder geöffnet haben”, meint auch Yoga-Youtuberin Morrison. Außerdem sind die Studios in den meisten Fällen wohl doch noch besser ausgestattet als die meisten Menschen zu Hause – und der Trainer kann eben persönlich besser Tipps geben als im Video. Home-Work-outs bleiben vermutlich nach der Krise weiterhin nur eine Ergänzung wie zuvor.

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