Feuer an US-Westküste: Gouverneure sehen Schuld auch bei Trump

  • Donald Trump macht schlechte Forstwirtschaft in - demokratisch regierten - US-Westküstenstaaten für die jüngsten verheerenden Wald- und Buschfeuer verantwortlich.
  • Die Gouverneure sehen den Klimawandel als klaren Schuldigen.
  • Die Opferzahl ist derzeit auf 34 gestiegen, 20 Menschen werden vermisst.
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Salem. Wald- und Buschbrände wie die jüngsten an der US-Westküste werden immer häufiger - und verheerender. Wie lässt sich das verhindern? Darüber liegen Präsident Donald Trump und die demokratischen Gouverneure der betroffenen US-Staaten Kalifornien, Oregon und Washington über Kreuz. Alle drei sagen, dass globale Erderwärmung die Wälder immer anfälliger für Feuer mache, weil sie heißer und trockener würden. Trump wiederum verwies am Montag bei einem Kalifornien-Besuch auf die Notwendigkeit einer verbesserten Forstwirtschaft: “Es wird kühler werden, das werdet Ihr sehen”, sagte der Republikaner.

Aber Wissenschaftler und andere an den Frontlinien halten die Antwort für komplizierter. Sie sagen, dass Wald- und Buschbrände praktisch unausweichlich seien, getrieben davon, dass Pflanzen und Bäume als Folge des Klimawandels austrockneten und mehr Menschen in der Nähe besonders anfälliger Gebiete lebten. Das Ausdünnen von Wäldern und kontrolliertes Abfackeln seien zwar Lösungen, aber sie in dem Ausmaß umzusetzen, das wirklich helfen würde, habe sich als große Herausforderung erwiesen.

Wälder brennen in nie da gewesenem Ausmaß

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Durch die Feuer sind mittlerweile mindestens 35 Menschen getötet worden, etliche Einwohner werden vermisst, ganze Landstriche und Siedlungen sind zerstört, die Westküste ist in Rauch gehüllt. Trump argumentiert, dass die Staaten Schuld daran seien, sie hätten nicht dafür gesorgt, Blätter und totes Gehölz von den Waldböden zu entfernen. Aber viele der Feuer in Kalifornien haben sich durch Unterholz und Grasland in Küstenregionen vorwärtsgefressen und nicht durch Wald, und einige der größten Feuer wüten nicht auf staatlichem Gelände, sondern auf Land, das von der Bundesregierung in Washington kontrolliert wird.

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In Oregon waren es die Wälder, die vergangene Woche lichterloh brannten, in einem noch nie da gewesenen Ausmaß. In diesem Zeitraum gab es Oregons Forstbehörde zufolge fast die gleiche Zahl von “Megafeuern” wie im gesamten vergangenen Jahrhundert.

Kontrollierte Brände sollen Bedrohung für Städte und Dörfer mindern

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Gouverneurin Kate Brown hat Washington um Unterstützung bei Oregons Katastrophenschutzbemühungen gebeten. Experten, Umweltschützer und Holzarbeiter stimmen weitgehend darin überein, dass Ausdünnen von Bäumen und Gebüsch durch kontrollierte Brände und sorgfältiges Fällen helfen wird, die Bedrohung von Städten und Dörfern durch brennende Wälder zu vermindern. Aber inwieweit das in diesem Fall wirklich genützt hätte, ist unklar. Starker Wind hat die Flammen die westlichen Abhänge der Kaskaden-Bergkette heruntergepeitscht, in kleine Städte wie Detroit in Oregon, die völlig vernichtet wurden.

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Donald Trump: "Es wird wird sich abkühlen. Wartet es ab"
1:37 min
Die Feuerkatastrophe an der amerikanischen Westküste ist für die Gouverneure der betroffenen Bundesstaaten eine Folge des Klimawandels. Trump sieht das anders.  © Reuters

“Wenn es Wind mit Geschwindigkeiten von mehr als 30 Meilen (48 Kilometer) in der Stunde gibt, Funken von der Flammenfront weit voraus sprühen, die Flammen viel länger sind als normal, ist Auslichten da wirklich genug, um in einem derartigen Inferno ein Haus vor dem Abbrennen zu bewahren?” fragt Jim Gersbach, Sprecher der Forstbehörde Oregons.

Häuser stehen in der Gegend eng beieinander

Tatsächlich werden in den stark bewaldeten westlichen US-Staaten jedes Jahr Millionen Dollar für das Ausdünnen von Bäumen und die Säuberung von Gebüsch ausgegeben, wobei viele meinen, dass noch mehr getan werden müsse. Aber die kostspieligen und arbeitsintensiven Maßnahmen zu verstärken ist nicht so leicht, da immer mehr Menschen zum Wohnen in die Berge und Wälder ziehen oder dort Feriendomizile bauen.

"Wenn eine Menge Leute auf kleinem Gebiet eng zusammenleben, es dort Häuser und Scheunen und Hütten und Gehege und Zäune gibt, ist es sehr schwer, einen kontrollierten Brand auszuführen", sagt Gersbach. "Wenn das Feuer aus irgendeinem Grund davonrennt, ist fast sofort das Grundstück von jemandem betroffen."

Geplantes Ausdünnungsprogramm wurde noch nicht umgesetzt

Auslichten hat 2017 die Stadt Sisters in Oregon vor einem Feuer geschützt. Aber pro Jahr hat es nur auf ungefähr einem halben Prozent der Waldfläche im Staat kontrolliertes Abbrennen gegeben, wie Gersbach sagt. Im US-Staat Washington ist ein geplantes Ausdünnungsprogramm auf staatlich verwaltetem Gelände der Behörde für Naturressourcen zufolge noch nicht umgesetzt worden.

Vielerorts fehle es an Kapazitäten oder Geld für die Arbeiten, sagt John Bailey, ein Experte für Bäume und Feuermanagement an der Oregon State University. Es gebe nicht mehr genügend Sägewerke für nutzbares Holz, mit dessen Verkauf man einen Teil der Kosten fürs Auslichten bestreiten könnte. Insgesamt seien nur langsame Fortschritte bei den Maßnahmen für die Wälder zu verzeichnen.

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Gouverneure werfen Trump vor, den Klimawandel herunterzuspielen

Gouverneure an der Westküste werfen Trump derweil unverblümt vor, die Bedrohung durch den Klimawandel herunterzuspielen. Gavin Newsom in Kalifornien war da bei seinem Treffen mit dem Präsidenten am Montag eher noch gemäßigt. Es gebe wissenschaftliche Beweise dafür, dass der Klimawandel real sei und die Feuergefahren in Wald und Busch verschärfe, sagte er. Was man beobachte, spreche für sich. Der Gouverneur wies auch darauf hin, dass 57 Prozent der Waldgebiete in Kalifornien von der Washingtoner Regierung kontrolliert würden. Am vergangenen Freitag hatte er das Leugnen der Gefahren des Klimawandels als “ideologischen BS” bezeichnet, was sich mit “ideologischem Scheiß” übersetzen lässt.

In Kalifornien waren bis Dienstag 24 Menschen durch die Feuer ums Leben gekommen, in Oregon mindestens zehn, und mehr als 20 Menschen wurden dort noch vermisst. In Washington gab es ein Todesopfer. Insgesamt sind Zehntausende Menschen aus ihren Häusern geflohen - und viele von ihnen fanden bei der Rückkehr nur Schutt und Asche vor.

RND/AP

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