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Hat Djokovic die Behörden angelogen? Alle offenen Fragen

Die Teilnahme von Novak Djokovic an den Australien Open steht noch immer auf der Kippe.

Nachdem das australische Gericht sich am Montag auf die Seite von Novak Djokovic geschlagen und die Stornierung seines Visums rückgängig gemacht hatte, bemühte sich auch die australische Regierung zunächst um Schadensbegrenzung. Die Zeichen stehen gerade eher auf Versöhnung im Fall Novak Djokovic – auch wenn viele Fragen noch ungeklärt sind.

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Australiens Regierungschef Scott Morrison telefonierte mit der serbischen Premierministerin Ana Brnabić – darin warb er um Verständnis für Australiens strenge Reisebeschränkungen und erklärte, warum diese in seinen Augen nicht diskriminierend sind. In einem Statement des Büros des australischen Premierministers hieß es, das Gespräch zwischen den beiden Regierungschefs sei „konstruktiv“ gewesen. Morrison habe erklärt, wie die australische Grenzpolitik das Land während der Pandemie geschützt habe. Brnabić scheint dagegen vor allem um Djokovics Wohlergehen besorgt gewesen zu sein. Sie betonte wohl, wie wichtig es wäre, dass er nun trainieren und sich damit körperlich auf den bevorstehenden Wettkampf vorbereiten könne, nachdem er vier Tage in einem Quarantänehotel in Melbourne festgesessen sei.

„Blamage für Australiens Regierung“: Was im Fall Djokovic noch zu erwarten ist

Tennis-Ass Novak Djokovic hat vor Gericht in Melbourne Recht bekommen: Der Serbe darf in Australien bleiben. Die Analyse von Korrespondentin Barbara Barkhausen.

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Hat Djokovic die australischen Behörden belogen?

Auch Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke hat bisher keine weiteren Schritte unternommen, um das Visum des Stars erneut zu annullieren, und am Melbourne Park, wo die Australian Open ab dem 17. Januar stattfinden werden, wehten gar die serbische und die australische Flagge im Wind nebeneinander. Auch Djokovic selbst hatte noch in der Nacht zu Dienstag in einem Twitter-Post versöhnliche Worte angeschlagen: „Ich freue mich und bin dankbar, dass der Richter die Stornierung meines Visums aufgehoben hat“, schrieb er neben einem Foto von sich und seinem Team in der Rod Laver Arena, wo er bereits neunmal gewonnen hat. „Trotz allem, was passiert ist, möchte ich bleiben und versuchen, bei den Australian Open anzutreten.“

Am Dienstagnachmittag meldeten lokale Medien dann jedoch, dass die Australian Border Force – also der Grenzschutz – untersuche, ob Djokovic auf den Unterlagen für die Einreise eine Falschangabe gemacht hatte. So gab er an, zwei Wochen vor seinem Flug nach Australien nicht gereist zu sein. Doch Social-Media-Beiträge scheinen zu zeigen, dass er am Weihnachtstag in Belgrad war und am 2. Januar in Spanien trainierte, bevor er nach Australien flog.

Hat sich Djokovic trotz eines positiven Tests nicht isoliert?

Weitere Fragen ergeben sich aufgrund seines positiven Testergebnisses. Dieses erhielt Djokovic am 16. Dezember. Trotzdem war er am 17. Dezember dann bei einer Preisverleihung im Novak Tennis Centre in Belgrad und ließ sich dabei ohne Maske mit Kindern fotografieren. Einen Tag später nahm der Tennisprofi dann laut der französischen Zeitung „L‘Équipe“ an einem Fototermin teil und am 25. Dezember zeigen ihn Aufnahmen beim Tennisspiel auf einer Straße in Belgrad.

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Auf sozialen Medien wurde dies dann auch kontrovers diskutiert. Etliche Kommentatoren stellten infrage, warum er nach einem positiven Testergebnis eine öffentliche Veranstaltung besuchte. Die Familie des Tennisspielers reagierte auf dieses Thema bei ihrer Pressekonferenz am Montag ebenfalls sensibel. Sie brachen die Konferenz nach einer Frage danach umgehend ab. Selbst das positive Testergebnis von Djokovic wurde auf sozialen Medien hinterfragt. So behauptete Ben Rothenberg, ein Autor der „New York Times“, dass ihn der QR-Code auf der Bescheinigung zunächst zu einem negativen, später dann aber zu einem positiven Ergebnis geführt habe. Ein Test unserer Zeitung führte allerdings nur zu einem positiven Ergebnis.

Wieso entschied der Richter zu seinen Gunsten?

Die australische Saga um den serbischen Tennisstar Novak Djokovic hält seit Tagen die gesamte Welt in Atem. Nachdem er vergangene Woche zunächst stundenlang am Flughafen in Melbourne festgehalten worden war, war das Visum des Tennisstars für Australien annulliert worden. Hintergrund war der unklare Impfstatus des Sportlers. Doch der Serbe ging daraufhin vor Gericht.

Bei der Verhandlung am Montag gab es dann früh positive Zeichen für Djokovic. So durfte Djokovic das Hotel verlassen, in dem er sich seit der Stornierung seines Visums hatte aufhalten müssen, und auch der Richter Anthony Kelly ließ früh eine Tendenz für Djokovics Seite erkennen: So zählte er zu einem Zeitpunkt auf, was Djokovic alles für seine Australienreise vorbereitet hatte und endete mit den Worten: „Der Punkt, über den ich mich etwas aufrege, ist: Was hätte dieser Mann noch mehr tun können?“

In seinem Urteil folgte der Richter dann auch der Argumentation von Djokovics Anwälten und bezog sich auf die Behandlung des Stars nach seiner Ankunft in Melbourne. So konnte Djokovic während seiner Zeit am Flughafen weder mit seinen Anwälten noch mit anderen Behörden sprechen, die ihm helfen konnten – nachdem es in Australien mitten in der Nacht war. Djokovic habe um zusätzliche Zeit gebeten, und dies sei zunächst von den Beamten genehmigt worden. Doch dann sei er gegen 6 Uhr am Morgen von Beamten geweckt worden, die ihn angeblich unter Druck gesetzt haben, sich zu äußern. Dies bezeichnete der Richter als „unangemessen“ und entschied letztendlich zugunsten des Sportlers.

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