Spurlos verschwunden: Auch diese Vermisstenfälle sind bis heute ungeklärt

  • Die kleine „Maddie“ verschwand vor gut 13 Jahren spurlos aus einer Appartementanlage - nun ermittelt das BKA gegen einen Mann aus Deutschland.
  • Doch das Verschwinden der Dreijährigen ist nicht der einzige ungeklärte Vermisstenfall.
  • Einige Kinder gelten bereits seit mehr als 20 Jahren als vermisst, ihre Fälle sind teils äußerst mysteriös.
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Hannover. Im Fall des vor gut 13 Jahren in Portugal verschwundenen britischen Mädchens Madeleine „Maddie“ McCann steht ein 43 Jahre alter Deutscher unter Mordverdacht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach Angaben des Bundeskriminalamts gegen den Mann, der mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft sei. Doch so tragisch der Fall „Maddie“ McCann auch ist – er ist bei Weitem nicht der einzige. Jedes Jahr werden allein in Deutschland rund 100.000 Kinder als vermisst gemeldet, in einem Prozent der Fälle endet die Suche nach ihnen in einer Tragödie. Und manchmal bleibt für die betroffenen Familien nur die Ungewissheit. Dann, wenn die Vermisstenfälle völlig ungeklärt bleiben.

Rebecca Reusch, verschwunden seit 2019

Der Fall Rebecca gilt inzwischen als einer der spektakulärsten Vermisstenfälle der vergangenen Jahre. Am 18. Februar 2019 wird die 15-Jährige Schülerin aus Berlin von ihrer Familie als vermisst gemeldet. Der Grund: Sie war am Morgen nicht zur Schule gekommen, nachdem sie bei ihrer Schwester und dessen Mann übernachtet hatte. Kurz darauf wird ihr Schwager als Tatverdächtiger festgenommen, die Polizei durchsucht Waldgebiete und Seen.

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Von der 15-Jährigen fehlt jedoch bis heute jede Spur. Eine Leiche wird nie gefunden, ein Mord kann nie nachgewiesen werden. Der 27-Jährige Schwager gilt zwar laut Staatsanwaltschaft weiterhin als tatverdächtig – Beweise dafür gibt es jedoch nicht.

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Der Fall Rebecca - eine Chronologie
1:54 min
Ein Jahr ist es her, dass die 15-jährige Rebecca in Berlin als vermisst gemeldet wurde. Bisher fehlt von dem Mädchen jede Spur. Was ist passiert?  © RND/dpa/Marie Schiller

Inga Gehricke, verschwunden seit 2015

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Sei dem 2. Mai 2015 wird die damals fünfjährige Inga vermisst. © Quelle: picture alliance / dpa

So auch beim Fall der verschwundenen Inga aus Stendal (Sachsen-Anhalt). Am 2. Mai 2015 ist das damals fünfjährige Mädchen mit ihren Eltern in einem Diakoniewerk zu Besuch. Dann geht Inga mit anderen Kindern in den Wald, um Holz für ein Lagerfeuer zu suchen. Sie kehrt nie zurück.

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Das Gelände vor Ort ist weitläufig, offenbar bekommt niemand mit, dass die Kleine verschwindet. Die Polizei gründet die “Ermittlungsgruppe Wald” mit 40 Beamten. Mindestens 1000 Polizisten, Feuerwehrleute und Helfer suchen nach dem Mädchen. Die Ermittler setzen Spürhunde ein, lassen Waldgebiete durchkämmen, Hubschrauber aufsteigen und Lautsprecherwagen die Umgebung abfahren. Auch mit einer eigens eingerichteten Website, tausenden Suchplakaten und einem Aufruf bei “Aktenzeichen XY” wird nach dem Mädchen gesucht.

2150 Hinweise gehen in fünf Jahren bei der Polizei ein, doch Inga bleibt verschwunden. “Mein Gefühl sagt mir, sie ist noch am Leben”, so Ingas Mutter Victoria gegenüber dem “Stern”. Vater Jens-Uwe hingegen hat nicht mehr so viel Hoffnung: “Ich habe nichts gefunden, was für einen guten Ausgang sprechen könnte, so sehr ich mir den auch wünsche. Aber die Hoffnung, dass sie lebend zurückkommt, geht bei mir gegen null.”

Manuel Schadwald, verschwunden seit 1993

Manuel Schadwald verschwand als Zwölfjähriger in Berlin. © Quelle: picture-alliance / dpa

Auf dem Weg in einen Berliner Freizeitpark verschwindet der damals zwölfjährige Manuel spurlos. Nach einer ergebnislosen Suche vermutet die Polizei, dass der Junge verschleppt wurde.

Immer wieder tauchen in dieser Zeit Berichte auf – etwa von niederländischen Polizisten, die glauben, Manuel bei einem Kinderpornoproduzenten gesehen zu haben. 1998 behauptet eine belgische Bürgerinitiative, eine Bande habe den Jungen für Pornos verschleppt. Auch Hinweise zu dem belgischen Kindermörder Marc Dutroux gibt es. Nichts davon konnte je nachgewiesen werden – und Manuel tauchte nie wieder auf.

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Maddie McCann, verschwunden seit 2007

Maddies Eltern Gerry und Kate McCann mit einem Foto der Vermissten.

Das britische Mädchen Maddie verschwindet am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz. Hier hatte die damals Vierjährige mit ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern Urlaub gemacht.

Am Abend des 3. Mai 2007 essen die Eltern mit drei befreundeten Paaren und einer begleitenden Mutter in einem Restaurant der Ferienanlage. Die drei kleinen Kinder der Paare schlafen zu diesem Zeitpunkt bereits. Alle halbe Stunde schauen die Eltern nach ihnen, das vierte Paar verwendet ein Babyphone.

Um 22 Uhr bemerkt Kate McCann das Verschwinden ihrer Tochter. Ein Fenster des Appartements, das zuvor geschlossen gewesen sei, sei nun unverschlossen gewesen. Mit diesen Angaben informiert sie die portugiesische Polizei.

Kurz darauf durchsuchen hunderte Polizeibeamte die Ferienanlage, Flughäfen werden alarmiert. Die Polizei geht zu diesen Zeitpunkt davon aus, dass die Vierjährige entführt wurde, etwa für einen internationalen Pädophilenring oder für eine kriminelle Organisation, die Kinder zur Adoption ins Ausland verkauft.

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Die McCanns starten eine internationale Suchkampagne – jedoch ohne Erfolg. Die portugiesische Polizei stellt die Ermittlungen nach 14 Monaten ein, nimmt sie aber fünf Jahre später wieder auf. Die britische Polizei eröffnet zudem 2011 weitere Ermittlungen.

Die Eltern von Maddie geraten im Zuge der Ermittlungen wiederholt in Verdacht, selbst etwas mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun zu haben. Nachweisen kann man ihnen das jedoch nicht. Immer wieder melden sich bis heute noch Zeugen, die Maddie auf der ganzen Welt gesehen haben wollen – bislang hat sich keiner dieser Hinweise bestätigt.

Jetzt ist womöglich der entscheidende Durchbruch gelungen: Ein 43 Jahre alter Deutscher steht unter Mordverdacht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach Angaben des Bundeskriminalamts gegen den Mann, der mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft sei. Er verbüße derzeit in anderer Sache eine längere Haftstrafe, teilte das BKA am Mittwochabend in Wiesbaden mit.

Hilal Ercan, verschwunden seit 1999

Die seit dem 27.01.1999 in Hamburg verschwundenen Hilal Ercan. © Quelle: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Es ist der 27. Januar 1999 – Zeugnistag. Die Noten der zehnjährigen Hilal aus Hamburg sind gut, sie darf zur Belohnung Süßigkeiten kaufen gehen. Doch von ihrem Ausflug ins Einkaufszentrum kommt sie nie zurück.

Dann ein schrecklicher Fund: Die Mutter des Mädchens entdeckt ganz in der Nähe des Shopping-Centers die Haarspangen und einen Ohring des Mädchens. Zeugen sagen später aus, sie hätten ganz in der Nähe einen rothaarigen Mann beobachtet, der am Arm eines dunkelhaarigen Mädchens zog. Andere Zeugen wollen Schreie gehört haben. Die Polizei startet die größte Suchaktion in Hamburg seit dem Zweiten Weltkrieg – jedoch ohne Erfolg.

2005 kommt erstmals nach 16 Jahren Bewegung in den Fall. Der wegen Sexualstraftaten an Kindern vorbestrafte Dirk A. gesteht, Hilal entführt und ermordet zu haben – er zieht sein Geständnis später jedoch wieder zurück und bestreitet bis heute die Tat.

2018 sucht die Polizei noch einmal mit Baggern und einem Leichenspürhund ein Waldstück im Hamburger Volkspark ab. Grund ist ein konkreter Hinweis. Doch auch diesmal bleibt die Suche ohne Erfolg. Hilal ist inzwischen seit 21 Jahren verschwunden.

Deborah Sassen, verschwunden seit 1996

Die Fotomontage der Polizei zeigt das Bild der achtjährigen Deborah Sassen, in der Kleidung, die sie am Tag ihres Verschwindens trug. © Quelle: picture-alliance / dpa

Die damals achtjährige Deborah verlässt an einem Dienstag im Februar 1996 nach dem Ende des Unterrichts ihre Schule – und kommt nie Zuhause an. Die Achtjährige war mit ihren Eltern gerade nach Düsseldorf gezogen und musste nur wenige Meter von der Schule nach Hause gehen. Doch auf dieser kurzen Strecke verliert sich jede Spur.

Die Polizei sucht mit einem Großaufgebot nach dem Mädchen, doch auch bei Deborah bringt die Suche keinerlei Erfolg. Immer wieder berichten Zeugen von angeblichen Sichtungen des Mädchens. Eine Zeugin etwa will sie auf einem zugefrorenen See gesehen haben, ein anderer hat angeblich einen Unbekannten im Auto an der Schule beobachtet.

Die Familie von Deborah zerbricht in den Folgejahren an dem Schicksal. Auch 24 Jahre später gibt es keinerlei Hinweise auf den Verbleib der Achtjährigen.

Annika Seidel, verschwunden seit 1996

Seit 1996 vermisst: Die damals elfjährige Annika Seidel. © Quelle: Polizei

Nur wenige Monate nach dem Verschwinden von Deborah Sassen, im September 1996, verschwindet auch die elfjährige Annika Seidel in Kelkheim (Hessen). Am Nachmittag des 10. September war das Mädchen noch mit ihrer Mutter unterwegs, gegen 18 Uhr trennen sich die beiden – Annika will noch Flohmittel für den Hund kaufen. Als das Mädchen um 21.15 Uhr immer noch nicht zurück ist, sucht die Mutter nach Annika und ruft die Polizei. Doch auch die kann den Verbleib der Schülerin nicht erklären.

Eine Zeugin will das Mädchen am Tag des Verschwindens nahe eines Autos mit osteuropäischem Kennzeichen gesehen haben. Ein anderer Zeuge glaubt, Annika noch in den Feldern der näheren Umgebung entdeckt zu haben. 2008 fällt einem Bekannten der Familie auf, dass eine Frau am Grab von Annikas verstorbenem Vater steht und das Grablicht entzündet. Die Polizei stellt DNA-Spuren sicher, die allerdings einem Mann zugeordnet werden.

Annikas Mutter ist inzwischen nicht mehr am Leben. Sie verstirbt 2007, ohne je erfahren zu haben, was mit ihrer Tochter geschehen ist.

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