Fall Epstein legt Zustände in US-Gefängnissen offen

Der Tod von Jeffrey Epstein rückt Gefängnisse in Amerika in kein gutes Licht. Eine Gefängnismitarbeiterin gibt Einblicke in den Gefängnisalltag. Die Zustände sind erschreckend.

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Washington/Big Spring. Der angeklagte Unternehmer Jeffrey Epstein soll in seiner Zelle eines New Yorker Bundesgefängnisses Suizid begangen haben. Wie es dazu kommen konnte, wird weiterhin untersucht. Fest steht jedoch, dass die Wächter mehrere Stunden nicht nach Epstein schauten. Sein Tod wirft Fragen über die Zustände in Amerikas Gefängnissen auf.

Paula Chavez, die seit zwölf Jahren in einem Bundesgefängnis in Texas arbeitet, weiß, was in vielen Haftanstalten schief läuft und gibt einen Einblick in ihren Alltag. Der Job der 48-Jährigen bestehe eigentlich darin, die Häftlinge zu unterrichten. Durch den Personalmangel haben sie jedoch kaum Kontrolle über die Insassen. Immer wieder kommt es zu Gewalt. "Wir sind nicht in der Lage, Häftlinge vor Angriffen zu schützen", sagt sie. "Wir können auch die Mitarbeiter nicht schützen." Ihr eigener Sohn, der selbst in dem Gefängnis arbeitet, wurde im vergangenen Jahr von einem Häftling attackiert. Personalmangel ist in vielen Hinsichten ein Problem. So sei es nicht möglich, die Zellen der Insassen zu durchsuchen.

Die Zustände erinnern an die Netflix-Serie "Orange Is The New Black": Schmuggel mit Drogen, Handys, Sim-Karten und Tabak. "Wir haben inzwischen mehr Häftlinge mit Handys als ohne", sagt die Gefängnismitarbeiterin. Durch Drohnen oder auch Mitarbeiter der Haftanstalt fände die Schmuggelware immer wieder ihren Weg in das Gefängnis. Die Insassen, die hier eigentlich resozialisiert werden und von ihrem Drogenkonsum loskommen sollen, landen durch eine Überdosis immer wieder auf der Krankenstation. Eine Wiedereingliederung finde nicht statt.

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Tod von Epstein kein Einzelfall in Amerika

Die zuständige Behörde für Bundesgefängnisse wird nun Antworten liefern müssen, denn das Justizministerium fordert Details zum Fall Epstein und den Zuständen in dem New Yorker Gefängnis, in dem er starb. So wie der Multi-Millionär kommen auch in vielen anderen Haftanstalten in Amerika Insassen auf unnatürliche Weise ums Leben. Ein Untersuchungsbericht des US-Justizministeriums zu Haftanstalten in Alabama zeigte erschreckende Ergebnisse: exzessive Gewalt, Vergewaltigungen und Suizide - häufig greifen die Vollzugsbeamten gar nicht ein. Von 2001 bis 2014 wurden fast 1000 Insassen in US-Gefängnissen getötet - mehr als 3000 nahmen sich das Leben.

Ende letzten Jahres wurde eine Reform verabschiedet, um mehr Häftlinge in Bundesgefängnissen frühzeitig zu entlassen. Dies betrifft jedoch nur die 180.000 Bundeshäftlinge von insgesamt 2,1 Millionen Inhaftierten in ganz Amerika. Es ist also lediglich ein Anfang.

Haben Sie Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern:

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Telefon-Hotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

0800 - 111 0 111 (ev.)

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0800 - 111 0 222 (rk.)

0800 - 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche)

Email: unter www.telefonseelsorge.de

rnd/dpa